Marco Sturm: Uwe Krupp und Harold Kreis sind große NamenDas Interview mit dem Bundestrainer - Teil 2

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Seit über zwei Wochen hat Marco Sturm beim Deutschen Eishockey Bund (DEB) die Posten des Bundestrainers und des General Managers inne. Der 36-Jährige, gestählt durch 1006 NHL-Spiele - ist als Trainer aber noch unerfahren. Darüber - und über einiges mehr - sprach der gebürtige Niederbayer mit Hockeyweb-Chefredakteur Oliver Koch.

Im ersten Teil sprach Marco Sturm darüber, was er in der Zeit zwischen Karriereende und Berufung zum Bundestrainer machte, wie er mit der Kritik gegenüber seiner Person und des Postens des Bundestrainers umgeht und was seine Aufgaben als General Manager sind.

Im aktuellen zweiten Teil spricht er über seinen ersten Auftritt als Bundestrainer beim Deutschland Cup, Uwe Krupp und Harold Kreis bzw. seinem Trainerstab sowie den kurzfristigen und langfristigen Zielen der deutschen Eishockeynationalmannschaft.

Hockeyweb: Herr Sturm, was sehen Sie selbst als größere Herausforderung? Den Job des Bundestrainers oder die Aufgaben, die als General Manager einhergehen?

Marco Sturm: Ich sehe mich ganz klar als Bundestrainer. Für mich ist das Wichtigste, was auf dem Eis passiert. Wie wir spielen, wie wir auftreten und wie wir uns verbessern. Das ist für mich das A und O. Die Aufgaben des General Managers gehören da natürlich auch dazu. Deshalb ist es eben wichtig, die richtigen Leute um mich zu haben. Allein alles auszufüllen, ist schwierig. Ich bin ja auch nur ein Mensch, und kann nicht überall gleichzeitig sein. Deswegen ist es mir wichtig, egal ob es um Turniere, Scouting oder Sonstiges geht, dass wir immer alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wie im ersten Teil unseres Interviews schon angedeutet, wird es so sein, dass Sie von einem Trainerstab unterstützt werden. Hier fielen bereits Namen wie Uwe Krupp und Harold Kreis. Beide Namen sind mit dem letzten großen, internationalen Erfolg der Nationalmannschaft, dem vierten Platz bei der Heim-WM 2010, eng verbunden. Können diese beide Ihnen auch aktuell weiterhelfen?

Marco Sturm: Es sind große deutsche Namen. Natürlich sind sie interessant und ich kann mir gut vorstellen, dass sie nicht nur mir, sondern auch der Nationalmannschaft helfen können. Es gab aber bisher noch keine konkreten Gespräche. Für mich waren es jetzt sehr informationsreiche Wochen, in denen viel auf mich zukam. Das muss ich erst einmal verarbeiten und einen klaren Kopf bekommen.

Wo liegen denn die größten Unterschiede zwischen Bundestrainer und Clubtrainer. Die Tatsache, dass als Bundestrainer nicht jeden Tag mit der Mannschaft trainiert werden kann, ausgeklammert?

Marco Sturm: Aber genau das ist doch die große Herausforderung, die man als Bundestrainer hat. Die Jungs müssen so schnell wie möglich in ein Boot geholt werden. Egal ob Deutschland Cup oder WM. In kürzester Zeit muss alles stimmen! Charakterlich, die Stimmung in der Mannschaft und natürlich auch das Drumherum mit dem dazugehörigen Trainerstab. Beim Deutschland Cup haben wir eine Woche Zeit, uns aufeinander einzustimmen. Vor der WM ist das schwieriger, weil höchstwahrscheinlich noch einige der deutschen Spieler im Finale spielen werden. Von daher haben wir dort nur einige Tage Zeit, um uns mit der kompletten Mannschaft vorzubereiten! Aber diese Situation ist nicht neu und wir werden sie bestmöglich zu nutzen wissen.

Sie treten beim Deutschland Cup im November in Augsburg erstmals als Bundestrainer aktiv in Erscheinung. Wie wird sich das Auftreten der Nationalmannschaft – im Vergleich zu ihrem Vorgänger Pat Cortina – verändern?

Marco Sturm: Wir versuchen natürlich, dass die besten Spieler die wir zur Verfügung haben, nach Augsburg kommen. Wir wollen, dass sie alle bereit und willig sind, für Deutschland zu spielen. Auf dem Eis wird einiges anders sein als bei Pat Cortina. Jeder Trainer ist anders. Egal ob vom System oder vom Tagesablauf her. Es wird sicher einige Bereiche geben, die für den einen oder anderen Spieler neu sind.

Welche Veränderungen werden kurzfristig vorgenommen, welche langfristig?

Marco Sturm: Wichtig war für uns zunächst der Nachwuchsbereich. Dort hat sich in den letzten Wochen einiges verändert. Mit neuen Trainern, neuem System und vor allem der engen Zusammenarbeit mit den Vereinsmannschaften. Ich habe in den letzten zehn Jahren selber gesehen, dass hier wenig dafür gemacht wurde. Aber dafür haben wir jetzt mit Powerplay 26 ein gutes Konzept gefunden. Von heute auf morgen geht es nicht, das ist klar, aber langfristig gesehen schon.Kurzfristig muss der Kontakt zu den Spielern und Trainern verbessert werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies in der Vergangenheit eher schlecht war. Der Kontakt zur Nationalmannschaft war nur sporadisch da. Dies wird sich jetzt ändern. Es liegen zwei schwere und herausfordernde Jahre vor uns.

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Teil 1: Marco Sturm: Wie Jürgen Klopp und Pep Guardiola
Teil 3: Die deutschen NHL-Spieler sind alle bereit
Teil 4: Zwischen Florida und Deutschland

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