Adler: Auftakt nach Maß

Klare Worte bei den AdlernKlare Worte bei den Adlern
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Ein 6:2 gegen die Kassel Huskies, das war ein Einstand nach Maß in die neue DEL-Spielzeit für die Mannheimer Adler, die in der Vorbereitung einige Schlappen hatten wegstecken müssen. Doch diesmal passte alles, die Blau-weiß-roten spielten glänzend auf, ließen die Schlittenhunde nach ihrer Pfeife tanzen und verwandelten

ganz-locker leicht gegen Goalie Gage, der eigentlich zu den Guten der Liga gehört. Gegen die geballte Adler-Macht war aber auch er machtlos.



Dass die Huskies nicht aufgaben, ist ihnen hoch anzurechnen, in den

Schlussminuten erzielten sie noch zwei Treffer gegen einen ansonsten

herausragenden Christobal Huet, von dem Goalie-Trainer Mike Rosati

anschließend schwärmte: "Er war einfach perfekt, er hat sogar schwere Saves spielerisch leicht aussehen lassen, das ist eine Kunst. Er hat der Mannschaft Selbstvertrauen gegeben." Huet selber stapelte eher tief, alle hätten wirklich "smart" gespielt, er sei froh, dass man gewonnen habe. Über den vergebenen Shut-out wollte er nicht nachsinnen: "Ist doch egal, es ist die Mannschaft, die zählt und die hat gewonnen." Er selber stand das erste Mal nach vier Wochen über eine Spieldauer im Tor, ein gutes Gefühl, befand er, der von den begeisterten Fans zu einer Ehrenrunde gebeten worden war.

Wie lange er ein Adler bleibt, das steht in den Sternen. Der Lockout kann ein Jahr dauern, er kann aber auch nach einigen Wochen beendnet sein. Solange wollen die Mannheimer von seinen Künsten profitieren, anschließend soll Steve Passmore parat stehen.



Auch Jochen Hecht ist vermutlich nur ein Blau-weiß-roter auf Zeit. Er

bekannte im Kabinengang nach dem Spiel, dass er schon recht aufgeregt

gewesen sei. Endlich mal wieder in der Heimatstadt zu spielen - ein Erlebnis für diesen Sohn Mannheims, der einen großen Karriereweg gegangen ist vom Friedrichspark-Stadion ausgehend. Die ersten Minuten habe er noch ein paar Unsicherheiten verspürt, bekannte Hecht, dann aber sei alles gut gelaufen.



Hochzufrieden mit dem Abend war auch Andy Delmore, der seinen Teil zum

Gelingen beigetragen hatte. Nach der Vorsaison seien sie alle schon etwas nervös gewesen, bekannte er, "aber wir haben einiges geändert, wir haben uns diszipliniert, weil wir eingesehen haben, dass wir mit Fouls nicht weiterkommen, wir haben das Penalty killing besonders geübt und damit Erfolg gehabt." Eigentlich, sinnierte er, "haben alle kapiert, dass jetzt die reguläre Saison anfängt und wir auch so spielen müssen." Es habe wirklich Spaß gemacht hier aufzulaufen, "jeder ist glücklich," lachte er. Von den

Fans war er begeistert, "sowas habe ich ja noch nie erlebt, unglaublich."

Auch Coach Helmut de Raaf strahlte nach diesem Saison-Einstand. "Wir haben sehr gut begonnen," meinte er, "im zweiten Drittel haben wir dann ein wenig den Faden verloren, uns aber gleich wieder gefangen." Die Huskies hätten es schwer gehabt nach dem hervorragenden Adler-Start mit dem Tor gleich zu Beginn. Das meinte auch Schlittenhund Alexander Serikow: "Das Scheiß-Überzahl-Spiel hat uns auf die Verliererstraße gebracht, wir haben einfach blöde Fouls begangen, das war so unnötig. Die Adler haben verdient gewonnen und sind wie immer Meisterschaftsfavoriten." Ein wenig traurig ist der Seri schon, ihm gefällt es in Kassel zwar ausnehmend gut, aber er würde

so gerne mal wieder ganz oben mitspielen: "Ich bin dreimal mit Mannheim Meister geworden und einmal mit München, das ist halt was ganz anderes als wenn Du unten oder im Mittelfeld mitspielst." Nach Mannheim zurückzukehren, das habe bislang nicht zur Debatte gestanden", meinte Serikow, "aber wer

weiß, vielleicht holen mich die Adler ja für die neue Arena." Sprachs,

lachte und zog endlich ab zum Duschen.



Für Michael Bakos, dessen Frau Sandy ihr zweites Kind erwartet und bester Laune im Kabinengang herumalberte, war alle Anspannung abgefallen. Vor dem Spiel habe man diese Spannung greifen können, meinte der Baki, nach der Vorbereitung sei dem Team doch etwas bang gewesen. Ihnen sei allen klar gewesen, dass Siege nur mit großer Disziplin zu erringen seien. Dass der NHL-lockout so gute Verstärkung beschert habe, das freue natürlich alle.

"Wir werden diese Vorteile nutzen, solange es sie gibt", meinte Bakos, "und dann werden wir eben mit der Mannschaft, die anschließend da ist, unser Bestes geben."

Begeistert von den sechs Toren war auch Mannheims Sportbürgermeister Dr. Peter Kurz. Er sah als Torschützen Ullmann, Healey, Greilinger, Edgerton, Goc und noch einmal Greilinger für die Adler. Der kleinste unter den rund 6000 Besuchern war Ty Edgerton. Genau eine Woche ist der kleine Kerl alt, der per Kaiserschnitt entbunden worden ist. Mama Jennifer, hart im Nehmen beim vierten Sohn, stand bereits sieben Tage nach der OP wieder wacker am Bandenrand, um ihren Devin anzufeuern. Erfreuliches auch von den Rollstuhlfahrern: Einer machte seiner Freundin auf dem Eis einen Heiratsantrag und wurde erhöhrt. Ein rundum glücklicher Abend also für die Adler. (Angelika von Bülow)

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