Adler: Wo bleibt der Mut zum Wechsel?

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Tief, tiefer, Mannheimer Adler. Selbst, wenn ab und an mal ein Pünktchen aufs Konto kommt, der Patient krebst noch arg vor sich hin. Die Augsburger Vorstellung war an Magerkeit wohl kaum zu überbieten und somit geht erstmal jene trübe Zeit, in der die Zuschauer sich verwundert die Augen reiben, und nicht glauben können, was da auf dem Eis geschieht, weiter. Kleine Freudenfeuer zwischendurch erweisen sich als Kerzen im stockdunklen Tunnel. Stolpernde Profis, die den Puck kaum noch treffen, Leistungsträger, die mehr einknicken als laufen, gestandene Cracks, die hilflos wie die kleinen Kinder ihrem Gegner nachkeuchen, bleiben noch an der Tagesordnung. Alle? Nein, nicht alle. Die deutsche Reihe Martinec, Ullmann und Arendt glänzt, läuft gegen alle Trends an, kämpft und überzeugt. Ganz klar: Das Trio ist topfit, und es hat nicht den Sommer über alle Fähigkeiten verloren. Drei Musketiere, die ihre Adler-Fahne beachtlich hochhalten und bisweilen auch die anderen mitreißen. Die Trainer loben sie, die Journalisten, die Mitspieler. Unisono die Einigkeit: Diese deutsche Reihe ist in einem Tal voller Tränen ein Freudenfunken.

Doch was wird passieren, wenn die anderen, die Übersee-Stars, das hilflose Flattern einstellen, die Kufen ölen und wieder loslegen. Dass sie das können, wer möchte es bezweifeln. Shantz, Corbet, Sloan, Butenschön, Fata oder Jaspers, um nur einige zu nennen, sind Könner, sind auch charakterlich in Ordnung, wollen siegen und können vor allem teamdienlich spielen. Man hat es in der letzten Spielzeit gesehen, man dürfte es wieder sehen, wenn sie sich gefangen haben, überwunden haben was auch immer sie hemmt und was eigentlich allen ein Rätsel ist. Nur, was geschieht dann mit der jetzt so hochgelobten deutschen Reihe? Zurück ins zweite Glied, husch husch? Würde es einen ehrlich wundern? Nein, würde es nicht, es wäre nicht das erste Mal, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt.

Das erfährt am eigenen Leibe derzeit Torwart Robert Müller. Der ist nachweislich topfit, er ist gut, er ist ehrgeizig, er kann halten und er kann andere motivieren. All das hat er bewiesen. Er war krank, auch das stimmt, aber er ist zurückgekommen in einer einmaligen Art. Vor der Saison hieß es noch, nichts sei entschieden, wer die Nummer eins im Tor sein würde, das stünde noch in den Sternen. Hauser oder Müller das war die Frage, wobei der Amerikaner natürlich die besseren Chancen hatte. Holte man ihn doch bei Köln weg mit der Aussicht auf den Leithirschplatz. Dass man Robert ein Jahr vorher mit ähnlichen Versprechungen zurückgeholt hatte, das war Vergangenheit durch die Krankheit. Robert Müller verstand das, er zeigte sich durch und durch sportlich und er wollte sportlich beweisen, dass er das Zeug hat, einen Stammplatz zu erobern. Die Rede war auch von der Nummer 1 a und 1 b.

Und was ist davon übriggeblieben? Hauser, Hauser, nur noch Hauer im Tor, seit nunmehr fast einem Dutzend Spielen. Nun kann man dem Amerikaner keinerlei Vorwurf machen, ganz im Gegenteil, der US-Boy spielt Klasse, verhindert oftmals schlimmeres und ist wirklich der Allerletzte, den irgendeine Schuld an Niederlagen trifft. Will man Ruhe ins Spiel bringen mit einer Nummer eins Hauser? Was gibt das für einen tieferen Sinn? Man verliert trotzdem. Würde Robert Müller die Mannschaft schwächen? Lachhaft, weder würde man in der jetzigen Situation nur wegen ihm gewinnen, noch wegen ihm verlieren. Genauso wie bei Hauser auch. Ein Torwart kann sicherlich Spiele entscheiden, aber keine Spiele, bei der ein Großteil des Teams nervös hinter dem Gegner herrennt und kein Gegenmittel findet.

Allerdings ist man nicht nur beim Torwart eisern. Auch im Team setzt man lieber auf alte Recken, die zwar ihrer Form gewaltig hinterherhinken, die aber irgendwann mal wieder Klasse beweisen könnten. Warum nimmt man nicht mal junge Deutsche, die heiß auf Einsätze sind, die sich die Beine ausreißen würden für ihr Team und die kaum schlechter spielen können als einige der sogenannten Leistungsträger. Es ist klar, dass alle Nerven zum Zerreißen gespannt sind im Adler-Führungsteam derzeit, niemand verübelt das, wenn man als die eindeutige Nummer eins in die Saison startet und dann nur ein Schatten seiner selbst ist als Team. Aber man hat lange genug gewartet auf eine wirkliche Leistungssteigerung, jetzt muss man auch mal was wagen. Wobei, auch das soll ganz klar gesagt sein, die Trainer hier nicht an den Pranger gestellt werden sollen. Das wäre zu billig, zu abgegegriffen. Die Trainer können die einzelnen nicht übers Eis tragen, sie können ihnen höchstens einen Tritt in den Allerwertesten geben, damit sie mal in Schwung kommen. Und das tun sie mit Sicherheit. Poss und Fowler sind gut, das sollte man nicht bezweifeln, sie brauchen Rückendeckung, Ruhe zum Arbeiten, nicht Gerüchte, dass ihre Ablösung bevorstehen könnte. Kein Wunder, dass sie in einem Klima der Verunsicherung keine Experimente wagen. Und genau das sollten sie vielleicht ab und an.

Dazu gehört: Warum gibt man nicht endlich wieder Robert Müller eine Chance? Der hat sie verdient. Warum erzählt man erst immer von der Ausgewogenheit im Tor, wenn man dann einen auf der Bank am ausgestreckten Arm verhungern lässt? Robert Müller äußert sich nicht zum Thema. Fragt man ihn, dann sagt er ganz klar, dass er die Entscheidungen der Trainer akzeptiert. Was ihn ehrt. Einzusehen ist trotzdem nicht, dass man nur noch einen spielen lässt, so gut er auch sein mag. Und wer sagt denn, dass der zweite Mann, der ja eigentlich auch als ein Erster eingestellt wurde, das nicht könnte? Derzeit aber straft man einen Mann ab, der sich nicht das Geringste zuschulden hat kommen lassen wie einige andere, die spielen dürfen. Ganz im Gegenteil! Müller ist eine Kraft bei den Adlern, einer, der sich mit seinem Team identifiziert, der auch schon andere Zeiten hier erlebt hat. Ein Adler im besten Sinne eben.

Angelika von Bülow

DEL PlayOffs

Samstag 20.04.2019
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Montag 22.04.2019
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