Einige Landesverbände kritisieren Satzungsentwurf des DEB scharfWenig Einigkeit vor der DEB-Mitgliederversammlung

Mitgliederversammlung des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) am 18.April. Mitgliederversammlung des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) am 18.April.
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Dabei wird das DEB-Präsidium eine neue Satzung vorlegen, die die sportliche Ausbildung, die Finanzen – auch durch die Wiedereingliederung der DEL- und DEL2-Clubs in den DEB – und die Struktur des Verbandes verändern soll. Präsident Franz Reindl sagte im Hockeyweb-Interview, dass er mit einem knappen Ausgang rechnet. Wir sprachen nun mit Wolfgang Sorge, Präsident des LEV Nordrhein-Westfalen – einem der Hauptkritiker Reindls.

Die neue Satzung hat Franz Reindl im Interview mit Hockeyweb vorgestellt. Doch hier setzt bereits die Kritik von Wolfgang Sorge an. „Wir haben abgesehen von Satzungsentwurf noch nichts Schriftliches bekommen“, sagt der LEV-NRW-Präsident. „Wir können bei vielen Dingen nur spekulieren.“

Streitpunkt 1: Stimmanteile

Unter anderem ist in der geplanten Satzung eine Veränderung der Stimmanteile angedacht. Da die DEL- und DEL2-Clubs wieder Mitglieder des DEB werden sollen, soll sich die Stimmverteilung künftig wie folgt darstellen: DEL ein Drittel, DEL2 ein Sechstel, weitere DEB-Clubs ein Sechstel, Landesverbände ein Drittel. Bislang ist es so, dass derzeit die DEB-Clubs und die Landesverbände jeweils 50 Prozent ausmachen. „Dem können wir so nicht zustimmen, zumal in der Satzung versteckt ist, dass es künftig keine Abgaben der DEL- und DEL2-Clubs mehr an die Landesverbände geben soll“, so Sorge. Dabei sieht er unter anderem den Bayerischen Eissport-Verband als zweiten großen LEV an seiner Seite. „Hier soll doch einfach nur alles auf die DEL umgepolt werden.“ Doch gerade die Aufnahme der Proficlubs sieht das DEB-Präsidium als entscheidend an, da durch ihre Mitgliedszahlungen rund 200.000 Euro jährlich an den DEB fließen sollen.

Der zweite große Einnahmepunkt, der den DEB handlungsfähig machen soll, ist die geplante Lizenzgebühr für Aktive (Spieler, Trainer, Schiedsrichter). Sie soll sich im Schnitt auf zehn Euro pro Aktivem und pro Jahr belaufen (Profis beispielsweise mehr als Nachwuchsspieler). Aus diesem Bereich erwartet der DEB rund 300.000 Euro im Jahr. Sorges Einwand: „Wenn die Clubs pro Spieler diese Gebühr zahlen müssen, könnte das dazu führen, dass sich gerade die kleineren Vereine überlegen, welchen Spieler sie für förderungswürdig halten. Schaut man sich nun an, aus welchen Vereinen die meisten Nationalspieler kommen, dann sind das eben jene kleinen Vereine. Der Nachwuchs der Proficlubs hat sie lediglich irgendwann übernommen.“ Beide Punkte, die Mitgliedszahlungen der Profis und die Aktivengebühr, spielen allerdings im Sanierungskonzept des DEB eine entscheidende Rolle.

Streitpunkt 2: Oberliga

Ein weiterer großer Kritikpunkt auf Seiten einiger Landesverbände ist die geplante Reform der Oberliga. „Wir haben auf einem Treffen über viele Dinge gesprochen. Ob wir die Holländer aufnehmen, wie es mit der Oberliga Ost weitergehen kann. Aber vereinbart wurde dabei, dass alle Veränderungen erst ab der Saison 2016/17 greifen können, weil sich die Clubs darauf verlassen können, dass das, was sie sich 2014/15 erspielt haben, auch für die Saison 2015/16 gültig ist“, sagt Sorge. „Dafür haben wir zunächst Zustimmung bekommen. Aber zwei Wochen später kommt vom DEB ein Oberliga-Konzept, dass diesen Vereinbarungen komplett widerspricht.“ In diesem Punkt will Sorge hart bleiben. „Darüber wird es zwischen dem DEB und dem LEV definitiv Streit geben.“

Streitpunkt 3: DEB-Nachwuchsligen und Nachwuchskonzept

Schließlich geht es um das Nachwuchsförderungskonzept, dass unter anderem vorsieht, dass für die 58 DEB-Mitgliedclubs seitens des nationalen Verbandes ein Spielbetrieb bis hinunter zu den Bambini angeboten wird – parallel zum Nachwuchsspielbetrieb, den die LEVs ihren Clubs anbieten. „Auf einmal will der DEB 20 Ligen mehr organisieren?“, so Sorge. Hier verweist er auf ein Schreiben des DEB-Nachwuchsausschusses, von dem es hieß, er heiße das Sportkonzept des Präsidiums gut. Die Ausschussmitglieder erklären darin: „Das Sportkonzept wurde uns mittels einer Powerpoint-Präsentation auf der planmäßigen Sitzung am 28.02.2015 im Schwenningen von Sportdirektor Ernst Höfner vorgestellt. Das Konzept konnte uns weder als Arbeitspapier, noch im Nachhinein als Ausdruck oder in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden, da es sich um eine noch nicht vom DEB bestätigte Arbeitsversion handelt, die noch nicht vollständig sei, so Ernst Höfner.“

Dabei heißt der DEB-Nachwuchsausschuss in dieser Erklärung grundsätzlich gut, dass es endlich ein Sportkonzept geben soll und dass die Richtlinienkompetenz dafür bei nationalen Verband liegt. „So werden bundesweit einheitliche Vorgaben von Trainingsinhalte in den verschiedenen Altersklassen und die Kontrolle der Umsetzung durch die Landestrainer oder auch vom DEB eingesetzte Regionaltrainer als positiv und notwendig angesehen. Hierbei sollten bzw. müssen die Landestrainer und die Regionaltrainer eng zusammenarbeiten, auch nicht zuletzt bei der gemeinsamen Sichtung der D-Kader.“ Die D-Kader sind die Altersklassen unter 15 Jahren.

Der Ausschuss mahnt allerdings: „Der Nachwuchsausschuss erklärte auf der Sitzung ausdrücklich, dass auch zukünftig die Sichtung und Ausbildung der D-Kader Aufgabe der Landesverbände bleiben muss, da dies den Vorgaben des DOSB entspricht und ansonsten keine Fördermittel mehr von den jeweiligen Landessportbünden gezahlt werden.“

Zu den geplanten DEB-Nachwuchsligen heißt es: „Bezüglich der Neustrukturierung und Einführung von DEB-Ligen in allen Altersklassen wurde und konnte vom Ausschuss kein abschließendes Statement bzw. Bewertung abgegeben werden. Dies resultiert vornehmlich an fehlenden Informationen der geplanten Ligenzusammensetzung und Struktur. Dieser Punkt wurde von Ernst Höfner weitestgehend übergangen und die entsprechende Folie in der Präsentation sehr schnell ausgeblendet. Einigkeit herrschte lediglich darüber, dass allen deutschen Mannschaften ein adäquater Spielbetrieb angeboten werden muss. Dass Mannschaften wie Mannheim, wie diese Saison mit den Knaben in Tschechien spielen müssen, gilt es zu verhindern. Der Nachwuchsausschuss sieht es nicht als erforderlich, dass der Spielbetrieb unterhalb der AK Schüler den Landesverbänden entzogen wird, räumt jedoch ein, dass bundesweit einheitliche Durchführungsbestimmungen unter Vorgaben des DEB praktiziert werden könnten. Dort gäbe es sicherlich Gesprächsbedarf, doch wären einvernehmliche Lösungen zu finden. Auch über die Zusammenstellung der Ligen kann mit Sicherheit offen diskutiert werden. Eine Übernahme des Ligenspielbetriebes seitens des DEB würde aller Wahrscheinlichkeit nach zu keinen nachhaltigen Verbesserungen der Spieler führen, würde jedoch für die Vereine vermutlich eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung bedeuten. Aus unserer Sicht liegt sogar die Vermutung nahe, dass diese Maßnahme vorwiegend zu Zwecken der Sanierung des DEB dient und kleine Vereine, die leistungsmäßig nicht in den DEB-Ligen spielen können, in einigen Landesverbänden kein Podium, sprich Spielbetrieb, mehr hätten, eventuell ihre Bemühungen der Ausbildung von Nachwuchsspielern einstellen müssten. Ist das gewollt? Lösungsvorschläge gab es seitens des DEB noch keine. […]Die Ligenverwaltung mittels Kooperationsverträgen wieder an die kooperierenden Landesverbände zurückzugeben, nachdem Startgebühren kassiert und alle weiteren Gebühren (Strafen, Spielverlegungen, usw.) beim DEB landen, ist ein weiterer Beleg der den Verdacht der eigenen Sanierung nährt. Dies findet nicht unsere Befürwortung, zumal sich der DEB selbst nicht im Klaren ist, wie diese Kooperationsverträge aussehen könnten.“

In dem Sportkonzept sieht der DEB-Nachwuchsauschuss eine Schuldzuweisung an die LEVs. „Ohne eine oder mehrere Personen angreifen zu wollen: Sind nicht die Verfasser dieses Konzeptes diejenigen, die seit Jahren die sportlichen Geschicke des DEB lenken? Wie kann man Landesverbänden mangelnde Kooperation vorwerfen, wenn kein Konzept vorliegt, mit dem es zu kooperieren gilt?“, fragen die unterzeichnenden Ausschussmitglieder Burkhard Appel, Werner Ederer, Claus Karst, Jörg Reimann und Karl-Heinz Schönfeld“, die eine zeitnahe Diskussion des DEB-Präsidiums mit den Landesverbänden fordern.

LEVs richten Auskunftsbegehren an den DEB

Derweil haben die Landesverbände ein Auskunftsbegehren an den DEB gerichtet. Darin geht es unter anderem um die „Offenlegung und Übersendung aller Bilanzen des DEB der Jahre, die für die Beurteilung erforderlicher Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind“ und die „Offenlegung und Übersendung aller Bilanzen der mit dem DEB verbundenen Unternehmen (bekannt sind drei) der Jahre, die für die Beurteilung erforderlicher Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind.“ Außerdem werden Informationen darüber angefordert, „welche Bezüge die jetzigen Mitglieder des Präsidiums bei verbundenen Unternehmen bezogen haben“. Zudem fordern die LEVs die „Offenlegung und Übersendung des Sanierungsgutachtens, das für die Beurteilung erforderlicher Sanierungsmaßnahmen erforderlich ist und was dafür im Einzelnen bezahlt wurde“ sowie die „Offenlegung und Übersendung der Gehaltstruktur des DEB mit Angabe der Rechtsgrundlage“, Informationen über möglichen Prämien und die Beschäftigung eines Rechtsanwalts.

All das zusammen zeigt: Auf die Mitglieder des Deutschen Eishockey-Bundes kommt am 18. April eine lange Sitzung zu. Denn nach weitreichender Einigkeit klingt das kaum.

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