Adler: Der Abend des Robert Müller

Lesedauer: ca. 4 Minuten

"Halbe Sachen mögen wir nicht", lächelt Jenny Müller nach dem Spiel,

als sie darauf angesprochen wird, ob sie denn damit gerechnet hätte,

dass ihr Robert solch ein Comeback feiern könnte. Damit überspielt die

hochschwangere Frau des Adler-Goalies auch ein wenig die Nervosität,

die sie sicherlich vespürt hat, als ihr Mann bei seinem ersten

DEL-Spiel nach der schweren Krankheit wieder zwischen die Pfosten

zurückkehrte. "Wichtigstes Ziel erreicht", sagt Robert, als er seine

Jenny in den Arm nimmt. Da stapelt einer tief, der für eine

unglaubliche Überraschung gesorgt hat. Eigentlich hatte in dieser

Saison keiner mehr mit seiner Rückkehr gerechnet, wenn alles sehr gut

liefe, dann sollte er in der kommenden Spielzeit langsam wieder

anfangen. Nicht gut genug für einen Robert Müller, der brennt vor

Ehrgeiz.



Frenetischer Jubel, als er aufgerufen wird von Stadionsprecher

Udo Scholz. Die Fans sind hin und weg und feuern ihren Robert an. Und

der zeigt sich in einer bestechenden Form, steht absolut sicher, hält

auch Schüsse, die man eigentlich schon im Tor sah. Sicherlich, die

Freezers sind an diesem Abend nicht in ihrer Topform, aber trotzdem, es

ist ganz und gar beachtlich, was der Mannheimer Goalie leistet. Nur

schade, sagen viele, dass es kein Shut-out wurde. Robert später: "Das

ist mir egal, ich bin auch so hochzufrieden."



Das 4:1 fällt übrigens für die Adler sechs Sekunden vor Schluss,

als Spitzenreiter verabschiedet man sich vor den Play Offs vom

Heimpublikum, die Adler müssen nur noch einmal auswärts antreten, dann

gehts um die Wurst. Wer im Tor stehen wird, das wagt heute noch keiner

zu sagen. Robert Müller wollte sich empfehlen für die Nummer eins, das

ist ihm gelungen, allerdings stehen auch Jean-Marc Pelletier und Ilpo

Kauhanen bereit.


Für Kauhanen, der im Anzug im Kabinenbereich herumläuft, ist

das alles bitter. Nicht, dass er das sagt, dazu ist er viel zu

kollegial, freut sich außerdem unglaublich für Robert Müller, dass er

diese Sensation vollbracht hat. Er selber komme, sagt er zu Hockeyweb,

jeden Tag zur Arbeit und sei bereit, etwas zu leisten. Entscheidungen

über die Einteilung im Spiel träfe er nicht. Vier Torleute, das sei

natürlich schon sehr viel, merkt Ilpo an und natürlich wolle er

spielen, das sei gar keine Frage. Wenn das nicht ginge, dann wolle er

sich eben anderweitig nützlich machen fürs Team. "Du bist oben nervöser

als wenn Du auf dem Eis steht," verrät er noch. Kauhanen ist ein

unglaublich fairer Kollege in einem Team, einer, der sich lieber selber

zurückstellt als für Unruhe zu sorgen.



Und er ist mit Müller befreundet. Der stapelt beim Interview

eher tief. Er habe sich zugetraut, die drei Drittel zu spielen, sagt

er, sonst "wäre ich nicht ins Tor gegangen, da hätte ich mir doch nur

selber geschadet." Und so sensationell finde er das überhaupt alles

nicht, klar sei er glücklich, aber er habe schon immer gesagt, dass er

bald spielen werde. Glück habe er natürlich an dem Abend auch gehabt,

ohne ginge es eben nicht. Was in den Play Offs geschieht, das weiß´auch

er nicht. Unruhe im Team sieht er nicht, "mit dem Ilpo bin ich sehr gut

befreundet und ich glaube, auch Jean-Marc hat keine Probleme, wenn ich

im Tor bin, er ist schließlich als mein Ersatz geholt worden."


Dass

es einige Schlägereien vor seinem Tor gab, darüber will er nicht reden.

"Das müssen die anderen unter sich ausmachen, allerdings finde ich es

natürlich ehrenhaft, dass die Spieler mich beschützen wollten." Einem

ist dieser Einsatz übel bekommen: Tomas Martinec flog raus aus dem

Spiel, als er einen Freezer von Müller weghalten wollte. Der hatte

Mannheims Goalie mit einem Crosscheck gefoult. Und bekam dafür nur zwei

Minuten. Dass Martinec mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe bedacht

wurde, das verstand so richtig keiner. Fan Goka: "Das war grob

ungerecht, und von wegen hoher Stock, da war kein hoher Stock im

Getümmel. Der Martinec fliegt doch auch raus wegen seines Namens." Das

sieht Tomas ähnlich, bei einem der letzten Spiele sei er nachweislich

weitab von der Schlägerei gestanden und sei auf die Strafbank geschickt

worden. Und heute nun dies. Aber aufregen nütze ja nichts, das mache

doch alles nur noch schlimmer.



Dann wird wieder über Robert Müller geredet. Spieler Marcus

Kink: "Das war einfach nur sagenhaft." Trainer Greg Poss: "Großartig."

Teal Fowler: "Unglaublich". Adler-Geschäftsführer Matthias Binder: "Das

ist richtig ans Gefühl gegangen." Konditionstraining Martin Müller:

"Der Robert hat einen solch starken Willen, das ist der helle Wahnsinn.

Er hat mir gleich zu Beginn der Krankheit gesagt, er werde vor den Play

Offs wieder da sein. Ich bewundere seine Energie. Er hat auch sehr,

sehr viel selber gearbeitet."



Und dann ist da noch Bill Stewart. Der bringt Liebgewohntes von

seiner Zeit in Mannheim: Das Wort Leidenschaft. Es ist wie heimkommen,

als er es ausspricht. Diesmal auf Robert Müller gemünzt. Stewart redet

in der Pressekonferenz eigentlich nur vom gegnerischen Goalie, er zieht

den Hut vor seiner Leistung, erinnert sich daran, wie Robert als Junger

unter ihm sich entwickelt hatte, und betont: "Solche Sportsmänner

braucht jede Organisation."



Glückseligkeit in Mannheim, sie haben ihren Robert wieder, die

Spitzenposition dazu. Und auch der DJ passt sich dem fröhlichen

Ereignis an: Er spielt auf Wunsch von Fans die guten, alten

Eishockeylieder. Originell und witzig: Bei einer der größeren

Schlägereien, lässt er John Lennon "Give Peace a chance" singen. Auch

auf diesem Gebiet ein gelungener Abend also.



Angelika von Bülow - Foto by City-Press


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