Emotionslose Darbietung der deutschen Mannschaft - 0:2 gegen Österreich

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Die neue Tölzer Eishalle hätte eine würdigere Eröffnung in sportlicher Hinsicht verdient gehabt, als den müden Ländervergleich zwischen Deutschland und Österreich. Eine Minute vor Spielende hallte es sogar "Wir wollen die Tölzer sehen" durch die Hacker-Pschorr-Arena. Kurz davor hatte der Gegner aus dem Nachbarland den entscheidenden zweiten Treffer markiert. Die über 4000 Zuschauer waren weniger ob des überraschenden Ergebnisses enttäuscht, sondern von der äußerst emotionslosen Darbietung der deutschen Mannschaft. Mängel im Spielfluss sind aufgrund zahlreich abwesender Stammspieler und dem Debüt einiger junger Nachwuchskräfte nur allzu verständlich, Einsatz und Leidenschaft, die fundamentalen Attribute des deutschen Spiels, fehlten indes gänzlich. Für Österreich markierten Daniel Welser Sekunden vor der ersten Pause sowie Andreas Judex in der Schlussphase die Treffer. Es war der erste Sieg der Rot-Weiss-Roten über Deutschland nach fast zehn Jahren. Ein Sieg, den der beste Spieler des Abends, Torhüter Claus Dalpiaz, mit einem Shut-Out noch unterstrich.



Einige neue Gesichte gab es auf deutscher Seite zu beobachten. In der Verteidigung debütierten der Augsburger Daniel Rau und Martin Walter aus Hamburg. Zum ersten Mal stürmen durften Chistoph Ullmann (Mannheim), Michael Hackert (Frankfurt) und Alexander Barta (Berlin). Im Tor bekam der Düsseldorfer Alex Jung seine Bewährungschance. Beim Gast tauchten bekannte Namen auf. Herbert Hohenberger (früher Köln), Mathias Trattnig (Kassel), Martin Ulrich, Gerhard Unterlugauer (beide Düsseldorf) können DEL-Erfahrung vorweisen, Claus Dalpiaz hatte lange Jahre in Rosenheim den Kasten sauber gehalten.



Gemächlich ließen es beide Teams angehen. Erst nach gut acht Minuten hatte Tobi Abstreiter in Überzahl mit einem Rückhandschlenzer die erste Gelegenheit. Die Mannschaft von Herbert Pöck beschränkte sich zunächst auf Torsicherung. Glück hatten sie allerdings, als bei einem schnellen Konter über Tino Boos und Christoph Ullmann letzterer die Scheibe beim Abschluss nicht traf. Die ersten beiden Überzahlspiele der Deutschen waren nicht gerade ein Lehrbesipiel für modernes Powerplay. Ohne große Mühe ließ die sichere Abwehr der Gäste keine Einschussmöglichkeit zu. Sekunden vor der Sirene ließ Alex Jung einen Blueliner von Herbert Hohenberger halb seitlich prallen und ermöglichte Daniel Welser den erfolgreichen Nachschuss. Unverdient war die Führung nicht, zeigten die Austrianer doch die kompaktere Mannschaftsleistung und das aus einer sattelfesten Defensive gefälligere Aufbauspiel.

Beinahe hätte Thomas Auer Mitte des zweiten Drittels nachlegen können. Im Nachsetzten verfehlte er das Gehäuse mit der Rückhand nur knapp. In der nächsten Szene traf Herbert Hohenberger die Scheibe aus aussichtsreicher Position nicht richtig. Alexander Jung wirkte bei so manchen Aktionen nicht immer sicher. Er ließ einiges nach vorne abprallen. Ein Angriffsspiel der deutschen Mannschaft fand in dieser Phase nicht statt. Der Puck wurde meist tief gespielt und von den Roten umgehend - meist mittels Icing - wieder herausbefördert. Schön war es wahrlich nicht anzusehen. Die größte Ausgleichschance tat sich auf, als sich viele der Zuschauer schon für den Pausenimbiss anstellten. In Überzahl verloren die Gäste die Scheibe und ermöglichten Eduard Lewandowski das unbedrängte Break. Gegen einen mit stoischer Ruhe ausgestatteten Claus Dalpiaz versagten ihm jedoch die Nerven.

Zu Beginn des Schlussabschnitts durften sich die Mannen von Hans Zach kurzzeitig in einer 5-3 Situation üben, nachdem Dieter Kalt und Phillip Lukas die Strafbank wärmten. Eine Tormöglichkeit sprang aber auch hierbei nicht heraus. Tino Boos hatte noch eine gute Einschussmöglichkeit, er verzog nur knapp. Viel mehr stand aber nicht auf der Habenseite der Deutschen. Das Spiel plätscherte auf einem eher mäßigen Niveau dahin und erreichte mit dem entscheidenden Treffer des Linzers Andreas Judex seinen letzten Höhepunkt. Er lenkte ein Zuspiel seines Vereinskollegens Mark Szücs an Jung vorbei in die Maschen.



Hans Zach verteidigte sein Team im Anschluss und befand, es hätte nicht enttäuscht und lediglich die sich bietenden Chancen nicht genutzt. Es hätten viele Stammspieler gefehlt. Er müsse für solche Fälle testen, wer ihm bei der Weltmeisterschaft von den jungen Spielern weiterhelfen könne. Der Gegner wurde keineswegs unterschätzt, schließlich standen auf dessen Seite an diesem Abend ein wesentlich namhafteres Team, so Zach. Herbert Pöck freute sich über den Erfolg und gab den achten Platz bei der WM als Ziel aus. Er dankte den Herren vom DEB für die Einladung und würde sich auch mal über eine solche zum Deutschland-Cup freuen. Pöck selbst meinte, er befinde sich in der glücklichen Lage, noch an die zwanzig Spieler in der Hinterhand zu haben, die sich alle noch berechtigte WM-Hoffnungen machen können. Tu felix Austria! (orab, Foto: D. Meier)

Tore:

0:1 (19:50) Welser (H.Hohenberger), 0:2 (56:20) Judex (Szücs)

Strafen: Deutschland 10, Österreich 10

Zuschauer: 4.300 (ausverkauft)