50 Jahre Eishockey: Stimmungsvolles Jubiläum in Berlin-Hohenschönhausen

50 Jahre Eishockey: Stimmungsvolles Jubiläum in Berlin-Hohenschönhausen50 Jahre Eishockey: Stimmungsvolles Jubiläum in Berlin-Hohenschönhausen
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Ein ereignisreicher Abend mit zahlreichen hochemotionalen Momenten ging am vergangenen Samstag für die ca. 3000 Zuschauer im Wellblechpalast erst kurz vor Mitternacht zu Ende. Die gut 40 an der Durchführung der Veranstaltung beteiligten Fans fielen sich völlig zu Recht zufrieden in die Arme, aller Erwartungsdruck war plötzlich wie weggepustet. Nach Monaten der aufwändigen Vorbereitungen war bei dem ein oder anderen die Erleichterung unübersehbar, hier und da kullerten gar Tränen, andere klatschten sich lächelnd ab. Wenige Stunden zuvor aber waren die Nerven zum Zerreißen angespannt: Würden alle eingeladenen Spieler erscheinen? Geht der eng gesteckte Zeitplan auf? Wurden alle Eventualitäten bedacht und wird jeder Helfer zur rechten Zeit an seinem Platz sein? Vieles hätte schief gehen können - aber alles ging seinen geplanten Gang!



Gegen 19.00 Uhr rief unüberhörbar ein Fanfarenzug die Besucher und zahlreichen Gäste aus den Gängen des Wellblechpalastes auf ihre Plätze. Moderator Michael Leopold und Stadionsprecher Uwe Schumann ließen den Blick über die vergangenen 50 Jahre Hohenschönhausener Eishockeys schweifen, begonnen mit der Gründung der Eishockeyabteilung beim SC Dynamo Berlin, der Reduzierung des ostdeutschen Eishockeys zur mit zwei Teams besetzten kleinsten Liga der Welt, über die 15 errungenen DDR-Meistertitel, bis hin zur Aufnahme in die Bundesliga 1990 und dem Einstieg der Anschutz Entertainment Group im Jahre 1999. Als Michael Leopold Altstar Hans „Hanne“ Frenzel mit seinen Kollegen der ersten Stunde zu sich aufs Eis rief, kam das erste Mal an diesem Abend Gänsehautatmosphäre auf. Und der alte Kämpe Hanne Frenzel wusste an dieser Stelle schon: „Heute ist der schönste Tag in meinem gesamten Eishockeyleben! Ich möchte mich bei den Fans bedanken, die diesen Abend ermöglicht und organisiert haben!“ Immerhin war die lebende Legende die ganzen 50 Jahre, egal ob als Spieler, Trainer, Betreuer, Berater oder viele Jahrzehnte im Kampfgericht, dabei. Erst seit diesem Jahr gönnt er sich den schnellen Kufensport nur noch als Zuschauer. Ähnlich wie „Hanne“ haben es auch die anderen ehemaligen Spieler aus den vergangenen fünf Jahrzehnten wie Peter Lehnigk, Günther Katzur, Dieter Voigt, Helmut Senftleben, Joachim Hurbanek, Rainer Patschinski, Dietmar und Roland Peters, Bernd Karrenbauer, Gerhard Müller und Dieter Frenzel empfunden, die alle mit ihren jeweiligen Mannschaftskollegen auf dem Eis geehrt wurden.

Familiär wurde es als „Mr. Eishockey-Ost“ Joachim Ziesche mit seinen Söhnen Steffen, Jens und Enkel Markus aufs Eis gebeten wurde. Auch Ehefrau, Mutter bzw. Großmutter Ziesche kam zu Ehren, da sie sicherlich stets viel Humor aufbringen musste für ihre dem Eishockey voll und ganz verschriebenen Männer. Die Kluboberen des EHC Eisbären hatten sich für Eishockey-Ikone Joachim Ziesche ein ganz besonderes Geschenk ausgedacht: Sichtlich gerührt nahm der Hall of Famer aus den Händen von Anschutz Europa Chef und Eisbären-Geschäftsführer Detlef Kornett eine Dauerkarte auf Lebenszeit entgegen. Die musikalischen Einlagen von Tim & Spencer (sangen eine Jubiläumsversion ihrer Eisbärenhymne „Der EHC ist wieder da“) und dem „Dynamischen Oktoberklub“ (mit einem Medley von ihren „Liedern die das Leben schrieb“), begleitet von einer Band mit Schlagzeug und E-Gitarren, gaben dem Geschehen einen zünftigen Rahmen.

Und weiter eilte man im Programm von Höhepunkt zu Höhepunkt. Das Wiedersehen mit Andrew McKim, der die Eisbären 1999 nach zwei sehr erfolgreichen Spielzeiten verließ und dann in Diensten seines damals neuen Arbeitgebers, dem Zürcher SC Lions, in einem Ligaspiel so schwer verletzt wurde, dass er seine Karriere beenden musste, geriet zu einer Feier in der Feier. Zuschauer wie Ehrengäste erhoben sich von ihren Plätzen, von den Rängen schwappte eine Welle der Sympathie über den Kanadier und einstigen WM-Torschützenkönig hinweg. Kein Zweifel – McKim hat bleibende Spuren hinterlassen im und rund um den Wellblechpalast.

Wer nun dachte, dass diese Stimmung nicht mehr zu überbieten sei, der sah sich getäuscht! Ging es zuvor recht feierlich und pathetisch zu, kam beim Traditionsmatch der Auswahl mit Spielern, die vor 1990 das Dynamo -Trikot trugen sowie einer Mannschaft mit den Cracks der frühen 90er (z.B. Dave Morrisson, Mark Jooris) richtige Eishockeyatmosphäre auf. Die Pöhlands, Lempios, Bögelsacks, Schmeisser, Kuhnkes & Co. ließen es noch einmal richtig krachen. Danach wurden auch die Recken des 98er Vizemeisterkaders wie Magnus Roupé, Derek Mayer, Leif Carlsson, Marc Fortier, Pelle Svensson und Rob Cowie standesgemäß von den Fans gefeiert und natürlich kam Goalie Udo Döhler um seinen obligatorischen Tanz auf dem Eis nicht herum. Die 98er traten, verstärkt mit Mike Bullard und Klaus Merk, im zweiten Traditionsduell gegen den aktuellen DEL-Kader an. Beide Kräftemessen endeten erwartungsgemäß schiedlich friedlich Remis.

Die für alle Beteiligten aufregende Zeitreise erreichte ihr Ziel mit der Rückkehr in die Gegenwart, als Eisbären-Coach Pierre Pagé gemeinsam mit seinem Co-Trainer Hartmut Nickel und den aktuellen Eisbären-Cracks Ricard Persson, Steve Walker und Alexander Barta von Michael Leopold auf dem Eis begrüßt wurde. Gefragt was ihm, dem Kanadier, Tradition bedeute, antwortete Pagé in mittlerweile sicherem Deutsch: „Tradition ist sehr wichtig. Und es ist doch so – ohne Dynamo Berlin gäbe es auch keinen EHC Eisbären!“ Kurz und knapp hatte Pierre Pagé damit das Credo des Abends auf den Punkt gebracht. In ganz ähnlicher Weise hatte sich DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke im Programmheft mit einem Grußwort an die Gäste und Fans gerichtet: „Kein anderer Standort und kein anderer Klub spiegelt die jüngere deutsche Geschichte besser wider als die Eisbären. Kein anderer Klub hat es in der Form geschafft, sowohl im geteilten als auch im wiedervereinten Deutschland sportlich und gesellschaftlich für so viel Furore zu sorgen. Heute sind die Eisbären ein fester Bestandteil der DEL und mit ihren Zukunftsvorhaben ein wesentlicher Motor für die Weiterentwicklung der Liga.“ Eine Aussage, die man wahrscheinlich im Osten Berlins erst einmal sacken lassen muss.

Nun doch sichtlich von den Anstrengungen der letzten Tage gezeichnet, enterte die 40-köpfige CHE (Comitee Hohenschönhausener Eishockey)-Fancrew zu weit fortgeschrittener Stunde, aber noch immer in bester Feierlaune die GASAG-Lounge. Von all den dort versammelten Eishockeyidolen wurden nun sie verdientermaßen zu den Stars des Abends erklärt. (Matthias Eckart/ Oliver Koch - Foto: Kati & D-sein)

Neue Seite 1

Weitere Bilder zur 50 Jahr Feier gibt es 

hier


und

hier