DEB-Präsident Franz Reindl: Haben keinen Zeitdruck!Wechsel zu den LA Kings: Wer wird Nachfolger von Bundestrainer Marco Sturm?

Nachdenklich: Franz Reindl.  (picture alliance/Alexey Filippov/Sputnik/dpa; picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa; picture alliance/City-Press GbR; picture alliance/Michaela Rihova/CTK/dpa)Nachdenklich: Franz Reindl. (picture alliance/Alexey Filippov/Sputnik/dpa; picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa; picture alliance/City-Press GbR; picture alliance/Michaela Rihova/CTK/dpa)
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Marco Sturm - ein Glücksfall für das deutsche Eishockey. Der 25. Februar 2018 ging in die deutschen Sportgeschichtsbücher ein. Sein Nationalteam spielte in im Olympia-Finale der Winterspiele von Pyeongchang gegen Russland. Eigentlich undenkbar. Dass Deutschland in dieser von Kanadiern, Skandinaviern und Osteuropäern dominierten Sportart um Gold kämpfte, hatte es nie zuvor gegeben. Am Ende stand Silber, das golden glänzte. Sturm personifizierte die Sensation in Südkorea. Am Sonntagabend dann der Paukenschlag. Der Bundestrainer verlässt den Deutschen Eishockey-Bund und übernimmt den Posten des Assistenztrainers bei den Los Angeles Kings in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Der 40-Jährige betreut das DEB-Team nur noch beim Deutschland-Cup ab Donnerstag in Krefeld (Hockeyweb berichtete). Beim traditionellen Vierer-Turnier treffen seine Cracks bis Sonntag auf Russland, die Slowakei und die Schweiz.  

Auf den Schultern des ehemaligen NHL-Profis lasteten die Hoffnungen und die Zukunft des deutschen Eishockeys. Was nun? Wird durch seinen Rücktritt der Olympia-Boom praktisch im Keim erstickt? Wer Nachfolger des Dingolfingers wird, ist völlig unklar. „Wir haben da keinen Zeitdruck. Jetzt zählt erst einmal nur der Deutschland Cup, danach beginnen wir mit der Sondierung. Wir wollen uns ganz in Ruhe Gedanken machen, es wird sich alles entwickeln", erklärt DEB-Boss Franz Reindl demonstrativ gelassen.


Der Wechsel in die NHL trifft den DEB unvorbereitet. Einen Rückschlag durch Sturms Abgang für den Aufschwung im deutschen Eishockey erwartet Reindl aber nicht. „Ich sehe weiter positiv in die Zukunft“, so der 63-Jährige. „Ich bin dem DEB nicht nur dafür dankbar, dass er mir diesen Schritt ermöglicht. Sondern auch dafür, dass er mir die Chance zum Einstieg in das Trainergeschäft gegeben hat“, sagt Sturm.

Kolportiert wird, dass sich auch künftig ein deutscher Trainer um das Nationalteam kümmern soll. Hockeyweb nennt Kandidaten. Als da wären: Harold Kreis (Düsseldorf), Pavel Gross (Mannheim) oder Uwe Krupp (Sparta Prag). Problem, sie stehen alle unter Vertrag. Denkbar wäre eine Doppelfunktion. Auch Ralph Krueger zum Beispiel hat viel Erfahrung, war Schweizer Eishockey-Nationaltrainer und Chefcoach der Edmonton Oilers. Neben Sturm übrigens der einzige Deutsche, der es als Eishockey-Lehrer an die Bande eines NHL-Teams geschafft hat. Derzeit ist er Chairman des Fußball-Klubs FC Southampton. Oder wird es eine Überraschung? Etwa Stefan Ustorf (Leiter Spielerentwicklung/Eisbären Berlin). Christian Ehrhoff (Ende der Spielerkarriere) ist ebenfalls ein großer Name. Tainererfahrung hat der 36-Jährige zwar nicht. Doch die hatte Sturm auch nicht, als er 2015 das Nationalteam übernahm.


Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen die Eisbären aus Berlin den Wechsel des Bundestrainers nach Los Angeles. Der siebenmalige DEL-Meister ist bekanntlich Kooperations-Partner der Kings. Beide Klubs gehören US-Milliardär Philip F. Anschutz. Luc Robitaille, im operativen Geschäft der führende Kopf der Kings, ist auch Aufsichtsratschef bei den Bären. In der Olympiapause etwa flog der komplette EHC-Kader nach LA, um dort die modernen Trainingseinrichtungen zu benutzen.


Werden die Wege aus Kalifornien nach Berlin nun noch kürzer? „Erstmal hat sich Marco diese Chance verdient“, meint Eisbären-Manager Peter John Lee, „ich denke aber, dass sein Fokus auf LA liegt. Aber keine Frage, er ist jetzt in unserer Familie. Und das ist positiv für uns.“ Lee freut sich für Sturm: „Generell finde ich es gut, wenn Deutsche in die NHL gehen. Ob als Spieler oder eben Trainer. Das spricht für das deutsche Eishockey und dessen Stellenwert, den es nach Olympia gewonnen hat. Beim Deutschen Eishockey-Bund hat man jetzt sicher viel zu tun. Vor allem Franz Reindl. An Spekulationen möchte ich mich aber nicht beteiligen. Aber ich denke, dass zeitnah nach dem Deutschland Cup ein geeigneter Nachfolger präsentiert werden wird.“ Man darf gespannt sein.   



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