Uwe Krupp im Hockeyweb Interview - Teil 1

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Bundestrainer Uwe Krupp soll die deutsche Nationalmannschaft Ende April als Sieger bei der B-WM in Amiens (Frankreich) wieder in die A-Gruppe der Weltmeisterschaft führen. In dieser Woche stehen ein Trainingslager in Straubing und wichtige Tests gegen die Schweiz an. Hockeyweb hat im ersten Teil eines ausführlichen Interviews mit dem Bundestrainer eine Momentaufnahme gemacht.



Hockeyweb:

Herr Krupp, für die DEB-Auswahl hat die heiße Phase der Vorbereitung auf die B-WM in Amiens begonnen. Wo steht die Mannschaft im Moment?



Uwe Krupp:

Wir haben eine junge ehrgeizige Mannschaft mit vielen Spielern, die sich in der regulären Saison und in den Play-offs bis zum Ausscheiden durch gute Leistungen für die Nationalmannschaft empfohlen haben. Ungarn war in der letzten Woche ein unangenehmer Testgegner, den wir schlagen mussten und auch schlagen wollten. Wir hätten beide Spiele auch verlieren können, haben aber unseren Weg gefunden. Wir waren überlegen, wir hatten mehr vom Spiel und mehr Torschüsse. Statistiken helfen uns aber nicht viel. Jetzt stehen in Straubing (Donnerstag; 18:30 Uhr) und Landshut (Samstag; 14:30 Uhr) die nächsten Tests gegen die Schweiz bevor. Diese Spiele sind schon aufschlussreich und wichtig für uns. Da sehen wir, wie unsere Spieler reagieren können auf die Laufqualität und die Schnelligkeit, die die Schweiz hat, und wie unsere aktuelle Mannschaft mit dem Kaliber der Schweizer mithalten kann. Auch Österreich ist danach eine Mannschaft, die unter Jim Boni noch nicht verloren hat und die im Moment sehr stark und selbstbewusst ist. Diese vier Spiele sind sehr wichtig, um zu sehen, welche der Spieler sich auf diesem Level durchsetzen können.



Hockeyweb:

Wie sehen Sie die Chancen in den unmittelbar anstehenden Spielen?



Uwe Krupp:

Ich bin zuversichtlich. Ich weiß, dass wir immer damit rechnen können, dass unsere Mannschaft kämpft. Das ist eine gute Ausgangsbasis.



Hockeyweb:

Seit Dienstag haben sie die Mannschaft zu einem Trainingslager in Straubing versammelt. Wie sind Ihre Eindrücke in und von der Gäubodenstadt?



Uwe Krupp:

Das Trainingslager in Straubing bietet ideale Bedingungen. Das Hotel ist super, die Halle und die Kabinen sind ordentlich. Man kann sehen, dass hier in den letzten Jahren viel gearbeitet worden ist. Es wurde saniert und modernisiert. Die Entwicklung des Eishockeys in Straubing ist sehr positiv. Jeder achtet auch gerade darauf, was mit den Straubing Tigers im Zweitliga-Finale passiert. Darüber wird gesprochen. Es freut mich für die Stadt Straubing, die in den letzten Jahren zum Eishockey gestanden hat, dass mit der Unterstützung jetzt auch der sportliche Erfolg kommt.



Hockeyweb:

Sie sind mit dem aktuellen Kader nun schon ein paar Tage zusammen. Konnten Sie bereits spezielle Eindrücke von einzelnen Spielern gewinnen? Können Sie auch zu jungen Spielern, die bereit zu sein scheinen, ins kalte Wasser geworfen zu werden, etwas sagen?



Uwe Krupp:

Es gibt schon einige, die sich empfohlen haben. Eine Überraschung ist Felix Schütz, der in Nordamerika in einer Nachwuchsmannschaft gespielt hat und gezeigt hat, dass er durchaus in der Lage ist, trotz der Umstellung, jetzt gegen Männer und nicht nur gegen Jungs in seinem Alter anzutreten, auf diesem Niveau mitzuspielen. Er hat sich gut geschlagen. Ob er am Ende ein Spieler ist, den wir mit nach Frankreich nehmen, ist eine andere Sache. Auch Martin Ancicka, der aus Regensburg in der 2. Bundesliga kam, hat gut gespielt. Er konnte sich innerhalb kürzester Zeit auf das erhöhte Tempo in den Ungarn-Spielen umstellen. Der nächste Schritt für diese Spieler ist nun aber die Serie gegen die Schweiz.



Hockeyweb:

Die Spieler aus Köln, Düsseldorf und Berlin stehen Ihnen noch nicht zur Verfügung. Wie sehr ist das für Sie ein Problem?



Uwe Krupp:

Das ist nicht ideal. Wir würden natürlich gerne alle Spieler so schnell wie möglich zusammen haben. Das sind aber die Bedingungen, mit denen wir leben müssen. Allerdings war die Mehrzahl der Nationalspieler in diesen Vereinen schon mit uns bei den Olympischen Spielen in Turin und kennt unser System. Ich glaube, dass deren Umstellung vom Spiel im Verein zu unserem System relativ schnell vonstatten geht.



Hockeyweb:

Gibt es bei den Spielern von Köln, Düsseldorf oder Berlin noch Fragezeichen oder Wackelkandidaten?



Uwe Krupp:

Im Sinne von Verletzungen gibt es keine Fragezeichen. Die Spieler, die wir mit in Turin hatten, sind alle gesund im Moment. Aber Spieler, die jetzt schon im Kader stehen, haben die Chance, sich in die Mannschaft reinzuspielen, so dass durchaus möglich ist, dass der Kader am Ende etwas anders aussieht als noch bei Olympia und auch Spieler von diesen Clubs rausfallen.



Hockeyweb:

Wo liegen derzeit die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Worauf legen Sie besonderen Wert?



Uwe Krupp:

Es sind momentan nicht so viele Spieler dabei, mit denen wir schon bei den Olympischen Spielen oder in der Vorbereitung auf Turin gearbeitet haben. Deshalb beschäftigen wir uns mit Über- und Unterzahl und dem Spielsystem. Dieses besteht eher aus Konzepten mit Laufwegen und Grundideen. Das ist schon anders als das, was die Spieler im Verein spielen. Deshalb dauert es die ein oder andere Trainingseinheit und das ein oder andere Spiel, bis alles so läuft, wie man sich das vorstellt.



Hockeyweb:

Im Hinblick auf die B-WM sind Sie auch mit den deutschen NHL-Spielern in Kontakt. Was ist momentan der aktuelle Stand?



Uwe Krupp:

Marco Sturm kommt zu uns, wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert. Mit Dennis Seidenberg sind wir in Kontakt. Ich bin auch bei ihm optimistisch, dass er zu uns stößt.



Hockeyweb:

Zwei Personalien sind zuletzt wieder in die Diskussion gekommen. Zum einen Verteidiger Mirko Lüdemann, der aber nun doch für die B-WM und damit auch für ein Comeback im Nationalteam abgesagt hat…



Uwe Krupp:

Mirko war nach der Niederlage gegen Düsseldorf einfach richtig down, auch nach der Art und Weise, wie die Kölner verloren haben. Er hat abgesagt. Er will nicht zur Verfügung stehen, dem können wir nicht hinterher jammern. Wir haben Spieler, die gerne hier sind und die gerne hier sein wollen, um mit uns zu arbeiten. Und das werden wir tun.



Hockeyweb:

Der andere Spieler, über den nach seiner Nicht-Berücksichtigung in Turin immer wieder geredet wird, ist Jan Benda. Gab es nach Olympia noch Kontakte, auch von seiner Seite aus?



Uwe Krupp:

Nein, ich kann nicht sagen, dass es noch einmal Kontakte gab. Jan ist ein bewährter Spieler, der jahrelang in der Nationalmannschaft in der ein oder anderen Rolle erfolgreich war. Jetzt im Moment ist aber die Zeit da für eine neue Generation von Spielern, auf die wir bauen müssen. Erfolg oder Misserfolg, über kurz oder lang können wir uns nicht mehr auf einen Jan Benda oder einen Olaf Kölzig für die nächsten zehn Jahre verlassen. Es ist nicht jeder Spieler bereit, das so zu akzeptieren. Aber es wird auch einmal für einen jungen Spieler Zeit, die Chance, in der Nationalmannschaft zu spielen, zu bekommen. Wir haben jetzt in der Vorbereitung auf Spieler gesetzt, die sich in der DEL bewährt und sich ihre Chance verdient haben. Das ist eine natürliche Wende.



Interview: Christian Fuchs



Lesen Sie am Freitag den zweiten Teil des Hockeyweb-Interviews mit Uwe Krupp, in dem der Bundestrainer die Brücke von den Olympischen Spielen in Turin zur B-WM in Amiens schlägt, sich mit der Mentalität in der deutschen Eishockeyszene beschäftigt und sich auch zu den Vergleichen mit seinem Fußballkollegen Jürgen Klinsmann äußert.