Alles beim Alten

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Und dabei war sich Freezers-Trainer Bill Stewart vor dem

Saisonstart doch so sicher: Dieses Jahr steht eine andere Hamburger Truppe auf

dem Eis. Eine Mannschaft, die mit Leidenschaft und Willen verspieltes Vertrauen

zurückgewinnt. Die Hamburger Verantwortlichen um den Chefcoach ließen im Vorfeld

der neuen DEL-Spielzeit keine Gelegenheit aus, um zu betonen, dass die Freezers endlich ein neues Gesicht zeigen werden. Umso größer muss die Enttäuschung der

rund 8.500 Zuschauer in der Color-Line-Arena gewesen sein, als sie nach 60

Minuten Spielzeit den einstigen Spaßtempel einmal mehr mit hängenden

Köpfen verlassen mussten und bis auf den neuen Fansong und eine moderat geänderte

Einlaufshow wenig neues auf dem Planet Ice zu sehen bekamen.

Die Vorstellung der Hamburger Cracks glich der des

Vorjahres. Nichts war zu sehen von einem neuen Geist in der Mannschaft. Nichts

war zu sehen von funktionierendem Überzahlspiel. Nichts war zu sehen von einem

eintrainierten Spielsystem. Und so schien auch die obligatorische Pressekonferenz

nach der Partie nichts als eine Kopie jener Pressekonferenzen aus dem Vorjahr

zu sein. Von den Ausländern enttäuscht sei er, konstatierte Stewart. Das war er

auch schon letztes Jahr. Aus den Fehler lernen wolle man, gelobte Stewart

Besserung. Auch das wollte man schon letztes Jahr. Hart arbeiten sei jetzt die

Devise, so Stewart. Das war sie auch letztes Jahr schon.

Stichwort arbeiten: Es drängt sich die Frage auf, woran in

Hamburg während der Vorbereitung gearbeitet wurde. Was hat Herr Stewart seinen

Mannen vermittelt? Es kann nicht viel gewesen sein oder die Spieler verstehen die

Sprache des einstigen Erfolgstrainers einfach nicht mehr. Verlieren im ersten

Saisonspiel, das kann passieren, das ist kein Beinbruch. Doch wenn es rein gar

nichts gibt, das sich auf dem Eis im Vergleich zum Vorjahr geändert hat, wenn

es rein gar nichts gibt, das wirklich Hoffnung macht. Dann müssen Fragen

gestellt werden – und das auch schon nach den ersten 60 Minuten der Saison.

Doch der Reihe nach: Nur 97 Sekunden gespielt und da war es

bereits passiert – die Hamburg Freezers kassieren ihren ersten Gegentreffer

der Saison, Verteidiger Dominic Auger tifft in Überzahl zur 1:0-Gästeführung. Wer danach

auf anstürmende Freezers hoffte, sah sich getäuscht - dennoch der Ausgleich:

Nach einem eklatanten Fehler im Huskies-Stellungsspiel war Francois Fortier

(10.) auf und davon und überwand Ex-Freezer Boris Rousson im Duell Eins-gegen-Eins.

Doch die Freude der Gastgeber währte nur kurz. Ryan Kraft (13.) stellte keine

zwei Minuten später den alten Abstand wieder her.

Die Angriffsformation um Kraft und seine Sturmpartner Manuel

Klinge und Alex Leavitt besiegte die Freezers fast im Alleingang. Das flinke

Sturmterzett zeigte der betagten Hamburger Defensive ein ums andere Mal ihre

Grenzen auf. Vor allem Ausnahmekönner Leavitt spielte seine Gegenspieler reihenweise

schwindelig. Mit Verteidiger-Paar Auger und Ryan Gaucher an der blauen Linie machten

sie den Hamburgern vor, wie Überzahlspiel funktioniert. Viel Bewegung, schnelle

Kombinationen - logische Folge: Die nächsten Huskies-Treffer. Es erhöht Klinge (43.)

in doppelter Überzahl auf 3:1, dann trifft Gaucher (44.) wenig später bei einem

Mann Überlegenheit zum 4:1 für die Gäste

aus Hessen.

Nach Treffern von Clarke Wilm (51.) und Vitalij Aab (57.)

wurde es jedoch noch einmal spannend. Die Huskies ließen die Hausherren durch

schwaches Spiel in der eigenen Zone unnötiger Weise auf einen Treffer

herankommen und offenbarten in der Schlussphase, dass sie eben doch nur als

Aufsteiger und nicht als Meister nach Hamburg gereist waren. Mit hartem Einsatz

retteten die Huskies schließlich ihre verdienten drei Punkte über die Zeit und

konnten sich nach 60 Minuten über ein gelungenes DEL-Comeback freuen.

In Hamburg bleibt hingegen – trotz anderslautender Versprechungen – alles beim Alten. (dp)

Foto by City-Press: Erfolgreich an der alten Wirkungsstätte - Kassels Schlussmann Boris Rousson