Deutschland muss doch in die Play-downs

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Sowohl Schweden als auch die Schweiz mussten das direkte Aufeinandertreffen gewinnen, um aus eigener Kraft den Abstiegs-Play-downs zu entkommen und gegen Russland und Finnland in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Die Skandinavierinnen nutzten in der fünften Minute durch Jenny Asserholt eine Powerplaysituation zur vermeintlich befreienden frühen Führung. Doch zehn Minuten später gelang Kathrin Lehmann ebenfalls in Überzahl frei vor Schwedens Torfrau Kim Martin der Ausgleich. Im zweiten Drittel drehte die Schweiz auf. Dennoch war es Torfrau Florence Schelling, die das torlose Drittel für die Schweiz sichern musste. Denn die hochkarätigen Chancen besaßen die Schwedinnen.  Deren Abschlussschwäche sollte sich im Schlussabschnitt rächen. Die Schweizer Führung durch Julia Marty (43. Minute) konnte Routinier Erika Holst unter Mithilfe Schellings noch ausgleichen. Doch auf Sara Benz Powerplaytor, bei dem sie aus spitzem Winkel Kim Martin im kurzen Eck überraschte und schlecht aussehen lies, in der 57. Minute konnte Schweden nicht mehr  antworten.

Kurios und unverständlich: Mit Nicole Hertrich leitete eine Deutsche das Spiel, obwohl der Ausgang dieser Partie einen direkten Einfluss auf das Abschneiden der deutschen Mannschaft hatte. Ein Bärendienst, den man der Deutschen mit dieser Ansetzung hätte erweisen können, was auch die Schweizer Offiziellen, die an der Leistung der Schiedsrichterin im Übrigen nichts auszusetzen hatten, so sahen. Eine umstrittene Entscheidung, die womöglich den Ausgang des Spiels beeinflusst hätte – und Unterstellungen über eine Parteilichkeit zugunsten der deutschen Mannschaft wären Tür und Tor geöffnet gewesen.  Hertrich selbst wusste nach eigener Aussage bis nach dem Spiel nichts von der Brisanz der Partie.

Durch den Schweizer Sieg ergab sich für die deutsche Mannschaft die Notwendigkeit eines Sieges gegen Angstgegner Slowakei. Ob nach 60 Minuten oder in Verlängerung oder Overtime - dies war egal. Aber eine Niederlage bedeutete nun den bitteren Gang in die Play-downs. Gegen den gleichen Gegner.

Die Slowakei hatte es also selbst in der Hand, sich ihren Gegner für die Abstiegsspiele auszusuchen. Bei einer Niederlage gegen Deutschland hätte man gegen Schweden antreten müssen, bei einem Sieg gegen das DEB-Team wäre dieses der Gegner geworden.

Bereits in der Aufstellung wurde deutlich, dass die Slowakei eine Abstiegsserie gegen Schweden verhindern wollte. Und als das Team durch Nicol Cupcova nach 18:29 die Führung erzielte, wurde beim anschließden auch dem letzten Zuschauer deutlich, dass die Slowakei das Spiel nicht herschenken würde. Nach 31:11 lag die Slowakei durch Treffer der Ex-Berlinerin Martina Velickova (24:10) und Jana Kapustova (31:11) bereits mit 3:0 in Front. Und wie schon bei der Olympiaqualifikation und der WM in Graz scheiterte der deutsche Angriff reihenweise an Torfrau Tomcikova. Die dritte  Niederlage in einem wichtigen, entscheidenden Spiel gegen die Slowakei bahnte sich an. Lisa Schuster (Ass. Nina Kamenik) im Powerplay zehn Minuten vor Ende des Mittelabschnitts und Bettina Evers, die vor dem Tor einen Schuss von Suanne Fellner entscheidend abfälschte, brachten die deutsche Mannschaft nach 43:56 Minuten zurück ins Spiel. Doch dann folgte der endgültige Knock-Out. Als 16 Sekunden nach einer ersten Strafe gegen Deutschland Monika Bittner den Puck abfing, mit zwei Mitspielerinnen gegen eine Slowakin Richtung gegnerisches Tor fuhr, ertönte ein Pfiff. Deutschlands vierte Spielerin hatte fernab des Spielgeschehens hinter dem eigenen Tor eine Slowakin regelwidrig behindert und musste deshalb ebenfalls auf die Strafbank. Die folgende 5:3-Überzahl nutzte erneut Nicol Cupcova, um mit ihrem zweiten Treffer die deutsche Aufholjagd zu stoppen und den Endstand zum 4:2 herzustellen.

Nutznießer der slowakischen Schützenhilfe war Schweden. Denn statt der drohenden Abstiegsrunde nach der Niederlage gegen die Schweiz belegten die Skandinavierinnen den zweiten Tabellenplatz in der Gruppe und dürfen nun gegen Finnland um den Einzug ins Halbfinale spielen.

Die Finninen wehrten sich im Spiel gegen Topfavorit nach Kräften, waren aber wie zuvor schon Kanada und Russland ebenfalls überfordert. Mit 0:11 (0:2, 0:6, 0:3) verloren die Skandinavierinnen insbesondere durch ein einen Vierfachschlag zwischen der 24. und 26. Minute - trotz einer zwischenzeitlichen Auszeit. Alle vier dieser Treffer fielen bei numerischer Gleichheit, was die Qualität der USA nochmals verdeutlicht. Je drei Treffer erzielten Kelly Stack und Monique Lamoureux-Kolls, die restlichen Tore erzielten Hillary Knight, Brianna Decker, Josephine Pucci, Kendall Coyne und Amanda Kessel.

Den Weg zurück auf die gewohnte und erwartete Erfolgsspur hat offenbar Team Kanada gefunden. Mit 14:1 (6:0, 5:0, 3:1) schossen sich die Ahornblätter gegen Russland den Frust von der Seele. Russland beendete die Vorrundengruppe damit als Vierter und trifft in der Halbfinalqualifikation auf die Schweiz. Angelia Goncharenkova erzielte in der 49. Minute den Ehrentreffer zum zwischenzeitlichen 1:13. Davor trafen Natalie Spooner (3), Haley Wickenheiser, Meghan Agosta (je 2), Marie-Philipp Poulin, Jennifer Wakefield, Jayna Hefford, Rebecca Johnston, Gillian Apps, Lauriane Rougeau, ehe Jayna Hafford mit ihrem zweiten Treffer den 14:1-Endstand für Kanada herstellte.