Notizen aus Prag (3)

Notizen aus Prag (49)Notizen aus Prag (49)
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Da fehlte tatsächlich nicht viel, und es wäre beinahe zu einem Eklat bei der

für heute angesetzten Pressekonferenz mit dem IIHF-Präsidenten René Fasel

gekommen. Wie bekannt, können Tickets nur im Paket gekauft werden. Diese

wurden offensichtlich in Deutschland gar nicht erst angeboten, obwohl

entsprechende Nachfragen vorlagen. Eine Frage bezüglich dieses allseits

bekannten Problems kanzelte Karel Gut, Chef des Exekutiv-Komitees, mit dem

bezeichnenden Satz “In erster Linie wollen wir gutes Eishockey für die

tschechischen Fans zeigen.” ab Das war Fasel dann doch ein wenig des

Schlechten zuviel. Um Schadensbegrenzung bemüht, entschuldigte er sich und

betonte, dass alles getan werde, um der Probleme Herr zu werden. Auf die

Frage eines deutschen Rundfunk-Journalisten, wie er sich das vorstelle,

antwortete Fasel allen Ernstes: “Ich hoffe, dass die tschechischen Fans den

Weg zur Halle finden und dort die Karten entweder verschenken oder

verkaufen.” Übrigens, man tat laut entsprechender Aussage des

Organisations-Komitees alles, um den Schwarzmarkt zu unterbinden. Wer das

noch versteht, hat selbst Schuld...

Übrigens, mit Jan Benda tritt nicht nur ein Akteur bei dieser WM auf, der

Einsätze in der Nachwuchsabteilung eines deutschen Vereins absolvierte und

jetzt in Russland spielt. Auch Herberts Vasiljevs, Sohn des in der

KEV-Organisation beschäftigten Haralds Vasiljevs, verdient seine Brötchen

ebenfalls bei Mütterchen Russland. Der nunmehr 27-Jährige, der lange Jahre

als Youngster in Dortmund auftrumpfte, stand in 35 Partien beim russischen

Erstligisten Chabarowsk auf dem Eis. “Die sechs Tore, die ich erzielte,

hören sich wenig an, aber in Russland gehen viele Matches mit 1:1 oder 2:1

aus.” Schlimm sind die Flüge nach Moskau. “Die dauern rund acht Stunden, was

nicht weiter schlimm ist. Aber der Zeitunterschied beträgt ebenfalls acht

Stunden. Wenn du nach Moskau fliegst, wird der Tag lang und länger, und wenn

du zurückkommst, hast du eine Nacht glatt unterschlagen. Das ist furchtbar”,

erklärt Vasiljevs jun. in nach wie vor fließendem Deutsch. Gegen Jan Benda

trat er zweimal an. “Ich wundere mich, dass Jan in der Nationalmannschaft

Verteidiger spielt.” Für das morgige Spiel wollte er keinen Tipp abgeben.

Selbstverständlich verfolgte der Ex-Dortmunder und -Krefelder die DEL, und

dort vor allem den Misserfolg der Krefeld Pinguine. “Sie hatten eine

Mannschaft, die nach der Papierform ins Halbfinale hätte vorstoßen müssen”,

wunderte sich der Center, der nach wie vor an einem Job im Rheinland

interessiert ist. “In Russland ist das Geld vorhanden, aber...” lässt der

sympathische Bursche mit dem hellen und lauten Lachen den Satz unvollendet

ausklingen.