Adler rehablitieren sich gegen Kassel für Krefeld-Pleite

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
Lesedauer: ca. 6 Minuten

"Wieder alles im Griff auf dem sinkenden Schiff", schallte es durchs

Mannheimer Eisstadion, nachdem der Sieg gegen die Kassel Huskies perfekt

war. 4:1 gewannen die Adler, die damit die 0:6 Scharte gegen die

Krefelder Pinguine vom Freitag wieder gutmachten. Die Erleichterung sah

man den Spielern an.

Wobei von sinkendem Schiff eigentlich wirklich nicht die Rede sein

kann in Mannheim. Bis auf eine Niederlage war es stetig aufwärts

gegangen, das Team ließ sich weniger leicht ins Bockshorn jagen als noch

ein paar Wochen zuvor. So war die Einstellung auch ganz klar, wie

Kapitän Sascha Goc Hockeyweb verriet: "Wir wollten auf jeden Fall Stärke

zeigen. Krefeld war ein Spiel, da hatten wir den Gegner unterschätzt,

wir dachten, jetzt läuft es von selber. Aber wir haben gesehen, es läuft

nicht von selber, wir müssen kämpfen. Wir haben nicht schön gespielt

heute abend, aber wir haben gewonnen und das ist wichtig."

Das war es natürlich auch den 5300 Fans im Rund, die sich

vorweihnachtlich siegesgewiss zeigten und ihr Team anfeuerten. Mike

Kennedy saß draußen, was, unter der Hand, noch nicht einmal einige

Teamkameraden bedauerten. Dafür durfte Fabio Carciola spielen, der erst

aus Berlin zurückgekehrt war und die gewohnt gute Figur machte. Im Tor

Richard Shulmistra, der seit einigen Wochen verletzungsbedingt pausiert

hatte. "Im Training ist es halt doch eine ganze andere Situation als

beim Spiel", sagte Sascha Goc und sprach dem Goalie Lob aus: "Er hat

sich bestens zurückgemeldet."

Fantastisch auf dem Posten sein Gegenüber Gage. Was der Mann an

Adler-Chancen vereitelte, war bewundernswert. Schier unhaltbare Schüsse

fischte er doch noch irgendwie aus der Luft. Kassel stürmte

zwischenzeitlich wild gegen Shulmistras Tor an und wurde, als die Uhr

auf genau 16 Minuten stand, belohnt: Eine kalte Dusche für die Mannheimer, die

allerdings nicht mit dem Rückstand in die Pause gingen. Edgerton schaffte den Ausgleich in der 19. Minute. Wobei dieses Tor

nicht unumstritten war, weil der Schiedsrichter eigentlich nach einem

Foul hätte abpfeifen müssen, es aber nicht getan hatte. Wozu sich der

Unparteiische den Videobeweis ansah, steht in den Sternen. Denn, dass

der Puck im Tor war, stand von vorneherein fest.

Im zweiten Drittel wurde ein Feuerwerk gezündet, allerdings nicht auf

dem Eis, sondern auf Ludwigshafener Gemarkung, gut sichtbar vom Stadion

aus. Dieser Spielabschnitt wirkte vor allem durch stellenweise

recht zerfahrene Kämpfe nach. Martinec auf Zuspiel von Hock und Junker gelang in der

24. Minute das 2:1. In Folge hatten beide Teams Unterzahlsituationen zu

meistern. "Schießen, einfach schießen", forderten die Fans. Doch so

einfach war das nicht bei einem herausragend halten Gage. In der 30.

Minute schob Corbet einen frei liegenden Puck ins Kassler Gehäuse, doch

der Schiedsrichter erkannte den Treffer nicht an.

Riesenturbulenzen in der Folge vor Gages Kasten, doch der Kasseler

blieb seelenruhig und ließ sich nicht bezwingen. In der 37. Minute

krümmte sich plötzlich Tomas Martinec nach einer heftigen Begegnung mit

Josh DeWolf auf dem Eis und hielt sich das Handgelenk. Man dachte an

einen Bruch, doch Martinec konnte Entwarnung geben. Zwar sei das Gelenk

offen und schmerze, doch gebrochen sei glücklichweise nichts. Der

Schmerz habe nach etwa fünf Minuten auch ein wenig nachgelassen.

Auf den Kontrahenten DeWolf war Martinec indes nicht gut zu sprechen.

"Der kann nicht richtig Schlittschuhlaufen, da ist er der Schlechteste

in seinem Team, dann muss er halt mit dem Stock arbeiten", meinte

Mannheims Nummer 13 nach Spielende. Martinec bekannte, er habe sich sehr

zusammenreißen müssen, um nicht zurückzuschlagen. Tatsächlich fiel DeWolf immer wieder durch seine ruppige Spielweise auf.

Dann kam es zu einem kuriosen Tor in der 40. Minute. Gedränge vor

Kassels Tor, ein Huskie ging mit dem Stock dazwischen, Eigentor zum 3:1

für Mannheim. Zugeschrieben bekam Corbet (auf Roach und Plante) den

Treffer. Auch im dritten Spielabschnitt häuften sich Strafzeiten. Mal war das

eine Team in Unterzahl, mal das andere. Der Fanzorn kochte desöfteren,

einmal flog sogar ein Tennisball aufs Eis, was anschließend zu

Spekulationen Anlass gab: Wer nimmt schon einen Tennisball mit auf ein

Eishockeyspiel? Einen Golfball hätte man im VIP-Bereich vielleicht noch

erwartet, das aber nicht.

Richard Shulmistra war gerade, mit dem Stock klopfend, um die Rückkehr

eines Huskies von der Strafbank anzuzeigen, bis fast zur Mitte der

Eisfläche vorgedrungen, da schlugen seine Jungs nochmal zu. Sascha Goc

schoss in der 57. Minute das 4:1, bedient worden war er von Joseph und

Edgerton. Was Kassel übrigens keineswegs veranlasste, jetzt

zurückzudrehen. Im Gegenteil, die Huskies kamen bissig nach vorne. Es

nützte ihnen jedoch nichts, es blieb beim 4:1.

Kassels Trainer Axel Kammerer machte es bei der Pressekonferenz kurz:

"Wir sind natürlich enttäuscht über die Niederlage, heute hat das

cleverere Team gewonnen." Zwei der Tore, "praktisch Eigentore" seien

sicherlich sehr unglücklich gewesen. Bill Stewart hatte Kassel im ersten Drittel besser als die Adler

gesehen, im zweiten und dritten Drittel sei dann seine Mannschaft sehr

gut gekommen: "Das Unterzahlspiel war der Schlüssel zum Erfolg." Man

habe den Freitagabend in Krefeld abhaken können. Nun müsse man einen

Schritt nach dem anderen nach vorne gehen.

Sven Valenti, Ex-Mannheimer und jetziger Huskie: "Wir haben die

Powerplaychancen nicht genutzt." Die Tore gingen keineswegs auf das

Konto des herausragenden Gage, betonte der Spieler. Dass man nie

aufgegeben habe im Spiel sei eigentlich Ehrensache, meinte Valenti, denn

"die Moral in unserer Mannschaft ist ausgesprochen gut". Nun müsse man

die Niederlage abhaken und nach vorne schauen.

Nach vorne blickt auch Rene Corbet, dessen Frau Lindsey ihr erstes

Baby erwartet. Der Papa in spe will unbedingt bei der Geburt dabeisein.

Jeden Moment könne es losgehen, verriet er Hockeyweb, "spätestens aber

wohl am Wochenende". Er werde auf jeden Fall Lindsey unterstützen. Dass

die Adler in solchen Fällen ein großes Herz für Babies haben, haben sie

schon häufiger bewiesen. Sollten vor einem Auswärtsspiel bei Lindsey die

Wehen einsetzen, wird Bill Stewart seinen Stürmer mit Sicherheit in den

Kreißsaal eilen lassen.

Steve Junker hat diese Erfahrungen hinter sich, mit seinen beiden

kleinen Söhnen kam er strahlend aus der Kabine. Klar, sagte er, nach

Krefeld habe sich jeder schlecht gefühlt im Team, aber man müsse auch

mal eines sehen, "ob du 0:1 verlierst oder 0:6, die Punkte sind in

beiden Fällen weg". Jeder sei am heutigen Abend ein wenig aufgeregt

gewesen, verriet Junker, aber man sei vor allem voller Siegeswillen aufs

Eis gegangen." Was er genau Weihnachten macht, weiß "Junks" übrigens

noch nicht. Da aber "ein großer Truthahn in unserem Gefrierschrank ist,

nehme ich an, wir werden ihn irgendwann essen".

Frankie Groleau kämpft um einen neuen Vertrag. Der einsatzfreudige

Franko-Kanadier möchte gerne in Mannheim bleiben, "etwas Besseres kann

man doch gar nicht finden", sagt er und auch, dass seine Familie sich

hier zu Hause fühle. Groleau, der sich Niederlagen sehr zu Herzen nimmt,

war nach Krefeld erstmal frustriert, freute sich aber, dass man gegen

Kassel so gut zurückgekommen sei. Jedes Spiel sei von nun an ein "big

game", das wisse auch jeder. Der Teamgeist sei bedeutend besser als noch

vor ein paar Wochen. Besonders freute sich Groleau, dass "Edgi" so gut

gewesen sei. Der strahlte über das Lob des Freundes. Edgerton: "Es ist

ein gutes Zeichen, dass wir heute so zurückgekommen sind. Das war vor

zwei Monaten noch anders, da hatten wir viel weniger Selbstvertrauen und

wären bedeutend nervöser aufs Eis gegangen." (Angelika von Bülow)

Jetzt die Hockeyweb-App laden!