„Weiter so“ ist keine AlternativeKommentar

(Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de)(Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de)
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Wenn man sich einmal löst vom Debakel von Bietigheim, von der ersten Nicht-Qualifikation für das olympische Männer-Eishockey-Turnier überhaupt, von all dem Unbill, der diesem Mann schon lange entgegenschlägt – und jetzt erst recht – da mag es verständlich sein, dass sich der Präsident eines der nicht ganz unbedeutenden nationalen Einzelsportverbände in Dinge wie verpasste Torchancen verliert, wenn er auf das Warum des Scheiterns angesprochen wird. Dass er einfach so, ohne sich – zumindest im öffentlich Wahrnehmbaren – zu hinterfragen, einen Rücktritt kategorisch ausschließt.

Uwe Harnos sagte, er würde sich mit konkreten Vorwürfen auseinandersetzen, verwies aber immer auf Gremienentscheidungen in allen entscheidenden Dingen.

Nun, listen wir einmal auf, was im deutschen Eishockey so los ist:

1. Die Nationalmannschaft:

Keine Frage, die WM 2010 im eigenen Land war außerordentlich. Das Halbfinale, am Ende Platz vier. Diese Platzierung war selbst zu Zeiten einer Acht-Mannschaften-WM, als die Sowjetunion noch nicht zerbrochen war, als es noch die Tschechoslowakei gab, deren staatliches Ende nebenbei auch viele starke Eishockeyteams für das WM-Feld hervorbrachte, utopisch. Dennoch aber sollte das deutsche Eishockey ernsthaft in der Lage sein, um das Viertelfinale mitspielen zu können. Dass selbst das kein Selbstläufer sein kann, ist nüchtern betrachtet keine Überraschung. Die vergangene WM war allerdings abenteuerlich. Vom achten Platz der Weltrangliste stürzte Deutschland auf Rang zehn ab und vergab so die direkte Olympia-Qualifikation. Dem Ganzen ging eine Bundestrainersuche voraus, aus der hervorging, dass man gerne Ralph Krueger gehabt hätte, aber „nur“ seinen Schweizer Ex-Assistenten Jakob Kölliker bekam. Viele fragten sich: Ist er ein Platzhalter für Krueger? Dazu schien es zwischen „Köbi“ und dem Team überhaupt nicht zu stimmen. Eine der Folgen war das beispiellos desaströse 4:12 gegen Norwegen. Danach ging die Bundestrainersuche von vorne los, die sich wochen- und monatelang hinzog. Am Ende fiel die Wahl auf Pat Cortina, der nun im Qualifikationsturnier gescheitert ist. Cortina ist übrigens (noch) Münchner Trainer. Bei Uwe Krupp war eine Doppelbelastung noch ausgeschlossen worden. So etwas ginge nicht. Seit wann, fragt man sich. Hans Zach hat jahrelang einen Club und das DEB-Team betreut. Zudem ist Franz Reindl nicht mehr Sportdirektor des DEB. Auch hier darf man sich fragen: Warum eigentlich?

2. Das Verhältnis zur 2. Bundesliga:

Hier wird es für die Beteiligten emotional. Die Zweitligisten fühlen sich verraten, weil Harnos einen Kooperationsvertrag mit der DEL abgeschlossen hat, ohne den direkten Auf- und Abstieg durchzusetzen. Hier wird es aber, wenn man fair bleiben will, knifflig. In Aussicht stand – wie übrigens schon 2007 – eine Verzahnung zwischen DEL und 2. Bundesliga per Relegation. Natürlich sprechen wir zwischen Erst- und Zweitligisten, was das Budget und auch die Zahl der Ausländer angeht, von unterschiedlichen Voraussetzungen, aber es hätte ein Schritt (!) zu einem Direkt-Auf- und Abstieg werden können. Die Relegation lehnten die Zweitligisten wie 2007 ab. Hat Harnos die Zweitligisten verraten? Der Kooperationsvertrag war unumgänglich, denn als nationaler Spitzenverband in die Not zu geraten, die höchste Spielklasse zu einer wilden Liga zu erklären und die Nationalmannschaft damit in ihrem Bestand zu gefährden, hätte den Super-GAU bedeutet. Denn schon ohne eines solchen unerhörten Vorgangs ist der Ruf der Sportart Eishockey in Deutschland außerhalb des Eishockey-Kosmos nicht der beste. Was aber festzuhalten bleibt: Harnos und seine Verhandlungspartner in den Verbänden und Ligen haben keinen Kompromiss auf den Weg gebracht, der für alle Seiten tragbar ist. Ist das einzig und allein Harnos‘ Schuld? Nein, aber er ist nun einmal der Präsident.

3. Die Ligenstruktur

Die viergliedrige Oberliga war der richtige Schritt. Dennoch bleiben die Sorgen der dritten Spielklasse. Es ist eine ausgeglichene Liga notwendig, die auf diesem Level natürlich nicht eingleisig sein kann, die es einerseits einem Absteiger aus der 2. Bundesliga ermöglicht, auf sportlich angemessenem Niveau auch wirtschaftlich weiter zu existieren und es den „Kleinen“ ermöglicht, mitzuspielen, ohne sich wirtschaftlich zu übernehmen. Unwichtig ist das nicht, sondern das genaue Gegenteil. Ohne Basis geht gar nichts. Und die Oberliga als Schnittstelle zur professionellen 2. Bundesliga sowie zu den Landesverbänden ist ungeheuer wichtig.

Alles in allem sprechen wir von einem Debakel in Sachen Nationalmannschaft, einem Debakel im von vielen Fans geforderten Auf- und Abstieg zwischen DEL und 2. Bundesliga, einem drohenden Debakel in der folgenden Ligenstruktur. Die Bestandsaufnahme könnte freilich besser sein. Dabei ist eine Sache noch gar nicht angesprochen: Die Nachwuchsförderung. Aber wie soll die funktionieren, wenn alles andere im Argen liegt? Was der Blick auf das deutsche Eishockey vermissen lässt, ist ein durchgängiges Konzept, das sich den Fragen von übermorgen stellt? Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Fragen von heute nicht gelöst sind. Und das Schlimmste ist: Das Vertrauen in die handelnden Personen schwindet immer mehr.

Dass laut Aussage von Uwe Harnos keine Fördermittel durch das Bundesinnenministerium wegbrechen – zumindest nicht vor 2014 – ist da kaum ein Trost. Und wahrscheinlich muss man dafür den DEB-Frauen danken, die sich qualifiziert haben, obwohl sie mehr als nur ein Schattendasein führen.

All das, führt das zu einer Rücktrittsforderung? Gegen Uwe Harnos? Oder gar auch den Bundestrainer? Nun, das alles sollte zumindest dazu führen, dass man öffentlich etwas Demut zeigt, Fehler eingesteht, die über das Verpassen einer Torchance hinausgehen. Ein einfaches „Weiter so!“ ist fehl am Platz.


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