Fliegauf: „Das Direktorat muss jetzt Konzeption und Kompetenzen festlegen“Charly Fliegauf stellt sich für die DEL unseren Fragen

Charly Fliegauf engagiert sich im Kompetenzteam Sport. (Foto: Oliver Schwarz - www.stock4press.de)Charly Fliegauf engagiert sich im Kompetenzteam Sport. (Foto: Oliver Schwarz - www.stock4press.de)
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Hockeyweb: Herr Fliegauf, haben Sie den Schock vom Sonntag schon verdaut? Und wo haben Sie das Trauer-Spiel gegen Österreich erlebt?

Fliegauf: „Das Worst-Case-Szenario, mit dem keiner so richtig gerechnet hatte, ist nun eingetreten. Es hatte sich aber schon am Freitag im Spiel gegen Italien abgezeichnet, dass es schwer werden würde. Die Art und Weise wie wir gespielt haben, reichte nicht aus. Ich hatte mir die Spiele in Bietigheim live angeschaut.“

Hockeyweb: Worin sehen Sie die Gründe des Scheiterns und welche Folgerungen ergeben sich daraus?

Fliegauf: „Die Spieler haben ihr Potential und ihre individuelle Leistungsfähigkeit als Mannschaft in keinem der drei Spiele über 60 Minuten aufs Eis bringen können. Ich hatte das Gefühl, dass viele mit einem Rucksack auf dem Eis herumgelaufen sind. Der Druck war scheinbar für den einen oder anderen zu groß."

Hockeyweb: Von Ihrem Kompetenzteam Sport erwartet der DEB nun eine zeitnahe Analyse der sportlichen Situation. Wo, wann und wie wird das geschehen?

Fliegauf: „Zuallererst sollte sich das Direktorat treffen, um die nächsten Schritte und vor allem die künftige Konzeption und Kompetenz festzulegen." (Das Direktorat ist oberstes Entscheidungsgremium der Kooperation von DEB und DEL. Ihm gehören Präsident Uwe Harnos und sein Vize Manuel Hüttl für den DEB sowie der Ingolstädter Club-Chef und DEL-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Arnold mit seinem Mannheimer Kollegen und DEL-Stellvertreter Daniel Hopp für die DEL an. Anm. d. Red.)

Hockeyweb: In welche Stoßrichtung wird die Aufarbeitung zielen? Werden dabei auch strukturelle Probleme des deutschen Eishockeys hinterfragt?

Fliegauf: „Ich denke dass wir sehr gute Voraussetzungen hatten, um das Turnier zu gewinnen. Die Mannschaft konnte sich im Januar noch in einem Kurzlehrgang in Bietigheim vorbereiten und auch die Fans hatten die Mannschaft super unterstützt. Das Geschehene können wir nicht mehr rückgängig machen und müssen nun versuchen, alles dafür zu tun, um bei der Weltmeisterschaft (WM) im Mai diesen Jahres erst einmal die Klasse zu halten. Strukturelle Probleme hatten sicher nichts mit dem Scheitern auf dem Eis zu tun."

Hockeyweb: Spätestens seit letztem Sommer steht auch die DEL im Kompetenzteam Sport zu 50% in der Mitverantwortung für die Männer-Nationalmannschaft. Ihr Mitstreiter Peter John Lee verkündete, 'Die Olympia-Qualifikation ist das Ziel!'. Nun muss man feststellen: Ziel verfehlt! Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Sie und die DEL?

Fliegauf: „Das Ziel war Olympia-Qualifikation, da haben Sie Recht. Konsequenzen ergeben sich leider in erster Linie für den Nachwuchs und für den Verband, der ab 2014 weniger Zuschüsse vom BMI (Bundesinnenministerium) bekommt und somit nicht wie bisher unterstützt werden kann. Für uns bedeutet dies jetzt erst einmal kurzfristig, dass wir schnellstens eine gemeinsame Strategie erarbeiten müssen, um bei der kommenden WM in Finnland und Schweden zu bestehen."

Hockeyweb: Was muss sich strukturell, was muss sich möglicherweise auch personell im deutschen Eishockey ändern, damit dieses historische Tief nachhaltig überwunden wird?

Fliegauf: „Darüber werden wir in Ruhe beraten und dann damit an die Öffentlichkeit gehen.“

Hockeyweb: Pat Cortina wurde auf Vorschlag des Kompetenzteams als Bundestrainer engagiert und soll ab Sommer auch die Position des Sportdirektors bekleiden. Wer waren eigentlich neben Hans Zach die anderen drei Kandidaten und was gab den Ausschlag für die Wahl von Cortina?

Fliegauf: „Pat Cortina wurde vom Direktorat verpflichtet. Er war einer der Kandidaten neben Hans Zach, Dan Ratushny und Bengt-Ake Gustafson in der vom Direktorat beschlossenen Vertragskonstellation. Die Gespräche wurden vom Direktorat geführt und vom DEB als künftigem Arbeitgeber final verhandelt.“

Hockeyweb: Sind Sie mit der Trainerwahl noch zufrieden? Pat Cortina wurde gleich mit einem 3-Jahresvertrag ausgestattet. Was geschieht mit ihm im Sommer, wenn nach der verpassten Olympia-Qualifikation auch die WM zum Desaster geraten sollte?

Fliegauf: „Ich denke dass es nicht an Pat Cortina lag, dass die Mannschaft ihr Ziel verfehlt hat. Einen konkreten Vorwurf kann man ihm sicher nicht machen, weder in der Personalpolitik, noch in der Taktik. Für die Umsetzung seiner Vorgaben sind schon die Spieler verantwortlich. Sie müssten am besten einschätzen können, ob jeder sein Letztes gegeben hat. Zum zweiten Teil der Frage kann ich derzeit nichts sagen, da die WM  erst im Mai stattfindet. Fakt ist, dass die Nationalmannschaft ohne die Unterstützung der deutschen NHL (National Hockey League)- und AHL (American Hockey League)-Spieler auf internationalem Terrain wie einer A-WM nur mit einer außergewöhnlich guten Leistung mitspielen kann.“

Hockeyweb: Alois Schloder vermisst im Moment das Herzblut für das deutsche Eishockey. Mit Blick auf Trainer und Ausländerkontingente der Ligen: Sie auch?

Fliegauf: „Wie stellt er sich denn das Herzblut vor? Zu seiner aktiven Zeit gab es nur zwei Ausländer pro Team in der 1. Bundesliga. Da war in der Liga und international auch nicht alles Gold was glänzte. Ich denke, dass wir in unserer Liga sehr gute Trainer haben, mit viel Herzblut, die auch unsere deutschen Spieler fördern und fordern. Auch der Anteil ausländischer Spieler in der DEL ist im Vergleich zu anderen Mannschaftssportarten wie Handball oder Basketball erheblich niedriger.“

Hockeyweb: Herr Fliegauf, wir danken Ihnen für dieses Interview!


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