Kritik am DEB-PräsidiumOffener Brief der Landesverbände aus Sachsen-Anhalt und Thüringen

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Hier der Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Wipfler,

bei den Wahlen im Juli haben Sie und Franz Reindl voller Hoffnung auf einen Neuanfang, tatsächliche Transparenz und einen Konsens zwischen allen Parteien unsere Stimmen erhalten. Leider ist davon nicht wirklich etwas übrig geblieben! Die mediale Darstellung der Umsetzung ihrer Versprechen spiegelt die Realität nicht einmal ansatzweise wider. Ehrlich gesagt fühlt man sich irgendwie genauso wie nach einer Bundestagswahl. Für den Wahlsieg werden Versprechungen gemacht und Partnerschaften geknüpft. Nach dem Wahlsieg bleiben die Parteien ihren Versprechungen in keinster Weise treu und Partnerschaften werden ignoriert bzw. aufgelöst.

Wir verstehen nicht, warum Sie zu folgenden Punkten so konträr zu den Wahlversprechungen agieren:

1. Konsens aller Parteien herstellen

Die komplette Loslösung des DEB von den Landesverbänden, der Vorwurf der Veruntreuung von Geldern gegenüber den Landesverbänden und die völlig unterirdische Kommunikation mit den Landesverbänden weist genau das Gegenteil auf. Warum hier versucht wird, den schwarzen Peter von Bundes- auf Landesebene zu schieben, ist für uns in keinster Weise nachvollziehbar. Man kann ja den Konsens soweit weiter strapazieren, dass Clubs künftig zwei verschiedene Abgaben pro Spiel an zwei verschiedene Parteien zahlen. Den Teil des DEB an den DEB, den Teil des Landes an die Landesverbände. Dann müssen Sie auch keine Geldflusstabellen von und zu den LEVs mehr vor den Clubs präsentieren und missbilligen. Die Clubs wissen dann immer genau wer welche Gebühren für welche Zwecke erhält. Sicherlich wäre es völlig abwegig gewesen, den Geldstrom bei Schiedsrichtergebühren zu prüfen und zu diskutieren. Hier zahlt der DEB sämtliche Kosten, die Schiedsrichter selbst kassieren 100% der Gebühren und vor allem muss man sich mit den Clubs auseinandersetzen. Anstelle einer völlig abwegigen LEV-Umlage, wäre hier eine durchaus nachvollziehbare Umlage für sehr reellen Aufwand (Schiedsrichterweiterbildung, -organisation und -gewinnung) erachtenswert. Aber das können Sie bestimmt tiefgründig erläutern.

2. Tatsächliche Transparenz

Für die Aufbereitung der Finanzlage des DEB haben Sie der Haus-und-Hof-Agentur der DEL über 100.000 Euro bezahlt. Allerdings wurden weder neue Erkenntnisse dargestellt, noch wurde die Analyse so präsentiert, dass die Machenschaften und Geldflüsse der WM 2010 wirklich nachvollziehbar waren. Es wäre schon sehr interessant gewesen, Kostennoten zu erfahren, die Herr Ziegfeld mit seiner Agentur oder die Vergabe des IIHF-Vor-WM-Kongresses nach Marokko verursacht haben. Genauso wenig wurde die Einnahmen und Ausgaben Rechnung auf echte Kostenstellen heruntergebrochen (Nationalmannschaft, sportorganisatorische Einheit, sportfachliche Einheit, Administration, Nachwuchs, Schiedsrichterwesen, usw.), anhand derer eine zielführende Diskussion über Einsparchancen oder Möglichkeiten für Mehreinnahmen geführt werden hätte können. Dies ist insofern von höchster Bedeutung, als dass die übertarifliche Bezahlung von Mitarbeitern verschleiert wurde, beim DOSB aber (wie bei anderen Sportfachverbänden bereits geschehen) definitiv in absehbarer Zeit erkannt werden wird. Man kann mit dem präsentierten Zahlenwerk eventuell einige Damen und Herren blenden, aber tatsächliche völlige Transparenz ist das nicht einmal annähernd. Aber sicherlich haben Sie da eine völlig professionelle und sachliche Gegendarstellung parat.

3. Der echte Neuanfang

Dazu hatte Manuel Hiemer, zugegebener Maßen relativ frühzeitig, eine Email an Franz Reindl verfasst, die Sie ebenfalls erhalten haben. Seit dieser Mail hat sich entgegen der Ausführungen Herrn Ziegfelds (i.A. für Franz Reindl) nichts entwickelt. Man hält weiter an sämtlichen alten Rockzipfeln fest. Abgeschnitten wurden in personeller Hinsicht nur die ganz neuen ,Teilnehmer‘ des engen Kreises am Betzenweg. Die alten Bande werden aber entgegen der Versprechungen von Franz Reindl im Rahmen seines Besuches in Leipzig und entgegen ihrer Ankündigungen im Rahmen der Infoveranstaltung zur Wahl in Frankfurt weiter gelebt, ja sogar gestärkt. Wer da unangenehm nachfragt, wird auf sein eigenes Tätigkeitsfeld verwiesen und zur Zurückhaltung ermahnt. Aber wenn dieselben Kräfte am Werke bleiben, die bereits seit 25 Jahren weder Weiterentwicklung noch Fortschrift erreichen konnten, wie soll dann der propagierte Neuanfang gelingen. Weiterhin wurde mit dem vorschnellen Abschließen des neuen Infront-Vertrages eine Megachance zu Nichte gemacht, zukünftig deutliche Mehreinnahmen zu generieren, die evtl. an ein wenig mehr Risiko vor allem aber mehr eigenes KnowHow gebunden gewesen wären. Alte Verträge eins zu eins weiterzuführen ist alles andere als ein echter Neuanfang. Erschwerend kommt hinzu, dass für einen richtigen Neuanfang auch ein Sportentwicklungskonzept notwendig ist. Ein solches exisitiert aber nach wie vor nicht. Die Folgen eines solchen Versäumnisses kann man aktuell beim Curling-Verband beobachten. Ein Powerplay 26 oder die On-Ice-Ansätze von Herrn Liebsch (Off-Ice-Ansätze werden nicht einmal für notwendig erachtet) wollen Sie uns doch nicht ernsthaft für ein ganzheitliches Konzept verkaufen, oder? Aber auch hier können Sie uns sicherlich eindrucksvoll darlegen, wie falsch und unangebracht unsere Ausführungen sind.

Fazit

Es ist in der Tat unglaublich, dass Sie und Franz Reindl (hatten ja beide unsere Stimmen bekommen) bereits nach so kurzer Zeit jedwedes Vertrauen verspielt und sämtliche Erwartungen enttäuscht haben. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die nächste Mitgliederversammlung (dieses Mal dann auch bestimmt wieder in Anwesenheit Bayerns, etc.) wirklich harmonisch ablaufen wird, wenn sich an der Vorgehensweise, am Umgang miteinander und an der Umsetzung der Versprechungen nicht erheblich etwas ändert. Wir warnen hier nochmal ausdrücklich vor einem angestrebten Alleingang des aktuellen Präsidiums. Herr Hörmann (Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes, Anm.d.Red.) mag hier evtl. einen positiven Eindruck gewonnen haben. Wie lange dieser bestehen bleibt liegt aber ebenfalls in der Luft. Die Förderung der Damen steht ja, im völligen Gegensatz zu ihren Ausführungen, nach wie vor noch auf der Kippe.“