Adler verspielen 4:1-FührungWolfsburg gewinnt in Mannheim nach Aufholjagd

Daniel Widing (hinten rechts) traf zum 3:4 und 4:4 für Wolfsburg. (Foto: Imago)Daniel Widing (hinten rechts) traf zum 3:4 und 4:4 für Wolfsburg. (Foto: Imago)
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Sonntagnachmittag in der Mannheimer SAP-Arena: Trend aufwärts (Grizzlys Wolfsburg, sechs Spiele in Folge gewonnen) spielte gegen Trend abwärts (Adler Mannheim, drei Spiele in Folge verloren) und das Ergebnis bestätigte die Richtung. Wolfsburg gewann die Partie nach Penaltyschießen mit 5:4 (0:0, 1:4, 3:0, 1:0) und nahm zwei Punkte mit nach Hause.

Kurios fing das Spiel an: Markus Brill, eigentlich und tatsächlich Schiedsrichter der Partie, erschien in Wolfsburgs Starting Six auf dem Video Würfel, zu Lasten von Gerrit Fauser, der davon unbeeindruckt trotzdem auflief und in der 49. Minute den Anschlusstreffer zum 2:4 erzielte. Kurios ging es weiter, schaute man auf den Spielverlauf.

Das Drehen von Spielen trotz Führung mit mehreren Toren scheint bei den Duellen dieser Mannschaften Programm zu werden. Machte das Mannheim in der letztjährigen Hauptrunde einmal und in den letzten Play-offs dreimal vor (Wolfsburg verlor das Halbfinale mit 0:4), so war gestern Abend Wolfsburg an der Reihe.

Wolfsburgs Trainer Pavels Gross hatte sein Team taktisch so eingestellt, das die Grizzlys im ersten Drittel mit geschicktem Pressing jeglichen Spielfluss bei den Adlern unterbanden, allerdings ging das auch zu Lasten der eigenen Spielkultur. Zerstören war angesagt, in der oft überbevölkerten neutralen Zone neutralisierten sich beide Mannschaften, die Angriffsbemühungen und Schussversuche in den jeweiligen Angriffsdritteln blieben überschaubar.

Das änderte sich erst im Mittelabschnitt. Die Grizzlys vernachlässigten ihren „Game Plan“, indem sie ohne Not Strafen zogen, und das brachte die Adler ins Spiel. Das bis auf die letzten drei Spiele so hervorragende Powerplay der Mannheimer fand zu alter Stärke zurück. Drei Powerplay-Tore in Folge hieß das (24., 28., 34.), auch wenn beim ersten Tor die Powerplay-Zeit zwei Sekunden abgelaufen war. Zweimal traf Christoph Ullmann, quasi mit Toren „on demand“ (er erhielt die Pässe erst, nachdem er mit seinem Schläger vernehmlich aufs Eis schlug), der dritte Treffer aus dem Gewühl heraus vor Felix Brückmann, wurde Glen Metropolit gutgeschrieben. Und weil es so schön war, verwertete Steve Wagner bei fünf gegen fünf einen Abpraller (38.), vorbereitet von Adler-Kapitän Markus Kink. Das Gegentor durch Wolfsburgs Tyler Haskins (26.) bei fünf gegen fünf ging bei den Adlern in diesem Abschnitt irgendwie in der Wahrnehmung als Warnung für die restliche zu spielende Zeit unter. Dieser Treffer legte nämlich eines der Probleme, welche die Adler in der letzten Zeit in der Rückwärtsbewegung haben, deutlich offen. Risikopässchen an der gegnerischen blauen Linie, schlechte Absicherung des Raumes. Dadurch hatte die Puckeroberung der Wolfsburger Folgen.

Grizzly Timothy Hambly bediente Tyler Haskins mit einem Pass genau in die Nahtstelle zwischen den beiden Verteidigungsräumen. Haskins verwertete seinen Alleingang sehenswert, Youri Ziffzer, der heute statt Dennis Endras das Tor hütete, war chancenlos.

Im Schlussabschnitt blieb Wolfsburg der Strafbank fern und deckte die weiteren Probleme, die die Adler im Moment haben, gnadenlos auf. Mit ihrem schnellen Umschaltspiel sorgten die Grizzlys immer wieder für „Überzahlsituationen“ im Adler-Drittel (durch schlecht zurückarbeitende Adler-Stürmer), die dadurch entstehende Hektik bei den Adlern auf der Suche nach den richtigen Positionen, gab den Wolfsburgern oft freie Anspielstationen und dadurch eben zwei Tore (49., 53.). In der 57. Minute bewiesen die Grizzlys, warum sie Top Drei in Überzahl sind, Daniel Widing stellte das Spiel mit seinem zweiten Treffer in vier Minuten auf Ausgleich. Das änderte sich auch nicht. Die Restminuten des Spiels und die Verlängerung blieben torlos. Im Penaltyschießen trafen nur die Wolfsburger und nahmen damit den Zusatzpunkt verdient mit nach Hause.

Der Adler-Auftritt durch das wieder funktionierende Powerplay also verbessert, aber dass ein Spiel 60 Minuten dauert, haben sie nach wie vor nicht verinnerlicht. Ein Garant für verlorene Spiele, wenn sie das nicht abstellen.

Tore: 1:0 (23:55) Christoph Ullmann (Glen Metropolit, Jonathan Rheault), 1:1 (25:26) Tyler Haskins (Timothy Hambly, André Reiss), 2:1 (27:52) Christoph Ullmann (Sinan Akdag, Daniel Richmond/5-4), 3:1 (32:05) Glen Metropolit (Sinan Akdag, Jonathan Rheault/5-4), 4:1 (37:03) Steven Wagner (Marcus Kink, Andrew Joudrey), 4:2 (48:57) Gerrit Fauser (Tyson Mulock, André Reiss), 4:3 (53:00) Daniel Widing (Patrick Seifert, Sebastian Furchner), 4:4 (56:13) Daniel Widing (Sebastian Furchner, Tyler Haskins/5-4), 4:5 (65:00) Tyson Mulock (entscheidender Penalty). Strafen: Mannheim 8, Wolfsburg 10 + 10 (Mark Voakes). Zuschauer: 11.016.

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