Manuel Wiederer: „Kein Spieler hat das gespielt, was er kann“Nach der U20-WM

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Zunächst entschuldigt sich Manuel Wiederer, dass es gegen Ende des Turniers keinen Blogbeitrag von ihm mehr gab. „Tut mir echt leid, aber es war einfach sehr stressig und kaum noch Zeit.“ Dafür haben wir natürlich Verständnis, denn viel wichtiger als ein Blog ist die Vorberatung und Konzentration auf die Spiele.

Am Ende war die Stimmung im Team natürlich am Boden, doch Wiederer nimmt auch die guten Dinge mit: „Na ja, es war natürlich sehr frustrierend, jeder war total am Boden. Vor allem die jungen Spieler, also der 96er-Jahrgang, weil der nächstes Jahr jetzt nicht A-WM spielen kann. Der 95er-Jahrgang hat sich bei uns allen entschuldigt. Es ist einfach schade. Ich muss froh sein, dass ich so eine A-WM schon miterleben durfte, das ist einfach eine Wahnsinnserfahrung, weil es vielleicht außer Olympia kein besseres Turnier gibt. Trotz allem war es ein Wahnsinnserlebnis.“

Richtig groß sind in Kanada die Stadien und die Stimmung. Im TV wurde umfassend auf Kanadas führendem Sportsender TSN berichtet und würde man es nicht wissen, könnte man es vielleicht für eine Senioren-WM halten. Der Stellenwert ist mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen. „In Kanada ist es der Wahnsinn, wenn da über 20.000 Leute zuschauen, das ist schon brutal. Da ist richtig gute Stimmung, vor allem im Spiel gegen Kanada. Das war eigentlich unser bestes Spiel, es war einfach super vor so vielen Leuten zu spielen.“

Das Problem der deutschen „Young Guns“ war jedoch, dass man kaum zu Schüssen kam. „Das hat einfach schon hinten angefangen, wir sind nie richtig raus gekommen und haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Wenn du nicht raus kommst, hast du auch nicht so viele Chancen. Wir haben einfach nicht das gespielt, was wir uns vorgenommen haben. Letztendlich muss ich aber sagen, dass wir uns nicht beschweren können, dass wir abgestiegen sind.“

In vielen deutschen Medien steht, wieder einmal, Pat Cortina im Mittelpunkt der Kritik. Wiederer kann das so nicht akzeptieren und bricht eine Lanze für das ganze Betreuerteam: „Ich denke nicht, dass es am Trainer gelegen hat. Wir haben vor jedem Spiel Videos geschaut. Und wenn der Coach uns sagt, dass die Schweiz jedes Mal mit einem hohen Mann spielt und die schießen so vier Tore gegen uns, dann bist du als Trainer eigentlich machtlos.“ Auch an der Vorbereitung lag es nicht: „Wir haben uns wirklich gut vorbereitet, der ganze Stab war top, wir hatten viele Leute dabei gehabt. Aber ich glaube, es hat kein Spieler das gespielt, was er eigentlich kann.“

Zu allem Überfluss kämpfte das Team mit Verletzungen. Der fix geplante Stefan Loibl musste nach den Vorbereitungsspielen wieder abreisen, da sich eine Unterkieferverletzung entzündet hat. Auch Wiederer musste ein Spiel komplett unfreiwillig passen. „Für Stefan war es natürlich brutal schade, weil er gar nicht mitspielen konnte. Bei mir war es auch ärgerlich, weil ich die Verletzung hatte und gegen die USA gar nicht spielen konnte und danach auch nicht mehr so viel gespielt habe, weil ich einfach noch gehemmt war. Für Stefan tut es mir aber richtig leid.“ Loibl spielt inzwischen wieder, vorsichtshalber jedoch mit Gitter.

Für nächstes Jahr kennt Wiederer aber nur ein Ziel: „Nächstes Jahr müssen wir das Beste daraus machen, dass dann die 97er wieder bei der A-WM sind. Direkter Wiederaufstieg ist auf jeden Fall das Ziel. Das ist aber nicht leicht, denn Mannschaften wie Lettland oder Norwegen sind sicher mindestens genauso talentiert wie Deutschland, aber wir werden alles daran setzten.“ Die Gegner in der Division IA, in die man nun abgestiegen ist, lauten dann Norwegen, Lettland, Italien, Österreich und der Aufsteiger aus der Division IB, Kasachstan.