Adler und Haie: Immer gute Spiele

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Zwei Dinge beschäftigten Spieler, Fans und Verantwortliche der Mannheimer Adler an

diesem Abend: Die Begegnung mit den Haien und die Vorwürfe von Fans, die

Adler hätten vor dem Spiel in Hamburg zu fröhlich gefeiert. Am Montag

wird es zu Letzterem eine Pressemitteilung geben, das Spiel beurteilte

man bereits aktuell.

Zuerst zum Sport: Edgerton (Knieverletzung), Goc (Mandelentzündung),

Bakos und Junker (Grippe) pausierten, der Rest ging motiviert aufs Eis,

musste aber den Haien das erste Drittel abtreten. Hans Zachs Mannen

kamen gewaltig, mauerten hinten, stürmten vorne und scheiterten immer

wieder an einem gut aufgelegten Marc Seliger, der einige "big saves"

verzeichnen konnte. Das erste Tor schossen eigentlich folgerichtig die

Gäste, Furchner überwand Seliger, Elick und Dessner hatten ihn bedient

in der 17. Minute.

Wie umgewandelt kamen die Adler nach der Drittelpause aus der Kabine,

sie stürmten, zeigten Einsatz. Rene Corbet, der an diesem Abend ackerte

wie ein Wilder, wurde in der 25. Minute belohnt. Auf Zuspiel von Plante

und Joseph schoss er den Puck an dem sonst sicher wirkenden Rogles ins

Netz. Der Mittelabschnitt präsentierte den Zuschauern schönes Eishockey,

schnell, spannend. Racine erzielte in der 34. Minute das 2:1, mit

beteiligt waren Ustorf und Kennedy. In der 35. Minute glichen die Haie

jedoch schon wieder aus. Schlegel setzte einen gewaltigen Treffer ins

Tor, Lüdemann hatte vorgelegt.

Drittel drei wirkte anfangs zerfahren auf beiden Seiten. Jubel beim

Adler-Anhang, als in der 47. Minute Kennedy (Assists Ullmann und Plante)

den Führungstreffer herausschoss. Die Chancen häuften sich, die Adler

kamen gewaltig nach vorne. Und dann die 51. Minute. Das Publikum dachte,

es sei nach einem Foul abgepfiffen gewesen, doch der Schieri ließ

weiterspielen. Ex-Adler und jetziger Hai Ron Pasco erkannte blitzschnell

die Gunst der Stunde, schnappte sich den Puck und zog los zu einem tollen Alleingang, bediente dann Palmer und Furchner, der Ausgleich war

geschafft.

In der Folge spielten sich turbulente Szenen ab. Fans pfiffen sich die

Seele aus dem Leibe, warfen Gegenstände aufs Eis, konnten sich überhaupt

nicht mehr beruhigen, obwohl der Unparteiische nach Aussagen von

Experten absolut korrekt gehandelt habe. Die meisten im Stadion hatten

den Vorfall nicht genau mitbekommen, waren nur davon ausgegangen, dass

das Spiel unterbrochen worden sei. Es dauerte, bis man das eigene Team anfeuerte, gellende Pfiffe und

Schmählieder gegen die Schiedsrichter hielten einige Minuten lang an.

Dann aber standen die 7300 hinter ihrer Mannschaft, versuchten, sie mit

Gesängen nach vorne zu peitschen. Gute Chancen gab es, letztendlich aber

vereitelten Rogles oder das Pech Tore. Es ging ins Penaltyschießen.

Hier zeigte Marc Seliger seine ganze Klasse, hielt, was zu halten ging.

Mannheims Stürmer trafen diesmal, Roach wird auf dem Spielberichtsbogen

als Gewinner angegeben.

Beide Trainer zufrieden

In der Pressekonferenz zeigten sich beide Coaches zufrieden. Hans Zach:

"Das war ein sehr, sehr gutes Spiel zwischen zwei guten Mannschaften."

Der Kölner Trainer fand das 3:3 gerecht, sah seine Jungs im ersten

Abschnitt mit den besseren Chancen, im zweiten sei Mannheim besser

gewesen, im dritten habe seine Mannschaft nie aufgegeben, die Spieler

hätten die Rückstände ausgeglichen, was Zach besonders freute.

Bill Stewart sah die Begegnung als sehr wichtiges und gutes Spiel:

"Jedes Spiel gegen Köln ist sehr, sehr hart." Die Schiedsrichterleistung

sah er "als gefährlich" an. Seine Adler, meinte Stewart, hätten an

diesem Abend "eine Menge Charakter gezeigt."

Die Szene zum 3:3, nach der Kölns Coach von einem Journalisten gefragt

wurde, sah Zach so: "Von der eigenen Zone aus, darf man mit der Hand

einen Pass spielen."



Ron Pasco, der im Kabinenbereich wie ein verlorener Sohn freudigst

aufgenommen wurde - von Arzt Dr. Guido Volk über Adler-Betreuer Marcus

Schmuck bis hin zu Journalisten, Ordnern und Fans - freute sich

sichtlich darüber, dass man ihn in Mannheim nie vergessen hat. Er sei

jedesmal glücklich, wenn er wieder im alten Stadion antrete, verriet

Pasco. Er habe in der Quadratestadt wunderbare Jahre verbracht, die er

nie vergessen würde. Natürlich sei er auch hochmotiviert gegen die

Adler, Ehrensache, dass er um jeden Zentimeter Eis kämpfte, um seinen

Haien einen Sieg zu bescheren, denn eines ist klar, bei allen guten

Gefühlen für frühere Zeiten, ein Ron Pasco ist seinem Arbeitgeber

gegenüber hundertprozentig loyal. Außerdem fühlt er sich längst in Köln

heimisch, er wohnt und spielt dort ausgesprochen gerne. Das Spiel sei

Klasse gewesen, meinte Pasco, übrigens in perfektem Deutsch, die

Stimmung nach wie vor fantastisch, wie er es von Mannheims Fans gewöhnt

sei. Dann wurde er wieder umringt von jenen, die ihm unbedingt noch die

Hand schütteln wollten.

Mannheims Goalie Marc Seliger war im großen und ganzen zufrieden mit

dem Verlauf, meinte jedoch, "ein Tor weniger hätte es sein können." Der

dritte Kölner Treffer wäre vollkommen unerwartet gekommen, auch der

Adler-Goalie hatte angenommen, das Spiel sei abgepfiffen. "Man muss halt

immer weiter spielen, wenn man nicht hundertprozentig sicher ist", sagte

Seliger, der bescheiden Komplimente über seine Leistung, die imponierte,

abwehrte. Hai Markus Kink freute sich über den Punkt: "Man muss in Mannheim froh

sein darüber, das Team ist sehr stark", aber eigentlich, bekannte er

dann doch noch, sei er der Meinung, dass die Kölner genausogut hätten

gewinnen können. Kink, als früherer Riesserseer war ebenso wie Harti

Wild, der auch aus Garmisch-Partenkirchen stammt, entsetzt über die

Vorfälle bei ihrem alten Verein. Überhaupt wurde an dem Abend häufig

über die Entlassung von Riessersees Trainer Peter Gailer geredet.

Übereinstimmende Meinung: In Garmisch-Partenkirchen ginge es drunter und

drüber, weil sich die Vereinsspitze in der Republik lächerlich macht mit

ihren undurchdachten Aktionen.

Und dann kam wieder das zweite Thema des Abends. Marcus Kuhl war

kryptisch geblieben bei der Pressekonferenz. Er wolle jetzt etwas sagen

und bitte darum, keine Fragen zu stellen, meinte der Sportmanager. Es

ging um einen Artikel in der Bild-Zeitung, der sich um einen Eintrag auf

der inoffiziellen Adler-Homepage drehte. Dort hatte ein Fan behauptet,

die Spieler am Abend vor dem Hamburg-Spiel auf der Reeperbahn gesichtet

zu haben mit Bier in der Hand. Ein anderer Fan stellte ein Bild ins

Netz. Die Zeitung griff das auf. Bei Kuhl blieb offen, ob es am Montag

eine Pressemitteilung gegen die Zeitung oder über die Spieler gäbe.

Deutlicher wurde Adler-Geschäftsführer Matthias Binder: "Wir können das

Verhalten der Spieler als Organisation nicht übergehen. Wir werden am

Wochenende gemeinsam überlegen, was zu tun sein wird." Co-Coach Rico

Rossi stimmte in den Chor mit ein: "Es wird Konsequenzen haben."

Einer, der auf dem Bild zu sehen war, ist Frankie Groleau. Auf dem

Foto sitzt er in einem Lokal, man kann nicht erkennen, ob er ein Bier

trinkt, die Uhrzeit steht nicht fest. Für Groleau "eine wirkliche

Verletzung, dass alle jetzt davon ausgehen, dass wir zu viel getrunken

haben. Warum fragt man uns nicht erst, bevor man solche Meldungen

verbreitet in der Öffentlichkeit? Ich kann genau sagen, wie es war.

Wayne Hynes, mit dem wir lange zusammengespielt haben, hat uns abgeholt.

Wir waren auf der Reeperbahn, weil das typisch für Hamburg ist. Das Bild

ist um 20.30 Uhr aufgenommen worden. Um 21.30 Uhr haben wir die

Reeperbahn verlassen, in einem Lokal noch ein Bier getrunken, um 23 Uhr

waren wir alle im Hotel." Groleau ist entsetzt über die Außenwirkung,

"ich nehme an, der Fan ist jetzt sehr stolz darauf, das Thema in dieser

Form aufgebracht zu haben. Für uns ist das aber sehr verletzend, die

Spieler auf dem Foto, Stefan Ustorf, Steve Junker und ich identifizieren

uns mit unserer Mannschaft, wir spielen schon länger hier, wir wollen

alles geben, damit die Adler Erfolg haben. Wenn wir uns etwas hätten

zuschulden kommen lassen, würde ich wirklich sagen, dass jede Strafe

gerecht wäre. Aber wir haben überhaupt nichts verbrochen." (siehe auch

Kommentar)