Adler singen ihren Schwanengesang gegen Augsburg

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Hinter den Kulissen raunt es immer lauter: "Der Fisch stinkt vom Kopf her". Wo immer man hinhörte beim Spiel der Mannheimer Adler gegen die Augsburger Panther, viele Leute hatten die Lust verloren, die Mannheimer Mannschaft zu sehen und der Satz vom stinkenden Kopf war in vieler Munde. Die Fans waren teilweise erschreckend still, von Stimmung konnte nicht mehr

die Rede sein, die Vip’s murrten umso lauter, und auch etliche andere Kenner der Szene machten fest, dass es wohl nicht nur an den jeweiligen Trainern liegen kann, wenn im Adler-Nest nicht mehr viel zusammenläuft. Zumal das ja nicht die erste Saison ist mit einer miserablen Leistung, die kaum mehr

nachzuvollziehen ist.

Viele hatten sich auf Helmut de Raaf gefreut, der zweifelsohne frischen Wind hätte bringen können. Aber nicht mit diesem Team, das ihm ungestraft in den Rücken fallen durfte. Viele Stars, die sich auch so benehmen, zusammengekauft nach der Papierform und nicht nach ihrer Mannschaftstauglichkeit. Die Adler waren solange gut, solange sie Indianer und Häuptlinge hatten, erste und vierte Reihen, von denen von vorneherein

klar war, wo sie standen im Können. Jetzt also keine klaren Strukturen, viele Intrigen, viel Gerede hinter den Kulissen, kaum klare Worte an der richtigen Stelle. "Die spielen die Arena leer, bevor sie überhaupt steht," seufzte ein wichtiger Sponsor, bevor er nach Drittel zwei des Spiels gegen Augsburg die Segel strich und nach Hause ging.

Trainer Stephane Richer versuchte zwar noch zu beschönigen, was nicht zu beschönigen war. Er sei stolz auf das Team, der Sieg - 4:3 stand es am Ende für die Adler, was letztendlich so nicht verdient war gegen aufopfernd kämpfende Augsburger, die kurz vor Schluss dem Ausgleich sehr nahe waren, sei wichtig und eigentlich sei es ein gutes Spiel gewesen. Stephane Richer

und Mike Rosati kann man keinen Vorwurf machen, die beiden stammen noch aus jenen längst verflossenen Zeiten, als die Adler noch ein Team stellten, als sich die Spieler anstrengten und nicht jammernd gegen den Trainer motzten, sondern sehr wohl sahen, dass sie gutes Geld und jede Menge Privilegien

erhielten und dafür Leistung verlangt wurde. Natürlich gibt es auch davon noch welche in den Reihen dieser Mannschaft,

die keine ist. Rene Corbet etwa, Christobal Huet, die Jungen wie Ullmann, Kink oder Schütz und Carciola. Oder auch Bakos und Groleau. Doch ausgerechnet diese beiden, die immer die richtige Einstellung mitbrachten, sind verletzt. Groleau wird etliche Wochen ausfallen, um eine Operation hofft er herumzukommen, sie würde die Heilungszeit verlängern, erzählte er Hockeyweb. Er ist schon froh, dass er sich nicht das Genick gebrochen hat, als er von seinem Gegner, der mit Anlauf von der blauen Linie kam, angefahren wurde. "Ich habe ihn nicht gesehen," graust es Groleau auch jetzt noch, "ich hätte tot sein können."

Aber viele andere scheinen eben keine richtige Einstellung zu ihrem Beruf zu haben, sie bringen bisweilen kleine Highlights aus ihrem Repertoire, schweben auch mal übers Eis mit schönen

Zügen, um dann wieder in dumpfes Brüten zu versinken. Vielleicht über die Ungerechtigkeit, dass sie doch eigentlich zu Höherem berufen sind und sich jetzt auf deutschem Eis abrackern sollen. Sie könnten sich ein Beispiel an Jochen Hecht nehmen, der ist immer hundertprozentig dabei, aber er spielt ja auch bei seinem Heimatverein, was in Zeiten des allgemeinen Söldnertums eine Seltenheit darstellt.

Ein Helmut de Raaf musste an solchen Verhältnissen scheitern. Ihm hätte eine junge europäische Truppe gut angestanden, hier hätte er Eishockeyfreude vermitteln können. Doch solch ein Risiko geht man nicht ein in einem Unternehmen, das meint, Erfolg sei erwerblich. Was er nicht ist, wie man immer wieder staunend feststellt. So singt man nun einen Schwanengesang beim Abschied vom guten alten Friedrichspark und bei dem überwiegen die schrillen Misstöne.

Im Spiel gegen Augsburg sah man jede Menge Elend auf Mannheimer Seite, viele Fehlpässe, einige gute Aktionen, viel zu wenig für dieses Papierform-Tigerteam. Die Panther hingegen, sie kämpften und rannten und gaben nicht auf, Respekt vor Augsburg. "Wir woll’n Euch kämpfen sehn", sangen

die Mannheimer Fans, als sie ihre Stimme wieder gefunden hatten. Immerhin zahlen sie für das zweifelhafte Vergnügen, sich die Beine bei Kälte in den Bauch zu stehen und dann noch tödlich gelangweilt zu werden von Leuten, die ein Vielfaches von dem verdienen, was sie jemals haben werden. Hier hört

dann doch irgendwann der Spaß auf. 4500 hielten noch wacker durch, zu wenig, um für Stimmung in einer Riesenarena zu sorgen.

Unterm Strich blieb Frust, sicherlich auch bei Stephane Richer und Mike Rosati, die selber immer an die Grenzen gegangen sind. Nur waren diese Grenzen anders gesteckt als heutzutage bei den Adlern. Damals kämpfte man bis zur Aufgabe, jetzt höchstens noch bis zum Abwinken. (Angelika von Bülow)


📺 Deinen Lieblingssport ohne Abo streamen 👍 Eishockey, Football, Handball, Volleyball und 70 weitere Sportarten auf Sportdeutschland.TV
Wechsel vom Schweizer Erstligisten EHC Kloten
Saku Martikainen wird Co-Trainer der Düsseldorfer EG

Der neue Head-Coach Steven Reinprecht erhält mit dem Finnen Saku Martikainen einen erfahrenen Co-Trainer zur Seite gestellt....

21-Jähriger kommt von Eislöwen Dresden
Straubing Tigers verpflichten Torhüter Pascal Seidel

DEL-Klub Straubing Tigers will Torhüter Pascal Seidel zum nächsten Karriereschritt verhelfen....

US-Amerikanischer Verteidiger
Zach Osburn verstärkt die Iserlohn Roosters

Die Iserlohn Roosters treiben die Kaderplanung mit der Verpflichtung des Verteidigers Zach Osburn weiter voran....

46-Jähriger unterzeichnet Zweijahresvertrag
Jochen Hecht wird Co-Trainer der Nürnberg Ice Tigers

Einer der größten deutschen Eishockeyspieler aller Zeiten wird neuer Co-Trainer der Nürnberg Ice Tigers....

Offensivstarker Verteidiger kommt aus Wolfsburg
Augsburger Panther nehmen Nolan Zajac unter Vertrag

Die Augsburger Panther haben Nolan Zajac unter Vertrag genommen. Der 31-jährige Verteidiger wechselt innerhalb der Deutschen Eishockey Liga von den Grizzlys Wolfsbur...

Verteidiger kommt aus Düsseldorf
Nicolas Geitner wechselt zu den Straubing Tigers

​Die Straubing Tigers vermelden ihren nächsten Neuzugang: Nicolas Geitner wechselt von der Düsseldorfer EG nach Niederbayern und wird künftig die Defensive des Erstl...

Seestädter bleiben nordischer Linie treu
Max Görtz wechselt zu den Fischtown Pinguins Bremerhaven

​Mit dem schwedischen Außenstürmer Max Görtz wechselt das vorerst letzte Puzzleteil für die Offensive aus dem Schwarzwald an die Nordseeküste zu den Fischtown Pingui...

Elfmaliger deutscher Meistertorhüter
Helmut de Raaf setzt neue Maßstäbe als Spieler und im Nachwuchsbereich

Torhüter-Legende Helmut de Raaf ist vielen noch aus den erfolgreichen Zeiten der 80er- und 90er-Jahre, als Köln und Düsseldorf das deutsche Eishockey dominierten, be...