Wer wird´s?

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Die gestrige Meldung traf das komplette Umfeld unvorbereitet: Der von vielen Seiten angegriffene und längst nicht mehr unumstrittene Bundestrainer Greg Poss tritt beim krisengeschüttelten DEL-Rekordmeister Adler Mannheim einen Job als Chefcoach an und wird somit Nachfolger des geschassten Stéphane Richer.

Damit hat sich das „Problem Poss“ selbst gelöst. Generalsekretär Franz Reindl, ohnehin nicht gerade ein Busenfreund des US-Amerikaners, wird im stillen Kämmerlein ein Grinsen wohl kaum unterdrückt haben, war er doch von Anfang an, höflich ausgedrückt, kein Befürworter des in New Orleans Geborenen bei dessen Installation ins Amt des Bundestrainers.

Verloren hat bei dieser Personalie eigentlich nur einer: DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken, der in Nibelungentreue zu dem von vielen Seiten „Angeschossenen“ hielt und Poss trotz dessen unübersehbarer Misserfolge bis mindestens Saisonende behalten wollte. „Ich habe nicht einmal über die Trainerfrage nachgedacht“, erklärte Esken noch während der letzten, für Deutschland katastrophal verlaufenen WM naiv entwaffnend, als alle Welt mit der Entlassung Poss´ rechnete. Jetzt wird sich der Justitiar aus dem idyllischen Schwerte (Sauerland), der nie als Vorstandsmitglied eines Vereins in Erscheinung trat, mit seinen Getreuen wohl oder übel nach einem Nachfolger umsehen müssen.

Bleibt zunächst die Frage: Wird es einen neuen Cheftrainer geben, oder wird aus dem Trium- ein Duumvirat, wie es vor gut sieben Jahren zunächst auch Hans Zach und Ernst Höfner praktizierten? Werden Uwe Krupp und Klaus Merk die volle Verantwortung übernehmen? Dafür spricht, dass ein Wohnsitz in Nordamerika wohl kein Hindernis mehr ist, dass Amt eines Bundestrainers zu übernehmen. König Fußball macht es vor, so unsinnig es auch für viele ist. Warum das zeitraubende Beobachten praktizieren, wo der zu Observierende doch nur, bildlich gesprochen, einen Mausklick entfernt ist? Dagegen spricht, dass sowohl der gebürtige Kölner als auch der gebürtige Augsburger nie bei einem Seniorenteam verantwortlich an der Bande standen.

Und wer bietet sich als „Chef von´t Janze“ an? Sicherlich muss er die deutsche Sprache mehr oder weniger beherrschen und die DEL kennen.

Aus diesem Grunde sehe ich vier Kandidaten, als da sind:

a) Alt-Bundestrainer Hans Zach; Der Bad Tölzer hat seine Sache als Bundestrainer unter dem Strich gut gemacht. Jedoch sind viele der Meinung, dass die Differenzen zwischen Zach und einigen DEB-Verantwortlichen nach Zachs Rücktritt zu groß geworden sind. Außerdem gibt es eine Regel, dass man „old Boys“ nicht wieder zurückholen solle. In der DEB-Geschichte gab es einen vergleichbaren Fall schon einmal, und zwar Anfang der achtziger Jahre. Da feierte Xaver Unsinn nach vier Jahren Abstinenz (zwischenzeitlich war Hans Rampf Bundestrainer) ein Comeback.

b) Ron Kennedy; Der 52-jährige Chefcoach von DEL-Tabellenführer ERC Ingolstadt hat mit einigem Erfolg bereits einen Job als Bundestrainer versehen. An der Bande Österreichs hielt er die Rot-Weiß-Roten sechs Jahre lang in der A-Gruppe. Seine Kenntnisse des europäischen Eishockeys sind exzellent, versieht er doch schon seit Jahren erfolgreich seine Tätigkeit, und zwar zunächst beim EC Hannover, den Eisbären Berlin und derzeit in Oberbayern.

c) Pierre Pagé; Auch der derzeitige „Bandenchef“ der Eisbären Berlin hat sich schon einige Meriten erworben. Dass er mit jungen Leuten arbeiten kann, beweist er vor allen Dingen in dieser Saison, wo die Hauptstädter sich erst spät dazu durchrangen, sich mit „Importen“ zu versehen. Lange Zeit hielt der 57-jährige Franko-Kanadier (dessen Eltern übrigens kein Wort Englisch sprechen) in dieser Saison eine „verstärkte Juniorentruppe“ auf Play-off-Kurs. Seit Januar 2002 ist Pierre Pagé Chefcoach im Wellblechpalast.

d) Dieter Hegen; Aus seinen Ambitionen hat der gebürtige Kaufbeurer nie einen Hehl gemacht. Aus dem mehr als wackligen Trainerstuhl in Duisburg machte der ehemalige Weltklassestürmer ein bequemes Sitzmöbel. Der 43-Jährige verlängerte erst in dieser Woche die Gültigkeit seines Engagements beim DEL-Neuling. Sein Verhältnis zum DEB, besonders zu Franz Reindl, gilt zwar nicht als das allerbeste, aber immerhin hat der Allgäuer bewiesen, dass er auch an der Bande mit Erfolg seinen Mann zu stehen weiß.

Werner Nieleck

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