Adler besiegen Augsburg - Michael Bakos: Mann des Abends

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Die Erleichterung war allen anzumerken. Sport-Manager Marcus Kuhl nach dem 5:2-Sieg gegen die Augsburger Panther sichtlich erleichtert: "Was für ein Sport, immer dieses Zittern." Trainer und Spieler zeigten sich unisono mit einem gewissen Strahlen auf den Gesichtern, auch, wenn alle sich beeilten, klarzustellen: "Das war ein Anfang, darauf können wir aufbauen." Mann des Tages war Michael Bakos, der mit Sohn Timo auf dem Arm eine Ehrenrunde drehen musste. Keiner im Rund, der dem sympathischen Spieler den Ruhm nicht gönnen würde. Dabei, verriet er schließlich, war ja eigentlich alles ganz anders gewesen mit seinem Tor. Da spielte ein Glückscent eine entscheidende Rolle. Der lag auf dem Eis, ein Augsburger rief von der Bande herein, das Ding müsse weg. Michael Bakos, höflich wie er ist, bückte sich, beseitigte den Cent, bekam den Puck und schoss ein Tor. Eine schöne Geschichte, die im Kabinengang die Runde machte.

Doch von Beginn an: Marc Seliger und Nico Pyka pausierten, Danny aus den Birken hatte den Platz auf der Bank eingenommen, Derek Plante machte sich bereit fürs erste Ligaspiel im Adlerdress. Die Fans murrten noch der Pleite gegen Frankfurt nach und hielten Transparente hoch mit den Worten"Tradtition, Stolz, Leidenschaft" dem Wahlspruch der Adler. Wobei sie bezeichnenderweise dicke Fragezeichen hinter Stolz und Leidenschaft gepinselt hatten, eine originelle Aktion.

Die Adler legten los wie die Feuerwehr, erarbeiteten sich schöne Chancen, trafen aber nicht. Andy Roach (auf Podollan und Edgerton) erlöste Team, Trainer und Fans gleichermaßen in der neunten Minute mit dem 1:0. Die Welt begann eine kleine rosige Färbung anzunehmen. Jungadler-Trainer Frank Fischöder hatte es noch kaum ausgesprochen - "Jetzt kommt das 2:0" - da fiel es tatsächlich. Die deutsche Reihe mit Martinec, Kathan und Hock, die ausgesprochen gut gefällt, legte los. Martinec traf, von Goc und Kathan gut ins Bild gesetzt. Erst wurde Hock als Assist genannt, dann stellte sich heraus, dass der Puck von Kathan kam.

In der 29, Minute setzte Kennedy auf Zuspiel von Ustorf und Plante noch eins drauf, das Rosa strahlte jetzt hell durchs Stadion und die ersten Fans skandierten "Blau-weiß-rot, wir saufen bis zum Tod, wir holen die deutsche Meisterschaft", was nett gemeint war, aber ein klein wenig voreilig.

Im zweiten Drittel wieder etliche verpasste Chancen, einige individuelle Fehler, die Augsburgs Panther jedoch nicht ausnutzen konnten. In der 28. Minute stand Todd Hlushko goldrichtig und schoss den Puck durch Erikssons Beine. "Eigentlich", grinste Hlushko nach Spielende," wollte ich ja über seine Schulter treffen, aber so ist es auch schön." Hock, Kathan und Martinec weiterhin wie entfesselt, die drei haben sich gesucht und gefunden. In der 48. Minute kamen dann die Panther blitzschnell vor Shulmistras Tor, der Goalie, der eigentlich gut und sicher stand, hatte keine Chance, als Dandenault auf Zuspiel von Oravec und Wren einschoss. Die Augsburger legten noch eins drauf, in der 52. Minute traf Girard, die Vorlage hatte Fortier geliefert. Doch die Adler ließen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, knallten in der 55. Minute noch einen Puck ins Augsburger Tor, jenen Treffer, den Michael Bakos später so amüsiert beschrieb. Vor ihm waren Hlushko und Ullmann an der Scheibe gewesen. Die Adler-Welt schien wieder vollends in Ordnung zu sein. Die Fans jubelten, die Spieler strahlten, Shulmistra und Bakos traten zur Ehrenrunde an. Michaels Mutter war aus Augsburg gekommen und freute sich mit ihrem Sohn, dem so viel Zuneigung von den Rängen entgegenschlug. Er sei "glücklich", grinste der Torschütze und erzählte, wie viel Druck vor dem Spiel auf allen gelegen habe. "Wir alle hatten dieses Kribbeln, das zum Sport gehört", verriet Bakos, "jetzt müssen wir die Konstanz halten und die nächsten Spiele gut sein." Die Liga sei so ausgeglichen, da dürfe man sich keine Unkonzentriertheiten erlauben. "Heute waren wir wirklich eine Mannschaft", freute sich der Mann mit der 22, "wir haben das auch vorher versucht, aber es ist halt ein Unterschied zwischen rennen und rennen. Wenn das Zusammenspiel nicht stimmt, nutzt alle Arbeit nichts." Dann düste der "Baki" weiter zum nächsten Interview und zu Frau Sandy und Sohn Timo, die sich von Herzen mit ihm freuten.

Podollans Schulter gezerrt

Um einen machten sich zu dem Zeitpunkt alle Sorgen: Jason Podollan war nach einem Check im dritten Drittel vom Eis gegangen, mit schmerzverzerrtem Gesicht und sich die operierte Schulter haltend. Mannschaftsarzt Dr. Guido Volk gab vorläufige Entwarnung: "Es ist wohl nichts gerissen, aber gedehnte Bänder schmerzen auch. Morgen werden wir Jason genauer untersuchen, vorerst hat er einen Verband und Schmerzmittel. In dieser Mannschaft ist es sicherlich auch möglich, mal eine Pause einzulegen als Spieler. Schließlich gibt es derzeit kaum Verletzte. Aber morgen müssen wir erstmal weitersehen. In der Pressekonferenz sprach Panther-Trainer Benoit Laporte von der Nervosität seines Teams dem großen Favoriten gegenüber. "Mannheim hat wirklich stark angefangen, wir haben im dritten Drittel das beste Hockey gespielt, das wir spielen können." Bill Stewart: "Ich war eine Woche lang sauer. Sauer, weil ich es unfair fand, nach drei Spielen über das Team zu urteilen.Ich finde, wir haben eine gute Mannschaft." Das wolle man weiterhin zeigen. Der Coach wirkte sichtlich aufgeräumt nach diesem Sieg, der zeigte, dass die Adler auf dem richtigen Weg zu sein scheinen.

Klaus Kathan gab zu, dass die Spieler anfangs nervös gewesen seien, "wir wussten alle, was dieses Spiel bedeutete nach der Schlappe gegen die Lions." Der Tölzer fühlt sich ausgesprochen wohl in einer Reihe mit Martinec und Hock, "das war einfach Glück, dass wir so gut miteinander harmonieren." Wenn niemand sich verletze, wolle man weiterhin genau diesen Einsatz zeigen. "Wir sind topmotiviert", betonte Kathan. Weniger glücklich schaute Panther Ronnie Arendt aus der Wäsche. Er hatte wegen einer gebrochenen Nase mit Vollschutz spielen müssen. Natürlich sei er enttäuscht vom Ergebnis, gab er zu Protokoll, "aber wir haben Mannheim genauso stark erwartet. Das Ergebnis gegen Frankfurt hat einfach getrogen, das wussten wir." Arendt: "Wir hätten aggressiver spielen müssen, Mannheim hat anfangs unsere Strafen geschickt genutzt." Für den Crack ist ein Playoff-Platz der Panther realistisches Saisonziel. Adler-Stürmer Robert Hock, strahlend in Gesellschaft seiner (Kölner) Freundin Alex, die durch einen Stau auf der Autobahn bedingt, erst nach Ende des Spieles beim Eisstadion angekommen war: "Wir hatten sehr gute Chancen, wir werden in Zukunft noch mehr Tore schießen." Für Hock war klar: "Jeder hat bei uns gewusst, worauf es ankam." Er verstand die Fans, die am Donnerstag gepfiffen hätten, "das war ja schließlich auch grauenhaft, was wir zusammengespielt haben", jetzt freue er sich über den Applaus. Nur eines störte ihn ein wenig: "Wir hätten noch drei oder vier Tore mehr schießen können." Dann hakte der Stürmer das Spiel ab und blickte nach vorne: "Freiburg am Sonntag wird schwer, wir kennen das Team nicht. Aber, wenn wir so wie heute spielen, schaffen wir es. Man muss jetzt auf dieser Leistung aufbauen." Strahlend kam Todd Hlushko aus der Kabine: "Ich bin sehr glücklich. Andy hat den Puck geschossen, ich hatte ihn auf dem Stock und dachte, hey, ich kanns schaffen, habe mich umgedreht und geschossen. Das hat Spaß gemacht." Was für Hlushko besonders wichtig war an diesem Abend: "Alle vier Reihen haben getroffen, das ist großartig. Wir bauen jetzt auf, aber man sollte nicht übertrieben euphorisch werden, das war ein Spiel. Wir müssen auf jeden Fall weiter gewinnen und nicht immer auf und ab gehen." Freiburg sei einigermaßen erschreckend, "wie alle Teams, die man nicht kennt." "Ich bin fit, ich fühle mich gut, ich freue mich über den Sieg," erzählte Derek Plante, der als einer der Letzten aus der Kabine kam. "Wir hatten gute Chancen, jeder hat gezeigt, dass er spielen kann." Für Plante sind vor allem die Emotionen wichtig: "Wenn jeder mit Gefühl spielt, wird es immer besser werden", zeigte er sich zuversichtlich und strebte dem wohlverdienten Essen entgegen. (A.v.B.)