WM-Erinnerungen 2001 bis 2004

Continental-Cup-Finale in UngarnContinental-Cup-Finale in Ungarn
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WM-Erinnerungen (16): 2001

Diesmal dauerte es nur acht Jahre, bis Deutschland wieder der Ausrichter einer WM war. Die Mannschaft selbst brauchte nicht einmal von jener Regelung zu profitieren, nach welcher der Gastgeber automatisch qualifiziert ist. Zum erstenmal sah das Turnier zwei Absteiger vor, während Japan immer noch so gut wie gesetzt war. Die Söhne Nippons brauchen nur die Qualifikation in Fernost zu überstehen. Leider gab es trotz der überwiegend positiven Schlagzeilen, die sich das Turnier vor allen Dingen wegen des starken Auftretens des "Aufsteigers" und seiner vorbildlichen Zuschauer verdiente, auch genug Negatives. Beim Match der Zach-Schützlinge gegen Weißrussland in der Preussag Arena in Hannover war fast der gesamte Bereich hinter einem Tor leer; trotzdem war das Match offiziell ausverkauft. Es gab Fans, die ihre Karten schon Monate vorher bestellten und bezahlten und trotz allem einige Tage vor den jeweiligen Spielen die simple Mitteilung erhielten, dass nun doch kein Platz mehr frei und das Rückgeld schon auf dem Weg wäre. Frust auch bei den Zuschauern in Nürnberg, wo das Chaos komplett war und mit dem gebürtigen Esten Tom Ratschunas gar ein ausländischer Pressechef eingeflogen werden musste. Internet-Anschlusse für die Journalisten im Pressezentrum, ein Jahr zuvor in Russland und sogar in Polen bei der B-WM gang und gäbe, waren in Deutschland, wo man sich trotzdem in Selbstbeweihräucherung erging, nicht vorhanden.

Die deutsche Mannschaft verkaufte sich sehr gut und legte im Eröffnungsspiel gegen den Erzrivalen Schweiz beim 3:1 in der mit 18.500 Zuschauern ausverkauften Kölnarena den Grundstein zum Erreichen der nächsten Runde. Gegen die Tschechen erkämpften sich Marco Sturm & Co. ein 2:2; gegen Weißrussland hatte man zwar mit 0:2 das Nachsehen, was aber nicht schlimm war. Die Männer aus Minsk und Grodno wurden Gruppenletzter und mussten nach Nürnberg in die Abstiegsrunde. Nach einem enttäuschenden 1:3 gegen Italien, einem vielbeachteten 3:3 gegen Kanada und einer erneuten Niederlage (1:3) gegen Russland in der Qualifikationsrunde stand Deutschland im Viertelfinale. Gegen Finnland gab es jedoch nichts zu erben. Mit 1:4 fiel die Schlappe sogar deutlich aus.

Folgende Cracks der Einheimischen trugen sich in die Scorerliste ein: Marco Sturm 5 Punkte, Daniel Kreutzer, Thomas Daffner je 4, Klaus Kathan 3, Wayne Hynes, Tobias Abstreiter je 2, Andreas Loth, Robert Müller, Mirko Lüdemann, Denis Seidenberg, Jan Benda, Lenny Soccio je 1; außerdem waren Sven Felski, Christoph Schubert, Mark MacKay, Thomas Greilinger, Heiko Smazal, Jörg Mayr, Jochen Molling, Marcel Goc und Erich Goldmann mit von der Partie. Als Goalkeeper waren Robert Müller, Christian Künast und Leo Conti dabei, während Letzerer kein Spiel bestritt.

Zum dritten Male hintereinander wurden die Tschechen, die Schweden im Halbfinale erst nach Penaltyschießen mit 3:2 besiegten, Weltmeister. Finnland führte im Endspiel zwar bis zur 45. Minute durch Tore von Lind und Ylönen mit 2:0, aber die nie aufsteckenden Cracks um Robert Reichel egalisierten durch Prochazka und Dopita (55.). In der Verlängerung war nach 10;38 Minuten der wendige David Moravec, der einen wunderbaren Pass von Tomas Vlasak verwertete und den großen Anhang aus dem Land jenseits des Bayrischen Waldes und des Erzgebirges jubeln ließ. Weißrussland und Norwegen hießen die Absteiger.

So sah das All-Star-Team aus: Hnilicka (CZE); Nummelin (FIN), Johnsson (SWE); Kapanen (FIN), Reichel, Rucinsky (beide CZE).

Insgesamt war die Weltmeisterschaft nach vielen Jahren (1992 in Prag und Pressburg, 1993 in München und Dortmund) wieder einmal ein Turnier der weiten Wege. Ein Fan, der "hin und her" huschen wollte, hatte schlechte Karten. Auf der anderen Seite kam die "geografische Anordnung" natürlich vielen Zuschauerwünschen entgegen.

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WM-Erinnerungen (17): 2002

Jönköping, Karlstad und Göteborg hießen die Spielorte der WM 2002. Was mir in den ersten Tagen der WM auffiel, war, dass so gut wie die gesamte schwedische Fachpresse über den bei uns in Deutschland bestens bekannten Nationaltrainer (bei den Schweden heißt das Verbandskapitän) Hardy Nilsson herfiel. "Der Trainer mit dem wenigsten Erfolg in der gesamten schwedischen Eishockey-Geschichte", titelte eine Zeitung. Ein anderes Blatt listete sämtliche Nationalcoaches auf und gab, wie beim Eiskunstlauf, "Platzziffern". Auch dort schnitt Nilsson am schlechtesten ab und hatte die höchste Ziffer. Der Knoten, den sich viele einheimische Medienvertreter auferlegten, schien erst im Viertelfinale gegen die Deutschen zu platzen, obgleich Jungstar Christian Ehrhoff fast mit der ersten Pausensirene für die 2:1-Führung im rappelvollen Scandinavium zu Göteborg sorgte. Dann spielten jedoch nur noch die Männer mit den drei Kronen auf den Jerseys. 6:2 hieß es am Ende, was auch in dieser Höhe nicht einmal unverdient war. Dann kamen die spannenden Halbfinalpartien, die erst nach Penaltyschießen entschieden wurden. Hier setzten sich die Russen gegen die Finnen und zum Entsetzen der meisten Zuschauer die Slowaken gegen die Blau-Gelben durch. Wenigstens Bronze blieb den Schweden, die im Spiel um den dritten Platz dem Erzrivalen Finnland mit 5:3 das Nachsehen gaben. Derweil nahm die friedliche Invasion von Donau und Tatra in die schwedische Hafenstadt ihren Lauf bzw. Flug. Das Wunder um die Cracks in den blauen Trikots mit ihren Superstars Miroslav Satan und Peter Bondra ging weiter; die Sensation war perfekt. Genau 100 Sekunden vor Schluss gelang es Bondra, den russischen Keeper Maxim Sokolow zu überwinden und für das 4:3, was gleichzeitig auch den Endstand bedeutete, zu sorgen. Nach einem zweiten Platz drei Jahre zuvor wurden die Slowaken zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte Weltmeister. Mit dabei war der damals 37-jährige Jergus Baca von den Revier Löwen Oberhausen, der trotz der Freude über den Titel sauer auf seinen Verein war, der ihm immer noch Geld schuldete.

Die Eishockey-Begeisterung blieb die ganzen Tage und Wochen über recht verhalten. Was mich persönlich sehr bedrückte, waren die widerlichen Anschläge an diversen Litfasssäulen. Die "Werbestrategen" wiesen zum Beispiel gegenerische Mannschaften darauf hin, dass man in Göteborg soundso viele Zahnärzte habe, die die Gäste gut pflegen könnten. Ich stellte mir nur vor, welchen Widerhall solche Aktionen in der Weltpresse gefunden hätten, wenn dies in Deutschland passiert wäre. In Schweden darf man das wohl, und deswegen empfand ich als Tre Kronor-Fan, da bin ich ehrlich, ein bisschen Schadenfreude über das Ausscheiden im Halbfinale.

Die deutsche Mannschaft schlug sich in Vor- und Qualifikationsrunde recht achtbar und zeigte auch Torhunger. Im idyllischen Jönköping gab es ein 9:2 gegen den krassen Außenseiter Japan, ein deutliches 3:0 gegen die Eidgenossen und zum Abschluss der Vorrunde ein torreiches 5:7 gegen die Tschechen. Auch in der Qualifikationsrunde in Karlstad wurde fleißig gepunktet. 1:3 hieß es am Ende gegen Kanada, doch dann wurde Lettland mit 3:2 geschlagen; den US-Boys wurde beim 2:2 ein Punkt abgenommen. In die umfangreiche Scorerliste trugen sich ein: Jan Benda 8 Punkte, Lenny Soccio 7, Christian Ehrhoff, Stefan Ustorf je 5, Klaus Kathan, Wayne Hynes und Andreas Morczinietz je 4, Daniel Kreutzer, Dennis Seidenberg, Andreas Loth und Boris Blank je 3, Tobias Abstreiter, Jürgen Rumrich, Martin Reichel je 2, Erich Goldmann, Christoph Schubert, Eduard Lewandowski und Jochen Molling je 1; Patrick Köppchen, David Sulkovsky, Andreas Renz und Tomas Martinec vervollständigten die Truppe von Bundestrainer Hans Zach. Für das Tor waren Marc Seliger, Robert Müller und Markus Janka aufgeboten.

Aufsteiger Polen sowie Italien mussten absteigen, während sich der andere Aufsteiger Slowenien mit seinem jungen Torjäger Marcel Rodman im Ensemble der Großen hielt.

Die Journalisten wählten folgendes All-Star-Team: Sokolow (RUS); Lintner (SVK), Rhodin (SWE); Satan (SVK), Hagman (FIN), Bondra (SVK).

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WM-Erinnerungen (18): 2003

Erneut in den teuren Norden, diesmal allerdings in das einzige Land, in welchem der Euro die Landeswährung ist. Der Grund: In Prag dauerte die Fertigstellung der Sazka Arena länger als zunächst angenommen. Daher tauschten Finnland und Tschechien ihr Ausrichterrecht. Für Peggy und mich fing es gar nicht so bequem an. Auf der Fähre, die von Stockholm nach Turku tuckert, wollte ich kurz vor Mitternacht eine Kabine bestellen. Da es bereits das dritte Mal war, dass wir nach Suomi zu einer WM reisten, dachten wir, dass wieder nicht alle Kabinen belegt wären. Diesmal war dem nicht so. Ich schob also Nachtwache, denn die teure Fotoausrüstung durfte nicht ohne Aufsicht bleiben, während Peggy auf einem Sitz schlief, so gut es halt ging. Total übermüdet kamen wir in Turku an, wo Polizisten die Fahrgäste aus ihre Art begrüßen. Alle mussten pusten, und wer weiß, wer direkt rechts heranfahren und seinen Führerschein abgeben musste. Wir kamen am Mittag in Helsinki an und konnten zu unserem Leidwesen nicht das Hotel beziehen, weil unser alter Freund Tom Ratschunas nicht auffindbar war; nur Tom kannte unser Quartier. Während der Spiele dösten wir in den Drittelpausen Rücken an Rücken, um uns ein bisschen zu entspannen.

Nicht nur aus deutscher Sicht war das Turnier spektakulär. Unser Team verlor unglücklich gegen den späteren Weltmeister Kanada in der Verlängerung des Viertelfinalmatches. Pech, dass aufgrund einer neuen Regel eine 3:4-Unterzahl anstatt einer 4:5-Unterzahl durchgestanden werden musste, denn Daniel Kunce handelte sich 74 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit eine Zweiminutenstrafe ein. Nach 37 Sekunden in der Verlängerung (heißt im "Neu-Hochdeutschen wohl "Overtime") stand in der Elysee-Arena in Turku mit Kanada der erste Halbfinalist fest. Einige, wie Peggy, Dino Reisner von "Eishockey News" und ich blieben in Turku und freuten uns trotz der Trauer über das Ausscheiden der Deutschen auf das Match Tschechien gegen Russland. Wenn wir gewusst hätten, was sich in Helsinki abspielen, wären wir im höchsten Tempo in die Weiße Stadt am Meer zurückgedüst, denn dort spielte sich etwas ab, was alles Bisherige bei diesem Turnier in den Schatten stellte! Wir sahen ein furchtbar langweiliges 3:0 der Tschechen gegen die sich kaum wehrenden Russen, während die Schweden mit sage und schreibe 1:5 gegen Finnland zurücklagen und am Ende 6:5 gewannen. Mit jeder SMS, mit der mich Jörg Lubrich von BILD Berlin über den Zwischenstand informierte, wurde die Besatzung meines Wagens wütender.

Deutschland startete mit einem schmeichelhaften 5:4 gegen den krassen Außenseiter Japan und siegte anschließend gegen die Ukraine mit 4:1, was bereits die Qualifikationsrunde bedeutete. Einem achtbaren 1:3 gegen die Slowaken schloss sich in der nächsten Runde ein deutliches 5:1 gegen Österreich an. Keine Chance hatten die Zach-Buben bei der 0:4-Niederlagen gegen Tschechien; einer Sensation gleich kam das abschließende 2:2 gegen Gastgeber Finnland.

Im Gegensatz zum Jahr zuvor waren die Halbfinals klare Sachen. Schweden demolierte Weltmeister Slowakei mit 4:1, Kanada überfuhr die Tschechen mit 8:4. So war wenigstens wieder einmal ein Bruderkampf im sonst so unwichtigen Bronzespiel (warum bekommen nicht beide Teams Bronze wie im Boxen oder anderen Sportarten?) angesagt, den die Slowaken mit 4:2 gewannen. Weltmeister wurde Kanada, das einen 0:2-Rückstand wegsteckte und durch den 28-jährigen Anson Carter, einen farbigen Stürmer von den New York Rangers, nach 13;49 Minuten der Verlängerung das entscheidende Tor erzielte.

Die Scorerliste der Deutschen: Mirko Lüdemann und Lenny Soccio je 5 Punkte, Andreas Morczinietz 4, Klaus Kathan, Eduard Lewandowski, Tino Boos, Marcel Goc, Jan Benda und Daniel Kreutzer je 3, Stephan Retzer, Tobias Abstreiter, Martin Reichel und Sascha Goc je 2, Tomas Martinec, Daniel Kunce, Sven Felski, Boris Blank und Lasse Kopitz 1; außerdem spielten Jochen Molling, Christian Ehrhoff, Andreas Renz und Christian Hommel mit. Im Tor standen Oliver Jonas und Robert Müller, während Alexander Jung nicht zum Einsatz kam.

Aufsteiger Weißrussland musste absteigen und begleitete die Slowenen in die früher genannte B-Gruppe.

Dass das eigene Land (so es denn zu den großen Eishockeynationen gehört) kein Mitglied eines All-Star-Team stellt, ist selten. In Finnland war es wieder einmal soweit. Burke (CAN); Visnovsky (SVK), Bouwmeester (CAN); Sundin, Forsberg (beide SWE), Heatley (CAN) hießen von den Journalisten Auserwählten.

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WM-Erinnerungen (19): 2004

Endlich war Prag wieder "dran"! Nach zwölf Jahren Abwesenheit vom Wenzelsplatz, Karlsbrück und Hradschin war die "Goldene Stadt" an der Moldau wieder Schauplatz einer WM. Es war alles da, was das tschechische Sportherz begehrte: Mit der neuerbauten Sazka Arena eine wunderschöne Halle, eine Truppe, die auch Experten für die beste tschechische Mannschaft seit vielen Jahren hielten und mit dem ehrgeizigen Slavomir Lener einen Trainer, der heiß auf den Titel war.

Den Ambitionen der Einheimischen bereitete ein quasi unbekannter Allrounder, der "nur" in der DEL einen Namen hat, ein jähes Ende. Der US-Amerikaner Andy Roach von den Adlern Mannheim sorgte bereits im Viertelfinale mit seinem Penalty nicht nur für das "Aus" von Jaromir Jagr & Co., sondern auch für das der Schwarzhändler. Apropos Schwarzhändler... Wann hat es das schon einmal gegeben, dass ein IIHF-Präsident fast zum Schwarzhandel auffordert? In einer Pressekonferenz brachte René Fasel seiner Hoffnung Ausdruck, dass diejenigen tschechischen Fans, die im Besitz von Eintrittskarten von Spielen ohne tschechische Beteiligung sind, diese entweder vor der Halle verschenken oder verkaufen. Denn die Fans mussten die Tickets im Block kaufen, und da ist das Interesse eines Durchschnitts-Zuschauers eher gering. Die WM ist auch mit dem Namen von Viktor Knoll aus Duisburgs bekanntestem Stadtteil Meiderich verbunden. Dieser "Reisender in Sachen Eishockey", wie er sich selbst bezeichnet, hat lückenlos alle WM-Turniere von 1977 an verfolgt, dazu noch zwei Olympische Spiele. "Das war vom Drumherum die schlechteste Weltmeisterschaft, die ich je erlebte. Die Organisation war miserabel, die Unhöflichkeit des Personals war unterträglich, es war schlichtweg zum Nachhausefahren", ärgerte sich der Rentner, der zum Beispiel Karten der Kategorie eins erwarb, sich aber auf einem der billigsten Plätze wiederfand. "Die Deutschen sitzen auf Plätzen der Kategorie eins, ganz gleich, wo", so ein Spaßvogel mit Galgenhumor.

Eishockey wurde auch gespielt, und das nicht einmal schlecht, obgleich die Russen mit dem aus der "Versenkung" geholten Viktor Tichonow, analog der WM 2000 im eigenen Land, erneut das Viertelfinale verpassten. Nichts mehr zu erben gab es ab dem Halbfinale für die Slowaken, die mit 1:2 den Kanadiern unterlagen und im Bronzespiel den USA mit 0:1 nach Penaltyschießen den Vortritt lassen und die Medaillen überlassen mussten. Erneut war Roach der Schütze des entscheidenden Penalties. In der Neuauflage des letztjährigen Endspiels gewannen wieder die Kanadier, nachdem die Schweden (3:2-Sieger in der Vorschlussrunde gegen die USA) bereits nach 7;34 Minuten mit 2:0 und nach 24;57 Minuten mit 3:1 in Führung lagen. Doch die Männer mit den Ahornblättern auf den Jerseys kannten kein Aufgeben und schossen Tor um Tor gegen die unverständlicherweise total nachlassenden Skandinavier. 5:3 hieß es am Ende für den alten und neuen Weltmeister.

Das All-Star-Team ist Ihnen, lieber Leser, sicherlich noch in bester Erinnerung. Lundqvist (SWE); Chara (SVK), Tärnström (SWE); Heatley (CAN), Peltonen (FIN), Jagr (CZE).

Absteiger waren die Japaner, für die kein "Freifahrtschein" mehr ausgestellt wird, sowie der enttäuschende Aufsteiger Frankreich. Kasachstan schaffte souverän den Klassenerhalt. Was blieb, ist der seit der WM 1987 in Wien gültige Rekord, dass der Gastgeber nie den Titel erringt. Das letzte Mal schaffte es die sowjetische Sbornaja 1986 im Moskauer Luschniki-Park. Einen neuen WM-Zuschauerrekord gab es trotzdem: Insgesamt wurden 552.097 Karten verkauft.

Die deutsche Mannschaft überzeugte diesmal in so gut wie keinem Match. Da half auch alles Schönreden von Bundestrainer Hans Zach nicht. Einem müden 4:2 in der Vorrunde gegen Aufsteiger Kasachstan ließen die Adlerträger ein mageres 1:1 gegen Lettland und ein deutliches 1:5 gegen die Gastgeber folgen. In der Qualifikationsrunde wurde es nicht besser. Gegen die ängstlichen Österreicher langte es zu einem 3:1. Kanada spielte beim 6:1 mit Ustorf & Co. Katz und Maus; anschließend bedeutete das 0:1 gegen Schicksalsgegner Schweiz die frühzeitige Abreise. In die dünne Scorerliste trugen sich ein: Jochen Hecht und Daniel Kreutzer je 3 Punkte, Jan Benda, Stefan Ustorf, Andreas Morczinietz, Martin Reichel, Tobias Abstreiter und Tino Boos je 2, Eduard Lewandowski, Klaus Kathan und Andreas Renz je 1. Mit dabei waren noch Heiko Smazal, Erich Goldmann, Christoph Ullmann, Thomas Greilinger, Jochen Molling, Robert Leask, Mirko Lüdemann, Tomas Martinec, Daniel Kunce, Boris Blank und Stephan Retzer. Das Tor hüteten Olaf Kölzig und Robert Müller, während Oliver Jonas nicht zum Einsatz kam. Aus deutscher Sicht blieb außerdem festzuhalten, dass der 37-jährige Hauptschiedsrichter Richard Schütz als Debütant sechs Partien zugeteilt bekam. Im Vergleich zu seinem Vorgänger Willi Schimm, der mit ganz wenigen Spielen jeweils abgespeist wurde, war dies wenigstens ein Aufstieg.

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Hier endet der kleine Streifzug durch die Weltturniere der letzten 29 Jahre, von denen ich die meisten besuchen durfte. Ich hoffe nur, dass Ihnen, lieber Leser, trotz der Sauregurkenzeit ein bisschen Fluidum aus der großen Eishockey-Welt vermittelt wurde. Ihr Werner Nieleck.

Spielplan Deutschlandcup