3:2 - Haie siegen auch in Düsseldorf

Die "Alex Hicks Initiative"Die "Alex Hicks Initiative"
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Rund 6.000 Zuschauer erschienen zum Saisonauftakt der DEG Metro Stars an der altehrwürdigen Brehmstraße, die zur Saison 2006/2007 einer modernen Halle als Spielort weichen soll. Die Erwartungen der Düsseldorfer Fans sind in diesem Jahr höher als zuvor, und von Seiten des Vereins wird überraschenderweise die Meisterschaft als Ziel ausgegeben, dabei galt Trainer Michael Komma eigentlich immer als notorischer Tiefstapler. Fast auf jeder Seite des zur Saisoneröffnung erschienenen Programmheftes ist vom Titel die Rede, ausserdem wird immer wieder erwähnt, wie wichtig ein besserer Start in die Saison sei. Nach den ersten beiden Testspielen gegen die Kölner Haie bleibt zumindest die Erkenntnis, dass man für einen solchen Start noch sehr viel tun muss, die Haie wirkten schon etwas besser eingespielt, obwohl sie gleich vier Nationalspieler entbehren mussten (Lewandowski, Boos, Renz und Lüdemann, bei der DEG fehlten Kreutzer und Kathan).

Auf Seiten der DEG schien Neuzugang Eric Dandenault besonders motiviert zu sein. Der knallharte Verteidiger, über den sein Trainer sagt, er könne "den Kölner Alex Hicks mit einer Hand aus dem Fenster halten", legte sich gleich zu Beginn des Spiels mit dem Kölner Boris Blank an, bereits vor einer Woche waren die beiden aneinander geraten. Das erste Tor erzielten allerdings die Gäste, mit einem sehenswerten "Tic-Tac-Toe-Tor" in Überzahl. Hart zu Blank, Blank zu Seidenberg, Seidenberg ins Tor - 0:1. Die Düsseldorfer ließen im ersten Drittel jeglichen Ehrgeiz vermissen und offenbarten große Löcher im Abwehrbereich. Ein solches Loch nutzte Jean-Yves Roy in der 16. Minute zum 0:2, als er mit dem Puck mehrere Meter durch das Verteidigungsdrittel der Düsseldorfer laufen konnte, ohne angegriffen zu werden. Zwei Minuten später hätte Adduono fast das 0:3 erzielt, erst kurz vor der ersten Pause hatten die Düsseldorfer eine gute Chance durch Thomas Jörg.
Der Weckruf für die Gastgeber erfolgte dann gleich zu Beginn des zweiten Abschnitts. Kölns Kapitän Brad Schlegel saß auf der Strafbank und Alexander Sulzer erzielte mit einem sehenswerten Schlagschuss das 1:2. In den folgenden Minuten fand die DEG endlich zu ihrem Spiel und hätte die Partie gut und gerne zu ihren Gunsten drehen können. Erst traf Tory die Latte (26.), dann scheiterte Vikingstad zweimal knapp an Rogles (27./28.). Ab der 30. Spielminute verflachte die Partie allerdings zusehends, allein Eric Dandenault sorgte erneut für Unterhaltung. In der 38. Minute nagelte er Kölns Yannic Seidenberg an der Bande fest, wurde von seinem Gegenspieler dann allerdings mit einem geschickten Hebel platt aufs Eis gelegt. Schiedsrichter Dimmers ließ weiterspielen und Dandenault flippte aus, beschimpfte die Spieler an der Kölner Bande und stieß den an der Bank stehenden Roy so heftig zurück, dass der sich erst einmal setzen musste. Dem Publikum gefiel das, Dandenault ("Letzte Saison war ich aber ganz brav") wurde mit Sprechchören gefeiert. Das Spiel wurde durch derlei Aktionen leider nicht besser und auch im Schlussabschnitt tat sich zunächst rein gar nichts, weder auf dem Eis noch auf den Rängen. Bis zu 50. Minute, als Trond Magnussen Kölns Torhüter Chris Rogles in dessen Torraum zu nahe kam (Rogles reklamierte einen Stockschlag) und beide Spieler den Konflikt mit den Fäusten austrugen. Knapp zwei Meter entfernt befand sich Kölns Alex Hicks, nicht gerade als Kind von Traurigkeit bekannt, und tat, was Eishockeyspieler in einer solchen Situation tun - er beschützte seinen Torhüter und stürzte sich auf Magnussen.

Das Resultat war eine Spieldauer-Disziplinarstrafe für Hicks, der sich auf dem Weg in die Kabine noch böse Worte von jenem Herrn anhören durfte, der ihn mit einer Hand aus dem Fenster halten könnte, was ihm auf der fensterlosen Eisfläche freilich wenig von Nutzen wäre, aber das war ja nur ein Beispiel... Düsseldorf hatte nun während der folgenden 5 Strafminuten die Chance, das Spiel zu drehen, und tatsächlich: Der junge Patrick Reimer erzielte per Schlagschuss den Ausgleich (52.). Noch acht Minuten Zeit, davon einige in Überzahl: Die DEG war nun eigentlich auf der Siegerstrasse, doch die verbleibenden Hicksschen Strafminuten zerronnen, und als sich alle Zuschauer eine Minute vor Ende der Partie mit dem Unentschieden abgefunden hatten, wanderte Martin Ulrich noch einmal auf die Strafbank. 14 Sekunden später sorgte Stephane Julien mit einem harten Schuss für den nicht mehr erwarteten Kölner Sieg. Wie auch in der vergangenen Woche spielt auch dieses Ergebnis angesichts der frühen Phase der Saisonvorbereitung allerdings keine große Rolle. Beide Teams deuteten immerhin zeitweise an, dass sie eine erfolgreiche Saison spielen könnten.
Alexander Brandt