Sprecht Euch aus!

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Die Nachricht schlug gestern wie eine mittlere Bombe ein! Der Kölner Star-Verteidiger Mirko

Lüdemann steht nicht mehr für die Nationalmannschaft zur Verfügung. Wenn man einigen Medien

Glauben schenkt, hat Bundestrainer Greg Poss Lüdemanns verletzungsbedingte Abmeldung als

mangelnde Einstellung klassifiziert. Lüdemann hat laut der Kölner Tageszeitung “Express” das

Poss´sche Werturteil als “Kinderparty” und die Beendigung seiner internationalen Laufbahn als

“unwiderruflich” bezeichnet.

Man mag den beiden Streithähnen zurufen: “Nun haltet ´mal die Scheibe flach (sonst gibt es ja

ohnehin zwei Strafminuten wegen Spielverzögerung) und geht wieder aufeinander zu!” Aber Spaß

beiseite: Schon im nationalen Interesse hätte ein Auftreten der Adlerträger ohne den gebürtigen

Lausitzer mit der schon fast legendären Rückennummer zwölf negative Folgen.

Der 31-jährige Lüdemann nimmt, das weiß jeder, gern einmal eine “Auszeit” bei Turnieren, in denen

es mehr oder weniger um nichts geht. Umso motivierter ist der Defender dann an der Scheibe, wenn

zum Beispiel die Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele anstehen. Ein gutes Beispiel ist die

Olympia-Vorqualifikation in Sloweniens Hauptstadt Laibach gewesen, als es just Lüdemann war, der

mit seinem Treffer zum 2:1 acht Sekunden vor Schluss gegen Italien es Deutschland überhaupt erst

ermöglichte, nach Oslo zum endgültigen Qualifikationsturnier zu fliegen, um dort die Flugscheine

nach Salt Lake City zu lösen. Dass auf der anderen Seite Lüdemann im Umgang mit

Medienvertretern, höflich gesagt, nicht gerade “everybody´s darling” ist, dürfte ebenfalls unbestritten

sein. Hans Zach hat die diversen Absagen des Mannes, der in Weißwasser das Rüstzeug für den

Eishockeysport bekam, stillschweigend akzeptiert, wie er auch Thomas Brandls Rückzug vom

Nationalteam akzeptierte bzw. akzeptieren musste. Nur, im Gegensatz zu Lüdemann hat Brandl nie

Herausragendes für den DEB geleistet.

Der neue Bundestrainer hat sicherlich mit viel Verve, eigenen Vorstellungen und einer Vision sein

Amt angetreten. Dass er mit internationalen Gepflogenheiten, auf die ihn beispielsweise ein Journalist

während des Deutschland-Cup in Hannover hinwies (was er übrigens dankbar akzeptierte), (noch)

nicht so vertraut ist, dürfte ganz normal sein. Und den Umgang mit seinen Schützlingen sollte der

gebürtige Südstaatler auch ein bisschen lockerer nehmen, zumal er um Lüdemanns Qualitäten

sicherlich weiß und sie nicht im “Eishockey-Vorzeigeland” Magyarország ausprobieren muss. Der

vor Jahren bereits verstorbene Ex-Bundestrainer Hans Rampf reagierte mit Wut (etliche Ex-Akteure

können jetzt noch ein Liedchen davon singen) auf Absagen und kappte den Draht zu den Spielern.

Diese Zeiten wollen wir nicht mehr haben.

So, und jetzt räumt die Sache unter Männern aus und ärgert die Leid geprüften Fans nicht noch

mehr!