Adler singen ihren Schwanengesang gegen Augsburg

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Hinter den Kulissen raunt es immer lauter: "Der Fisch stinkt vom Kopf her". Wo immer man hinhörte beim Spiel der Mannheimer Adler gegen die Augsburger Panther, viele Leute hatten die Lust verloren, die Mannheimer Mannschaft zu sehen und der Satz vom stinkenden Kopf war in vieler Munde. Die Fans waren teilweise erschreckend still, von Stimmung konnte nicht mehr

die Rede sein, die Vip’s murrten umso lauter, und auch etliche andere Kenner der Szene machten fest, dass es wohl nicht nur an den jeweiligen Trainern liegen kann, wenn im Adler-Nest nicht mehr viel zusammenläuft. Zumal das ja nicht die erste Saison ist mit einer miserablen Leistung, die kaum mehr

nachzuvollziehen ist.

Viele hatten sich auf Helmut de Raaf gefreut, der zweifelsohne frischen Wind hätte bringen können. Aber nicht mit diesem Team, das ihm ungestraft in den Rücken fallen durfte. Viele Stars, die sich auch so benehmen, zusammengekauft nach der Papierform und nicht nach ihrer Mannschaftstauglichkeit. Die Adler waren solange gut, solange sie Indianer und Häuptlinge hatten, erste und vierte Reihen, von denen von vorneherein

klar war, wo sie standen im Können. Jetzt also keine klaren Strukturen, viele Intrigen, viel Gerede hinter den Kulissen, kaum klare Worte an der richtigen Stelle. "Die spielen die Arena leer, bevor sie überhaupt steht," seufzte ein wichtiger Sponsor, bevor er nach Drittel zwei des Spiels gegen Augsburg die Segel strich und nach Hause ging.

Trainer Stephane Richer versuchte zwar noch zu beschönigen, was nicht zu beschönigen war. Er sei stolz auf das Team, der Sieg - 4:3 stand es am Ende für die Adler, was letztendlich so nicht verdient war gegen aufopfernd kämpfende Augsburger, die kurz vor Schluss dem Ausgleich sehr nahe waren, sei wichtig und eigentlich sei es ein gutes Spiel gewesen. Stephane Richer

und Mike Rosati kann man keinen Vorwurf machen, die beiden stammen noch aus jenen längst verflossenen Zeiten, als die Adler noch ein Team stellten, als sich die Spieler anstrengten und nicht jammernd gegen den Trainer motzten, sondern sehr wohl sahen, dass sie gutes Geld und jede Menge Privilegien

erhielten und dafür Leistung verlangt wurde. Natürlich gibt es auch davon noch welche in den Reihen dieser Mannschaft,

die keine ist. Rene Corbet etwa, Christobal Huet, die Jungen wie Ullmann, Kink oder Schütz und Carciola. Oder auch Bakos und Groleau. Doch ausgerechnet diese beiden, die immer die richtige Einstellung mitbrachten, sind verletzt. Groleau wird etliche Wochen ausfallen, um eine Operation hofft er herumzukommen, sie würde die Heilungszeit verlängern, erzählte er Hockeyweb. Er ist schon froh, dass er sich nicht das Genick gebrochen hat, als er von seinem Gegner, der mit Anlauf von der blauen Linie kam, angefahren wurde. "Ich habe ihn nicht gesehen," graust es Groleau auch jetzt noch, "ich hätte tot sein können."

Aber viele andere scheinen eben keine richtige Einstellung zu ihrem Beruf zu haben, sie bringen bisweilen kleine Highlights aus ihrem Repertoire, schweben auch mal übers Eis mit schönen

Zügen, um dann wieder in dumpfes Brüten zu versinken. Vielleicht über die Ungerechtigkeit, dass sie doch eigentlich zu Höherem berufen sind und sich jetzt auf deutschem Eis abrackern sollen. Sie könnten sich ein Beispiel an Jochen Hecht nehmen, der ist immer hundertprozentig dabei, aber er spielt ja auch bei seinem Heimatverein, was in Zeiten des allgemeinen Söldnertums eine Seltenheit darstellt.

Ein Helmut de Raaf musste an solchen Verhältnissen scheitern. Ihm hätte eine junge europäische Truppe gut angestanden, hier hätte er Eishockeyfreude vermitteln können. Doch solch ein Risiko geht man nicht ein in einem Unternehmen, das meint, Erfolg sei erwerblich. Was er nicht ist, wie man immer wieder staunend feststellt. So singt man nun einen Schwanengesang beim Abschied vom guten alten Friedrichspark und bei dem überwiegen die schrillen Misstöne.

Im Spiel gegen Augsburg sah man jede Menge Elend auf Mannheimer Seite, viele Fehlpässe, einige gute Aktionen, viel zu wenig für dieses Papierform-Tigerteam. Die Panther hingegen, sie kämpften und rannten und gaben nicht auf, Respekt vor Augsburg. "Wir woll’n Euch kämpfen sehn", sangen

die Mannheimer Fans, als sie ihre Stimme wieder gefunden hatten. Immerhin zahlen sie für das zweifelhafte Vergnügen, sich die Beine bei Kälte in den Bauch zu stehen und dann noch tödlich gelangweilt zu werden von Leuten, die ein Vielfaches von dem verdienen, was sie jemals haben werden. Hier hört

dann doch irgendwann der Spaß auf. 4500 hielten noch wacker durch, zu wenig, um für Stimmung in einer Riesenarena zu sorgen.

Unterm Strich blieb Frust, sicherlich auch bei Stephane Richer und Mike Rosati, die selber immer an die Grenzen gegangen sind. Nur waren diese Grenzen anders gesteckt als heutzutage bei den Adlern. Damals kämpfte man bis zur Aufgabe, jetzt höchstens noch bis zum Abwinken. (Angelika von Bülow)


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