WM-Generalprobe misslungen - 0:4 gegen USA - Molling fährt mit

Berichte aus der Frauen-BundesligaBerichte aus der Frauen-Bundesliga
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Neue Seite 1

Im letzten Vorbereitungsspiel

vor der am Samstag in Tschechien beginnenden

Eishockeyweltmeisterschaft erwischte die Deutsche Nationalmannschaft am

Mittwochabend in Nürnberg gegen die USA zunächst den besseren Start, verpatzte aber die Generalprobe bei der 0:4-Niederlage deutlich.

Morczinietz (2.) und Martinec (4.) prüften Mike Dunham mit ersten Versuchen,

aber der Keeper der New York Rangers ließ sich nicht überlisten. Die Antwort

der mit NHL-Profis gespickten US-Amerikaner kam prompt: In der 5. Minute überwand

Richard Park (Minnesota Wild) DEB-Keeper Olaf Kölzig etwas überraschend aus

halbrechter Position fast von der Bande aus. Sein Schuss schlug über Kölzigs

Fanghand nicht ganz unhaltbar ein. Zwar hatte zwischenzeitlich Daniel Kreutzer

in Überzahl die große Ausgleichsmöglichkeit, aber er schob die Scheibe aus

kurzer Distanz am Tor vorbei. Erfolgreicher waren erneut die Gäste, die in

dieser Zusammenstellung ihr erstes Spiel bestritten. Auch beim zweiten

Gegentreffer machte allerdings Olaf Kölzig, der Torhüter der Washington

Capitals, einen unglücklichen Eindruck. Einen eher harmlosen Flachschuss von

Mannheims Andy Roach ließ er durch die Schoner passieren. Die beiden

Gegentreffer brachten das DEB-Team sichtbar von ihrem Konzept ab. Es dauerte bis

zur 14. Minute, ehe Jochen Hecht bei einem Konter in aussichtsreiche Position

kam, aber an Dunham scheiterte. In der sich zweiten anschließenden Überzahlgelegenheit

lief die Scheibe wieder besser, Dunham musste einige brenzlige Situationen überstehen,

aber auch mit lautstarker Unterstützung der fast ausverkauften Halle wollte die

Scheibe nicht über die Linie. Zu allem Unglück kamen die Amerikaner 29

Sekunden vor Ende des ersten Drittels sogar noch zum dritten Treffer: Ein Rückhandschlenzer

von Andy Roach wurde für Kölzig nicht zu erkennen von Bates Battaglia ins deutsche Tor abgefälscht.


Auch im zweiten Abschnitt gab es Chancen auf beiden Seiten. Zunächst scheiterte

Jeff Halpern aus kurzer Distanz an Kölzig, auf der Gegenseite war es Smazal,

der vor Dunham auftauchte. In Überzahl war es dann Mirko Lüdemann, der mit

einem fulminanten Schlagschuss in Dunham seinen Meister fand (27.). Keine zwei

Minuten später scheiterte Martin Reichel an Dunhams Schoner. In der 30. Minute kam wie vorher abgesprochen Dunhams NHL-Kollege Ty Conklin zwischen die Pfosten. Dunham hatte bis dahin eine tadellose Leistung

abgeliefert, aber auch Conklin war in der 33. Minute gegen Kreutzer zur Stelle.

Die Großzügigkeiten des schweizer Referees nutzten jetzt beide Teams, um sich

gegenseitig ein wenig intensiver zu bearbeiten. Vor allem der frisch

eingeflogene Christoph Schubert machte mit einem harten Check gegen Bates

Battaglia auf sich aufmerksam. In der 38. Minute dann sogar das 0:4 und wieder

war Andy Roach beteiligt. Seine Hereingabe nutzte Jeff Jilsson (Buffalo) mit

einem Flachschuss aus kurzer Distanz.


Den Schlussabschnitt begann die Zach-Truppe in Überzahl (Mara saß auf der

Strafbank), aber auch diesmal war kein Vorbeikommen am US-Keeper. Rob Leask

hatte dabei die größte Gelegenheit. Bei einer erneuten Überzahl war es Martin

Reichel, der von Jochen Hecht freigespielt nahezu allein vor Conklin scheiterte,

allerdings war der Winkel sehr spitz. Aber auch als Christoph Schubert erneut auf der

Strafbank weilte, passierte nicht mehr viel. Beide Teams ließen nun die Zügel

etwas schleifen. Dennoch war in vielen Situationen die Abgebrühtheit und die

Robustheit der vielen amerikanischen NHL-Profis zu sehen, denen zumindest an

diesem Abend das DEB-Team nicht viel entgegen zu setzen hatte. Zwar gab es

einige weitere Strafen auf beiden Seiten, aber nur Sven Felski hatte wirklich

einen Treffer auf dem Schläger, konnte aber Conklin nicht wie gewünscht

ausspielen. Das Bemühen konnte man der deutschen Mannschaft nicht absprechen,

aber als im nächsten Überzahlspiel auch Greilinger am Außenpfosten scheiterte, war

klar, dass es nicht einmal zum Ehrentreffer reichen würde.

Für Bundestrainer Hans Zach

kam die Niederlage zum rechten Zeitpunkt: "Wir sind auf den Boden der

Tatsachen zurückgekehrt, sowohl die Spieler als auch die Fans. Die USA waren

physisch stärker und standen sehr stabil und körperlich präsent. Das war sehr

lehrreich für uns. Unser erstes Ziel bei der WM muss der Klassenerhalt bleiben,

alles andere wäre unrealistisch. Olaf Kölzig hat zwei, drei unglückliche

Gegentore bekommen, aber das ist für mich kein Grund ihn im Regen stehen zu

lassen. Die Gegenspieler dürfen nicht so frei zum Schuss kommen."


Für Peter Laviolette, Trainer der USA, war vor allem das Erfolgserlebnis

wichtig: "Wir sind erst kurz zusammen. Das wichtigste war der Sieg im

ersten Vorbereitungsspiel, das gibt uns Selbstvertrauen für die WM. Am Anfang

hatten wir Schwierigkeiten als die Deutschen sehr emotional und stark gekommen

sind, aber unser Keeper hat sehr gut gehalten. Danach wurde es von Minute zu

Minute besser."


Die letzte Personalentscheidung hat Bundestrainer Hans Zach zugunsten von Jochen

Molling getroffen. Der Neu-Hamburger erhielt den Vorzug vor Christoph Schubert:

"Er bildet ein stabiles Paar mit Mike Smazal, da weiß ich was ich was

habe", so Zach. Bleibt zu hoffen, dass wie so oft einer schlechten

Generalprobe eine gelungene Premiere folgt. Schon am Samstag (20.15 Uhr) trifft

die DEB-Auswahl in Prag in ihrem ersten WM-Spiel auf Kasachstan.


Tore:

0:1 (04.45) Park (Hauer)

0:2 (09.45) Roach (Halpern)

0:3 (19.31) Battaglia (Roach)

0:4 (37.54) Jillson (Roach)

Strafen: Deutschland 14

min. - USA 24 min. plus 10 min. Disziplinar Drury

Schiedsrichter: Mandioni (Schweiz)

Zuschauer: 7.822


Aufstellung Deutschland:

Kölzig/Jonas


Lüdemann/Retzer

Benda/Leask

Smazal/Schubert

Molling/Renz

Felski/Ustorf/Greilinger

Kathan/Reichel/Morczinietz

Hecht/Abstreiter/Kreutzer

Martinec/Boos/Ullmann