Neues DEB-Präsidium steht - Marc Hindelang dabeiViel Arbeit für die neue Führung des Deutschen Eishockey-Bundes

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Nach der überzeugenden Wahl von Franz Reindl zum DEB-Präsidenten stellte sich Daniel Hopp einer Kampfabstimmung gegen Rudolf Kuhn, die Hopp mit 67% gewann. Darauf trat Manuel Hüttl gar nicht mehr an, und Berthold Wipfler konnte mit 87% der Stimmen den dritten Posten im Präsidium einnehmen. Weiter wählte die Mitgliederversammlung den Sportjournalisten und ehemaligen Sky-Eishockey-Kommentator Marc Hindelang, Präsident des EV Lindau, als Vertreter der Landesverbände.

Die Bombe ließ Uwe Harnos bereits vor dem Beginn der DEB-Mitgliederversammlung platzen. Auf Nachfrage von Hockeyweb erklärte der Mann, der seit 2008 Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes war, dass er nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren werde. Zu seinem Nachfolger wurde – dann erwartungsgemäß – Franz Reindl gewählt.

„Die letzten beiden Jahre haben viel Kraft gekostet. Dazu kommen die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit“, sagte Harnos später. „Mein Körper hat mir deutliche Warnsignale geschickt. Da sagte mir mein Arzt, dass ich entweder selbst den Stress reduzieren oder darauf warten könne, dass mein Körper den Stecker zieht.“ Diese Entscheidung habe er, so Harnos, am letzten Wochenende der WM in Minsk für sich getroffen. Wann er das seinem Vizepräsidenten Manuel Hüttl mitgeteilt hat, wollte Harnos aber nicht verraten.

Bevor es allerdings zur Wahl des neuen Präsidiums kam, standen die Finanzen des Verbandes im Mittelpunkt. Das Problem, das der DEB seit Jahren für sich herschiebt, ist der Umstand, dass nur die Ausrichtung von Weltmeisterschaften derzeit die Liquidität des Verbandes sichert. „Ohne die WM 2001 wäre der DEB insolvent gewesen“, erklärte Harnos.
Im Finanzbericht präsentierte DEB-Vizepräsident Manuel Hüttl die Zahlen der letzten Jahre und fand für das Jahr 2011 klare Worte. „Das war ein Horrorergebnis“, sagte er in der Versammlung. 650.000 Euro betrug damals das Jahresminus. Wie es zu diesem negativen Ausreißer kommen konnte? „Das habe ich bis heute nicht verstanden“, sagte Harnos auf Nachfrage. Der Jahresverlust in den folgenden Jahren wurde danach reduziert. Im Schnitt sind es 250.000 Euro im Jahr. „Für 2014 streben wir aber eine schwarze Null an“, sagte Harnos im Plenum als Folge von Einsparmaßnahmen. Später ergänzte er: „Es ist ja keiner so verrückt und kalkuliert ein Jahresminus von 250.000 Euro ein.“

Ein großes Problem ist der sportliche Misserfolg der vergangenen  Jahre. Denn die Teilnahme an einem WM-Viertelfinale kann einen deutlichen Unterschied „von bis zu 400.000 Euro“, wohl aber mindestens 250.000 Euro machen. Das liegt an den Prämien, die der internationale Verband (IIHF) für die jeweiligen Platzierungen ausschüttet. „Zwischen den Plätzen fünf bis acht auf der einen und Platz neun auf der anderen Seite besteht ein großer Unterschied.“

Harnos betonte: „Der Verband hat keine Darlehensverpflichtungen gegenüber Kreditinstituten.“
Optimistisch gibt sich Harnos für die Zukunft der Förderung durch das Bundesministerium des Inneren (BMI). „Es ist noch keine Entscheidung gefallen, aber aus den Gesprächen habe ich herausgehört, dass die Förderung in den nächsten vier Jahren im bisherigen Rahmen weitergeführt wird.“

Schon während der Diskussion um den Ist-Zustand der DEB-Finanzen hatte Berthold Wipfler, der zu diesem Zeitpunkt designierte Vizepräsident für die Finanzen, gefordert, die Entlastung des Vorstandes zumindest für die Zeit nach 2012 zurückzustellen, weil keine vollständige Bilanz für die jüngste Zeit vorlag. Da auch der Landesverband NRW noch eine Forderung in Höhe von 300.000 Euro geltend machen kann (WM 2010, zustehende Beteiligung) , die aber bis zur WM 2017 zurückgestellt worden sein soll, ist der genaue Ist-Zustand der DEB-Finanzen immer noch prekär. Zweimal wurde aus den Reihen der Mitglieder die Frage, nach den zusammengerechneten Verbindlichkeiten gestellt. Die Frage blieb allerdings unbeantwortet. Harnos erklärte aber, die Bilanzen Wipfler zuschicken zu wollen.  Und tatsächlich wurde die Entlastung des Vorstandes auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Auch seine bezahlte Tätigkeit als Rechtsberater des DEB kam zur Sprache. „Das wurde vom Bundesverwaltungsamt für die Jahre 2004 bis 2008 durch das Bundesverwaltungsamt geprüft“, so Harnos. Das umfasst also nur die Zeit, als er als Vizepräsident ehrenamtlich für den DEB tätig war. Ob sich die rechtliche Beurteilung geändert hat, als er die Führungsposition als Präsident übernommen hat, ist also noch nicht geklärt.