Adler: Da waren`s nur noch zwei - Maracle kam nicht

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Heute früh im Leistungszentrum Eissport: Die Adler-Trainer Helmut de Raaf,

Stephane Richer und Mike Rosati strahlen Ruhe aus beim Krafttraining der

Cracks. Dabei haben sie gerade eine Nachricht vernommen, die sie keineswegs

freuen kann: Norm Maracle, einer von drei Goalies, die zum Probetraining

kommen sollten, hat abgesagt. Eigentlich sollte er um 7 Uhr in Deutschland

ankommen, doch die Maschine flog ohne ihn. Eine offizielle Begründung gibt

es nicht, "vielleicht war ihm das alles zu unsicher", mutmaßt Chef-Coach

Helmut de Raaf.



Da warens nur noch zwei, aber, wenn man Kulissengeflüster glauben darf,

ist auch die Anbkunft von Steve Passmore, der am Mittwoch erwartet wird,

keinesfalls gesichert. Vor Ort und hochkonzentriert ist allerdings Karol

Krizan. Der 24-Jähirge der mit seinem Team Zvolen HKm gerade erst Erfolge

eingefahren hat, trainiert soeben unter Konditionstrainer Martin Müller

schweißtreibend mit. Er ist zuversichtlich, dass er die Hürde Probetraining

packen wird. Robert Hock übersetzt für den Neukommer, der kaum Englisch oder

Deutsch spricht. Sein Agent habe ihm empfohlen, nach Mannheim zu kommen,

sagt der Goalie und er habe sich dafür entschieden, weil er von den Adlern

nur Gutes in Erfahrung habe bringen können. Er wolle den Job, gar keine

Frage, und er sei bereit, sich mit allen Kräften einzusetzen.



Außerdem, auch das spricht für den Twen im Gehäuse, kennt er das

europäische Eishockey, müsste sich also nicht mühsam auf die Spielweise

einstellen, sagen die Trainer. Und mit der Mannschaft, da käme er sicherlich

bald gut zurecht, meint Krizan selber, schließlich wäre er auch bereit, die

Sprachen zu lernen. Ein wenig Zeit bräuchte er halt zur Eingewöhnung.



Zeit ist allerdings eine Sache, die nur noch wenig vorhanden ist. Doch dem

Trainerstab ist nicht bange: "Wir suchen in Ruhe weiter," sagt de Raaf, der

vor zu übereilten Entscheidungen warnt. Gerade, weil die Torhüterposition

eine so wichtige ist, wäre es fatal, sich zu rasch zu binden und dann eine

ganze Saison mit jemandem durchstehen zu müssen, der den Erwartungen

vielleicht nicht entspräche. Mike Rosati: "Das war auch das Problem mit

Tyler Moss, er hat nie Leistung gezeigt, die uns richtig beeindruckt hätte.

Aber es war eine schwere Entscheidung, ihn gehen zu lassen, denn er passte

gut ins Team". Und das, wissen Richer und Rosati aus Erfahrung, kann das

Entscheidende in einer Saison sein: Der Zusammenhalt muss stimmen. Selbst

Teams, die auf dem Papier nicht super aussähen, könnten durch den

Zusammenhalt vieles wett machen.



"Ich hätte kein Problem mit Danny in die ersten Spiele zu gehen," sagt

Rosati und lobt den jungen back-up Danny aus den Birken. Der habe in

Schweden Klasse gezeigt und sei außerdem traumhaft für einen Trainer, weil

er genau zuhöre und das Gehörte dann auch in die Tat umsetze. Der

Torwart-Trainer hält große Stücke auf den jungen Kollegen.



Doch zurück zu den Torleuten. "Wenn wir jetzt niemanden finden, gehen wir

eben in die nächste Runde", gibt sich de Raaf ganz gelassen, es gäbe noch

jede Menge gute Leute auf dem Markt, täglich trudeln Faxe von Agenten ein.

Der NHL-lockout wird immer wahrscheinlicher, auch hier könnte man sich

umsehen. Wobei Mike Rosati ein wenig davor warnt: "Wir könnten sicherlich

jemanden guten verpflichten, aber wem nützt das, wenn dieser gute Mann nach

ein paar Monaten wieder geht? Wir suchen jemanden für die gesamte Saison und

wir werden jemanden finden."



Der Italokanadier ist im übrigen hochbeglückt über seinen neuen Posten.

Das sei einfach traumhaft, wieder mit den Adlern verbunden zu sein, sagt er.

Für Stephane Richer und ihn ist das alles noch ein wenig ungewohnt, eben

waren sie noch Spieler, jetzt müssen sie Respekt von den Cracks einfordern.

"Aber irgendwie seh ich das auch als Vorteil," sagt Rosati,"wir wissen doch

genau, was die Spieler denken, wir können das alles gut einschätzen." Wie

Helmut de Raaf, der ja in Mannheim noch selber als Torwart auf dem Eis

stand. "Die Spieler wissen, dass Helmut, Stephane und ich immer alles

gegeben haben," sagt Mike Rosati, "wenn wir das jetzt von ihnen verlangen,

wissen sie, dass das nicht nur leere Worte sind, wir haben schließlich

gezeigt, dass unbedingter Einsatz notwendig ist zum Erfolg."



Erstmal aber wird weiter getestet, Karol Krizan jedenfalls ist festen

Willens seine Chance zu nutzen. Egal, ob am Mittwoch Steve Passmore ankommt

oder ob es wieder eine Absage gibt. (Angelika von Bülow)