Adler Mannheim gegen Red Bull München: Wenn’s (hoffentlich) mal wieder länger dauert Vor der Halbfinalserie

Frank Mauer erzielte für den EHC Red Bull München in fünf Spielen der Endrunde bereits sechs Tore. (picture alliance / Tobias Hase/dpa)Frank Mauer erzielte für den EHC Red Bull München in fünf Spielen der Endrunde bereits sechs Tore. (picture alliance / Tobias Hase/dpa)
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Adler-Trainer Bill Stewart dürfte gute Erinnerungen haben an das Olympia-Eisstadion am Oberwiesenfeld. Im Jahr 2001 wurden die Adler durch einen Overtime-Treffer von Strafbankkönig Mike Stevens in Spiel vier der Finalserie gegen die damaligen München Barons zum vierten Mal Meister in der DEL-Ära. Ähnlich positiv denkt wohl auch Don Jackson an Play-Off-Serien gegen Mannheim zurück: Als Trainer der Eisbären Berlin führte er den Hauptstadt-Club 2013 in einer denkwürdigen Serie zum DEL-Rekord- und vorerst letzten Meistertitel.

Überhaupt verbindet die beiden Mannschaften viel. Vier Spieler der EHC Red Bull München haben eine Mannheimer Vergangenheit: Torwart Danny aus den Birken hütete schon das Tor der Adler, Yannic Seidenberg stand sogar schon zweimal bei den Adlern unter Vertrag. Dominik Kahun entstammt dem Mannheimer Nachwuchs und Münchens „Mister Play-off“ Franky Mauer kam im benachbarten Heidelberg zur Welt und wechselte 2015 nach zwölf Jahren in Mannheim mit einer kurzen Unterbrechung beim Kooperationspartner Heilbronner Falken nach München. In den laufenden Play-offs hat er in fünf Spielen bereits sechs Tore erzielt. Zudem bildeten sechs Mannheimer und sieben Münchner den Kern des Deutschen Olympiateams.

Zweimal 4:1 - doch die Serien waren eng

Im Viertelfinale langten beiden Teams fünf Spiele zum Weiterkommen, aber sowohl die Bullen als auch die Adler taten sich schwer. München wirkte zuweilen insbesondere im Angriff nicht zielstrebig genug und auch Torwart aus den Birken schien noch nicht bei 100 Prozent seines Könnens zu sein. Zudem kassierten die Münchner vergleichsweise viele Powerplay-Tore. Der Meister der vergangenen beiden Jahre konnte sich aber auf die individuelle Klasse des Kaders verlassen – und die Tore von Frank Mauer. Mannheim musste sich dagegen schon gewaltig strecken, um gegen den ERC Ingolstadt im Duell der beiden heißesten Teams des Frühjahrs zu bestehen. Mit vielen klaren Aktionen, vielen Scheiben auf das Tor gebrachten Scheiben, einer meist effizienten Chancenverwertung, einem sehr guten Penalty-Killing und einem Dennis Endras, der nach Olympia an seine herausragenden Leistungen aus dem Jahr 2010 anknüpfen konnte, gelang es den Adlern jedoch, die Serie in fünf engen Partien für sich zu entscheiden. Einzig die Erfolgsquote im Powerplay von nur 8,7 Prozent, der mit Abstand schlechteste Wert aller vier Halbfinalisten, dürfte Bill Stewart noch ein wenig Kopfzerbrechen bereiten. Insofern können die Mannheimer mit breiter Brust in diese Serie gehen. Aber die Erfahrung von Meistercoach Don Jackson und seinem Team, das die Liga in den letzten beiden Jahren dominiert hat, machen die Bullen in Sachen psychische Kraft mindestens ebenbürtig. 

Die „Season Series“ ist eindeutig: München gewann alle vier Spiele, zuletzt Ende Januar in der Kurpfalz. Aber dies sagt – Achtung, Phrasenalarm – für die Play-offs wenig aus. Angesichts der Qualität und der Tiefe im Kader beider Mannschaften – bei Mannheim mussten zuletzt Ryan MacMurchy und Niki Goc als überzählige Spieler zuschauen – ist also davon auszugehen, dass die Serie lang wird, vielleicht sogar über die volle Distanz von sieben Spielen geht. Aus Sicht des neutralen Zuschauers wäre das eine tolle Sache, denn sie verspricht mitreißendes Eishockey auf allerhöchstem Niveau.