Adler: Adam Hauser brennt auf die Bewährung

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Er wird sich der Herausforderung stellen: Goalie Adam Hauser, der für Mannheim einen Zweijahresvertrag besitzt, weiß, dass es nicht leicht werden wird, beim Deutschen Meister zu glänzen. "Die Erwartungen hier sind natürlich riesengroß", sagt der US-Amerikaner, das hätte ihn fast ein wenig bange gemacht, "aber daran kann man auch wachsen". Viele hätten ihn gefragt, wie er denn ausgerechnet zu den Adlern wechseln könnte, "dort ist doch Robert Müller". Von dem hat er immer wieder gehört, weiß, dass hier ein Konkurrent genau wie er die Nummer eins beansprucht.

Bislang hat er nur "Hi" zu Robert sagen können, aber Hauser denkt, dass der Kollege, der gleichzeitig natürlich auch Konkurrent ist, ihn zu Höchstleistungen anspornen wird. "Wenn Du einen so guten Mann neben Dir hast, davon kannst Du auch profitieren." Müller, der topfit ist und den ganzen Sommer über geackert hat, kommt in diesem Moment vorbei. Der Bayer ist aufgeräumt und bester Laune: "Halt den Mann nicht vom Training ab", grinst er. Eines ist klar: Müller wird angreifen und den Platz zwischen den Pfosten nicht kampflos aufgeben. Auch auf diesem Gebiet dürfte die Saison spannend werden. Für Trainer Teal Fowler ist das kein Problem: "Die beiden sind faire Sportler, deshalb kann so eine Konkurrenz auch beleben." Es sei, sagt Fowler, doch großartig so gute Torleute in den eigenen Reihen zu haben. Dazu zählen auch Ilpo Kauhanen und Danny aus den Birken, die Adler können mit ihren Goalies wahrhaft wuchern.

Hauser ist erst seit 24 Stunden in Mannheim. An sein letztes Gastspiel hier denkt er eher ungern zurück. Da fertigten die Adler in den Play-offs seine Haie gewaltig ab. Unglaublich enttäuscht sei er damals vom Eis gegangen, bekennt Hauser, "die Adler waren einfach überwältigend gut". Das dritte Spiel, als er nochmal furios zurückkam, das sei wenigstens etwas besser gewesen. Trotzdem, die Serie müsse man abhaken.

Abgehakt hat er auch die Los Angeles Kings, bei denen er einen Dreijahresvertrag hatte. Er sei dort festgesessen, sagt er und er wollte einfach Neues erleben. Europa kam ihm da gerade recht, die Haie waren ein angenehmer Arbeitgeber, er hat sich wohlgefühlt in Köln. Warum er trotzdem zu den Adlern gegangen ist, - der Vertrag wurde recht frühzeitig geschlossen? "Ich habe auch mit Köln geredet", gibt er zu. Dass es aber nicht nur das Geld gewesen sei, dass ihn nach Mannheim gelockt habe. Er hat Greg Poss beim All-Star-Game kennengelernt und sich vorgestellt, unter ihm gut arbeiten zu können. Und außerdem: "Mannheim ist eine fantastische Adresse." Und eine Meisterschaft wäre einfach das Größte. "Hier will jeder gewinnen", hat er schon in der kurzen Zeit festgestellt. Jeder einzelne im Team sei hochmotiviert, kein Wunder, dass die Erwartungen riesengroß seien.

Ein wenig bange sei ihm höchstens gewesen, weil das Team schon so aufeinander eingespielt ist: "Die kennen sich alle, da werd ich wohl erstmal der Stille in der Ecke sein." Das mit einem Augenzwinkern. Er macht nicht den Eindruck, als würde er sich derart zurückhalten, wirkt eher wie einer, der darauf brennt, mit den anderen Freundschaft zu schließen. Einige seiner Kollegen hat er wenigstens kurz kennenlernen können, und er freue sich darauf, Teil dieses Teams zu sein. Und die Fans, die will er überzeugen. Manchmal, gesteht er, müsse er schon lachen, wenn er an die Unterschiede denkt zwischen den Anhängern hier und denen in Übersee. In Deutschland identifiziere man sich voll und ganz mit seiner Stadt und seinem Team, das findet er beachtlich. In Amerika liefe das anders,da spiele die regionale Zugehörigkeit eine kleinere Rolle. Deshalb, schließt er daraus, könnte selbst ein Beckham wohl Fußball nicht den Aufschwung bescheren, den man sich von ihm erhoffe. Hierzulande stünden die Leute einfach hinter ihrem Club, ihrer Kommune, die freuten sich, wenn eine solche Kanone zu ihnen käme. Die Mentalität sei einfach eine andere.

Europa fasziniere ihn, viel reisen könnte er allerdings nicht, Frau Cindy und er sind stolze Eltern von Callie, die zwei Jahre alt ist, und Matthew, der gerade mal zwei Monate zählt. Mit kleinen Kindern wird man nicht zum Globetrotter, "aber wir versuchen doch, etwas zu sehen. Letztes Jahr waren wir in Paris, das war toll". Derzeit haben die Hausers vor allem ein Thema: Das Schlafdefizit. Hauser wird vermutlich die Zeit, bis die Familie im September nachkommt, und die Kleinen die Nacht zum Tage machen, ausgiebig nutzen, um ungestörte Nachtruhe zu erleben. Im Sommer hat er sich einen "personal trainer" geleistet, verrät er. Lieber das Geld ausgeben und in Form kommen, als nach durchwachten Nächten auf der Couch faulenzen. "Beim Trainer musste ich nur auftauchen, den Rest hat er vorgegeben." Die Zeiten hat er eisern eingehalten, egal, was sonst noch los war an Turbulenzen um ihn herum.

Dass man nicht rasten und ruhen darf in der DEL, das ist ihm auch nach einer Saison klar. Das Niveau sei hoch, die Konkurrenz schlafe nicht, viele Teams hätten sich im Sommer verstärkt und an der Torwart-Front stünden super Leute. "Da muss man sich ranhalten." Wer die direkten Konkurrenten der Adler sein werden, da will er sich nicht festlegen. Dazu müsse man die anderen Teams erstmal spielen sehen.

Seine persönlichen Ziele sind klar: "Die Nummer eins im Tor werden, alles andere wäre ja unglaubwürdig, wenn ich es sagen würde, die Meisterschaft mit den Adlern verteidigen und gute Ergebnisse erzielen." Letzte Saison sei es für ihn sehr gut gelaufen, er galt als bester DEL-Goalie, aber das bedeute gar nichts für die kommende Spielzeit.

Adam Hauser ist gerne Amerikaner, sagt er und er ist stolz darauf. Dass er in einer Minderheit ist in der DEL, das macht ihm nichts: "Das bin ich in Übersee auch, es gibt einfach mehr Kanadier, die Eishockey spielen. Aber ich verstehe mich gut mit ihnen." Dann greift er sich wieder seinen Helm und geht aufs Eis. Den Helm hat er übrigens selbst gestalten lassen. Von einem Amerikaner, der jahrelang seine Masken gefertigt hat. Fesch sieht der Vogel aus und seine Federn geben bei näherem Hinsehen den Namen Adler. Ihm gefällt das Teil, außerdem soll es Glück bringen. Das wird er, neben all seinem Können, natürlich auch brauchen, wenn er mit den Adlern in Richtung Meisterschaftspott abheben möchte.

Angelika von Bülow - Foto by City-Press

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