Auf dem Sprung in die DNLDie Erfolgsgeschichte der Young Freezers im HSV

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In der Jugend-Bundesliga Nord hat das Team gerade zwei wichtige Spiele gegen ihren wohl schwierigsten Gegner, den Tabellenzweiten Young Roosters Iserlohn, zu Hause mit 5:4 und 4:2 gewonnen und sind damit dem Aufstieg in die DNL um einen entscheidenden Schritt näher. Was macht diese Jugendmannschaft so erfolgreich? Hockeyweb im Gespräch mit Peter Hallwachs, seit zwei Jahren Leiter der Eishockey-Abteilung des HSV und Spielervater, Miroslav Ptacek, seit acht Jahren hauptamtlich als Trainer beim HSV und seit dieser Saison bei den Young Freezers sowie mit Kenneth Hallwachs, Spieler und Mannschaftskapitän.

Es heißt ja Hamburg Young Freezers im HSV, wie viel Freezers und wieviel HSV steckt dahinter?

Hallwachs: Die Spieler kommen aus dem Nachwuchs des Hamburger Sportvereins. Wir sind im Nachwuchsbereich eine Kooperation mit den Hamburg Freezers eingegangen, da die Freezers auch eine gewisse Nachwuchsarbeit nachweisen müssen, dazu sind sie verpflichtet und in der DEL wird dann gern nach einem Farmteam gesucht, dass diese Bestimmung dann erledigen kann. Diese Aufgabe erledigen wir gemeinschaftlich gerne mit den Freezers. Wir kommen sehr gut miteinander klar. Gerade mit dem Sportdirektor Stéphane Richer haben wir ein sehr gutes Verhältnis.

Ptacek: Die Spieler kommen aus Hamburg – bis auf zwei, die aus Litauen zu uns gekommen sind. Die anderen 18 stammen aus dem eigenen Nachwuchs.

Ab wann fängt man am besten an mit Eishockey und wie intensiv trainieren dann später die Mannschaften?

Hallwachs: Bei uns im Verein sind die Jüngsten drei Jahre. Also zwischen drei und sechs, vielleicht noch mit sieben, fangen die Jungs mit der Laufschule an, alles danach wird schon schwierig, um den Anschluss zu kriegen.

Ptacek: Drei- bis viermal pro Woche ist Training bei den Kleineren; bei den Großen ist es sechsmal pro Woche und dann kommen noch Spiele dazu. Ohne die Unterstützung der Eltern kann man das nicht machen.

Kenneth, du bist jetzt siebzehn und spielst seit elf Jahren Eishockey und gehst noch zur Schule. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes, nehme ich an.

Kenneth: Ja, ich gehe in die elfte Klasse, mache mein Abitur und habe das Glück, dreizehn Jahre Schule zu haben, so dass ich momentan noch Zeit für Eishockey und Schule habe. Viel Freizeit für andere Dinge neben Hockey und Schule bleibt nicht. Mein Bruder spielt auch und mein Vater arbeitet beim HSV Eishockey. Wir sind also alle ein wenig eishockeyverrückt und schauen auch immer zusammen Eishockey, wenn die Zeit es zulässt.

Es wurde eben schon gesagt: Ohne die Mitwirkung der Eltern funktioniert es nicht. Was kommt auf Eltern zu, deren Kind Eishockey spielen möchte?

Hallwachs: Es ist nicht zu vergleichen mit Handballspielen und Fußballspielen, es fängt schon damit an, dass die Auswärtsfahrten alle weiter sind: Hannover, Braunlage, Nordhorn. Also man muss schon bereit sein, weite Strecken zu fahren. Zwei Vereine haben wir außerdem hier in Hamburg, die Crocodiles und die Molots, aber ansonsten ist alles Minimum eine Stunde entfernt und man muss bereit sein, auch in den morgendlichen Stunden zu spielen. Das heißt, um sieben Uhr müssen die Jungs teils schon auf dem Eis sein, auch in Hannover oder auch mal in Nordhorn und dann heißt es mitten in der Nacht aufstehen, das Kind einpacken, hinten noch mal ins Auto legen, Decke mit nehmen und wirklich als Elternteil so verrückt sein und sein Wochenende auf der Autobahn zu verbringen. Nur das Kind hier abzuliefern, weil es Eishockey spielen möchte, reicht eben nicht. Die Eltern müssen mit Leib und Seele dabei sein, sonst wird das nichts. Man versucht natürlich auch  Fahrgemeinschaften zu bilden. Nachher im Leistungsbereich, der bei uns anfängt ab der Schüler-Bundesliga, im Jugend- und natürlich auch im Herrenbereich, wird natürlich in Reisebussen gefahren, weil dann auch Doppelspielwochenenden anstehen mit einer Übernachtung. Da gehen die Reisen dann auch schon mal weiter bis nach Frankfurt runter, Bad Nauheim, Berlin oder auch ins Ruhrgebiet und dann fahren schon die Kinder mit Trainer und Betreuern alleine ohne die Eltern.

Solche Erlebnisse schweißen ja auch eine Mannschaft zusammen. Herr Ptacek, letzte Saison sind die Young Freezers im HSV Meister der Niedersachsenliga geworden und  in die Jugend-Bundesliga aufgestiegen, das ist also die erste Saison in dieser Liga, wo sehen sie die Stärke ihrer Mannschaft?

Ptacek: Die Stärke ist unser Wille, unsere fleißige Arbeit, unser Teamgeist. Wir treten als Mannschaft an, wir kämpfen alle und geben nie auf.

Trainieren einzelne Spieler auch mal mit den Profis zusammen?

Ptacek: Nein, in der Regel nicht. Unser Goalie war vor 14 Tagen mal mit den Profis auf dem Eis. Die Profis haben aber auch einen vollen Kader und spielen momentan um den ersten Platz und nur, wenn mal jemand krank ist, dann bekommen wir die Chance, ein oder zwei Spieler mittrainieren zu lassen. Wenn man den Willen hat und ein Herz für Eishockey, dann erreicht man es, Profi zu werden. Wir haben fünf starke Spieler mit Goalie sechs. Die erste Reihe ist sehr stark, die könnten Profi werden. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber wenn die weiter so hart arbeiten und der Wille bleibt, dann könnten sie es schaffen.

Kenneth, was muss ein guter Mannschaftskapitän können oder welche Eigenschaften muss er mitbringen?

Kenneth: Er muss viel reden können. Manchmal haben Kollegen Phasen, in denen sie sich zurückziehen oder etwas geknickt sind, dann muss man auf sie zugehen und versuchen, sie zu motivieren. Manchmal muss man aber auch direkt die Meinung sagen und nicht schüchtern sein.

Also auch Lob und Kritik zur rechten Zeit ausüben?

Kenneth: Genau.

Wie entscheidend war jetzt der Sieg der Young Freezers gegen die Young Roosters für Euch in Bezug auf den Aufstieg in die DNL?

Ptacek: Iserlohn ist der stärkste Gegner und wenn wir gewinnen, dann schaffen wir den Aufstieg in die DNL und wenn wir verlieren, dann schaffen wir es nicht. Aber wir haben gewonnen und nun stehen uns noch drei Spiele bevor. Ich gehe aber davon aus, dass wir auch die gut spielen und dann sind wir durch. Es ist ganz einfach, wir müssen weiter so spielen, wie wir heute gespielt haben. Das ist eine große Motivation.

Also die erste Hürde wäre schon mal genommen. Was ist das nächste Ziel und was bringt die Zukunft?

Ptacek: Das nächstes Ziel ist, die nächsten drei Spiele zu gewinnen, Erster bleiben und dann im nächsten Jahr in der DNL zu spielen. Was nächstes Jahr passiert, schauen wir mal.

Hallwachs: Wir spielen noch zweimal in Kassel und noch einmal in Berlin, durchaus lösbare Aufgaben da wir gegen beide schon mal deutlich gewonnen haben, also unsere Chancen stehen da sehr gut. Dann haben wir mehr erreicht, als wir uns vor der Saison erhofft haben und wir haben danach noch ein Highlight, denn wir haben uns jetzt schon qualifiziert für die Endrunde um die Deutsche Jugend-Meisterschaft, wobei es da schwer wird, weil wir dann noch mal ein Hin- und Rückspiel gegen die Young Roosters Iserlohn haben und gegen zwei Vereine aus dem Süden antreten. Augsburg, Füssen oder Bietigheim. Es stehen also noch mal zwei weite Reisen runter nach Bayern oder nach Baden-Württemberg an. Das ist für die Jungs natürlich noch mal was ganz Besonderes, da mitwirken zu dürfen.

Was sagt den die Jugend dazu – hast du Träume oder Ziele im Bereich Eishockey, Kenneth?

Kenneth: Mein Traum ist es, eines Tages in der DEL spielen zu können – und ich habe schon von klein auf den Traum, es irgendwann mal in die NHL zu schaffen. Aber DEL wäre auch schon großes Eishockey, wenn man es dann noch in die deutsche Nationalmannschaft schaffen kann, wäre das super.

Der Weg zum Erfolg ist eine gute Mischung von allem. ein Verein, der eine gute Jugendarbeit leistet, Trainer und Betreuer, die auf die jungen Spieler eingehen und sie fördern, motivierte Spieler und Eltern, die ihr Kind unterstützen und natürlich der Spaß und die Begeisterung für den Eishockeysport.

Die nächsten Spiele der Young Freezers im HSV:

Samstag, 15.02.2014, 13:15 Uhr: EJ Kassel – Young Freezers im HSV
Sonntag, 16.02.2014, 11:15 Uhr: EJ Kassel  - Young Freezers im HSV
(letztes Heimspielergebnis Young Freezers – EJ Kassel: 13:1 und 5:2)
Samstag, 22.02.2014, 15:30 Uhr: ECC Preussen Juniors Berlin – Young Freezers im HSV