Adler: Der Tag danach

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Die Nachricht hatte sich in Windeseile verbreitet. Kaum war das Gespräch zwischen Adlercoach Bill Stewart, Club-Gesellschafter Daniel Hopp, Geschäftsführer Matthias Binder und Sportmanager Marcus Kuhl zu Ende, ging die Pressemitteilung heraus (Hockeyweb berichtete gestern ausführlich). Spieler, Fans und Offizielle in vielen Teilen der Republik diskutierten. Das Rhein-Neckar-Fernsehen brachte einen ausführlichen Bericht, der Rundfunk vermeldete die Neuigkeit, die Zeitungen aus nah und fern zogen am heutigen Tag mit Analysen nach. Immer wieder beklagen Kommentatoren den allgemeinen Zustand der Organisation Adler, fordern bedingungslose Rückendeckung für Trainer von der sportlichen Leitung, zumindest bis sich die Wege trennen, weisen darauf hin, dass die jetzige Krise mit ein bisschen Vorausschau hätte vermieden werden können.

Heute gab es dann die Mannschaftssitzung. Kapitän Sascha Goc zu Hockeyweb: "Das war schon eine merkwürdige Stimmung." Er habe den Schritt Stewarts, nach der Mitteilung, sein Vertrag werde für die kommende Saison nicht verlängert, sofort zu gehen, geahnt. Der Coach habe schon vorab angefangen, sein Büro im Eisstadion zu räumen, die Zeichen waren also ziemlich eindeutig. "Aber so richtig glauben konnte ich es doch nicht", gesteht Goc. Er selber habe überhaupt keine Probleme mit Stewart gehabt, "klar, auch er hatte seine Macken, wie jeder Mensch, aber er hat seinen Job richtig gut gemacht." Er habe, sagt Sascha Goc, "wirklich unglaublich viel gearbeitet. Ich habe ja schon einige Trainer kennengelernt, aber ich habe noch keinen erlebt, der seine Arbeit verinnerlicht und so ernstgenommen hat." Als die Mannschaft in der Krise steckte, da hätten Rico Rossi und Bill Stewart alle möglichen Taktiken entworfen und sich unwahrscheinlich eingesetzt.

Die Deutschen seien überhaupt gut mit ihm hingekommen, heißt es, einige der Kanadier auch, aber es habe eben auch andere Strömungen gegeben, die einen Riss im Team hinterlassen haben sollen. "Ich verstehe nicht ganz, welche Probleme manche mit ihm hatten", sagt Goc, "aber das geht mich eigentlich auch nichts an. Das waren wohl persönliche Probleme." Die Stimmung sei in der Mannschaftssitzung einigermaßen gedrückt gewesen, erzählt der Kapitän, "schließlich ist das der Dritte, der in dieser Saison geht. Erst Ustorf und Racine, jetzt Bill Stewart." Er fühle sich persönlich mitschuldig an dieser Situation, sagt Goc, "wir haben durch unser schlechtes Spiel auf dem Eis doch sowas erst heraufbeschworen". Wenn jeder hundert Prozent gegegeben hätte auf dem Eis, dann hätte man das alles vermeiden können, ist sich Goc sicher, "aber wir hatten einfach zu wenig gute Spiele".

Wie dem Team anvisiert wurde, soll wohl am Freitag bekanntgegeben werden, wer als neuer Mann hinter der Bande stehen wird. Viele Zeichen deuten auf Jungadler-Coach Helmut de Raaf hin, von dem man sich, auch in Hinblick auf die neue Arena, einen Schub nach vorne erwarten würde, aber weder de Raaf noch die Geschäftsleitung sind bereit, zum jetzigen Zeitpunkt eine Stellungnahme zu diesem Thema abzugeben. Und die Mannschaft ist offiziell noch nicht informiert worden. Aber, sagt Goc, egal, wer nun käme, er habe es sicherlich schwer, mitten in der Saison aufzubauen. Allerdings verspricht der Kapitän, voll und ganz hinter dem neuen Coach zu stehen, "wir als Team müssen ihn unterstützen, das ist doch klar". Alle würden sich indes umstellen müssen, ein neuer Mann werde sicherlich auch nicht unbedingt Stewarts System übernehmen. "Hoffentlich", sagt der Verteidiger, der dafür bekannt ist, sich zu hundert Prozent einzusetzen für seine Mannschaft, spiele man jetzt noch gut bis zur Pause und würde dann Ruhe reinbringen. Klar sei, dass nun wirklich jeder seine volle Leistung bringen müsse, es gehe nicht mehr so weiter mit dem System "ein Spiel top, das andere eine Katastrophe". Goc erwartet von allen, dass sie sich mit allen Kräften einsetzen. Natürlich gäbe es mal schwächere Tage für jeden Spieler, das verstünde auch jeder, nicht jeder könne immer volle Leistung bringen, aber auf lange Sicht gesehen müsse jeder alles geben. Eine klare Vorgabe eines Kapitäns. (Angelika von Bülow)


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