Damen-Nationalmannschaft vor dem Air-Canada-Cup 2004

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„Es ist unsere letzte Möglichkeit zum Test vor der Weltmeisterschaft.“ In der Wertigkeit stuft Peter Kathan, Bundestrainer der deutschen Eishockey-Damen, den Air-Canada-Cup 2004 sehr hoch ein. Zum zweiten Mal findet dieses hochrangige Vier-Länder-Turnier in Deutschland statt – nach dem Start 2003 in der Preussag-Arena in Hannover heuer an so traditionsreichen Eishockey-Standorten wie Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz. Hochwertig ist das Turnier nicht nur wegen seiner Terminierung als Generalprobe für die WM Ende März/Anfang April in Halifax/Kanada, auch die Gegner der deutschen Auswahl geben der Veranstaltung einen besonderen Charakter. Zwar trifft das Team am 5. Februar (19 Uhr, Olympia-Eisstadion) wieder auf den altbekannten Rivalen Schweiz – insgesamt bereits das 51. Mal - , doch Tests gegen die finnische und kanadische U22-Auswahl (6./7. Februar in Bad Tölz jeweils ab 19 Uhr) stehen nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Und gerade diese Kaliber braucht Deutschland dringend zur Standortbestimmung.

Für Kapitän Christina Oswald ist das Turnier auf jeden Fall eine Generalprobe. Denn: „95 Prozent vom Kader für die WM stehen sicher schon. Und die U22 von Kanada oder Finnland kann man mit Schweden oder Russland gleichsetzen. Und das können direkte Gegner bei der WM sein.“ Auch WM-Vorrundengegner China müsse man etwa in dieses Leistungsniveau einordnen. „Dann sehen wir, was die Siege gegen die Schweiz, Russland und Tschechien wert waren“, meint die 30-jährige Rekordnationalspielerin.

Darüber ist sich auch Peter Kathan nicht ganz im Klaren. „Viele haben gesagt, dass wir besser geworden sind, aber ich kann es nicht genau abschätzen.“ Die Saison lief für die deutschen Eishockey-Damen bislang sehr erfolgreich. Seit der ausgefallenen WM 2003 in China gab es in sieben Spielen nur eine Niederlage gegen die Schweiz (1:2 am 26. Dezember in Bad Tölz). Dafür hatte sich das DEB-Team am nächsten Tag aber mit einem 7:0-Kantersieg gegen die Eidgenössinnen revanchiert. Neben dem 3:2-Erfolg gegen Russland im November beim Drei-Nationen-Turnier in der Schweiz war diese Partie in Memmingen sicherlich der Höhepunkt.

Doch für Bundestrainer Kathan ist dies nicht genug. Er fordert von seiner Mannschaft, dass sie auch gegen stärkere Nationen besser abschneidet. „Das mit den hohen Niederlagen gegen Gegner wie Kanada müssen wir jetzt mal in den Griff bekommen.“ Erste Anzeichen würde der Bundestrainer am liebsten schon beim Air-Canada-Cup sehen. „Wir schauen natürlich, dass wir gegen die Schweiz gleich gewinnen, um gut ins Turnier reinzukommen.“ Das war 2003 in Hannover noch misslungen – damals gab es eine 1:2-Niederlage. Aber auch Kanada und ganz besonders den Vergleich mit Finnland nimmt er aufs Korn: „Ganz wichtig ist für mich, dass wir gegen beide wenigstens die Hälfte der Spielzeit voll mithalten, gegen Finnland eigentlich sogar das ganze Spiel.“ Im vergangenen Jahr feierte Deutschland gegen die Nordeuropäer immerhin schon einen Achtungserfolg mit einem 2:2-Unentschieden.

Hinsichtlich des Kaders kann das Trainer-Gespann Peter Kathan/Dieter Reinartz leider nicht ganz aus dem Vollen schöpfen. Besonders schwer hat das deutsche Team der Ausfall von Verteidigerin Susanne Fellner (TV Kornwestheim/Knöchelbruch) getroffen. Zudem fehlen die beiden US-Legionäre Nina Ziegenhals und Raffaela Wolf, die nicht extra für dieses Turnier eingeflogen werden. Da auch Yvonne Fleck (Berlin) absagen musste, wird es in der deutschen Hintermannschaft schon dünn. Da fällt wenigstens positiv ins Gewicht, dass sowohl Christina Oswald, als auch Sabrina Kruck (beide SC Riessersee) wieder einsatzbereit sind. Kapitän Oswald plagte zuletzt eine Schulterecksgelenksprellung, Kruck hatte sich in einem Punktspiel die Schulter ausgekugelt. „Sie hat aber am Montag das Training wieder aufgenommen“, stellte Kathan erleichtert fest. Dennoch kommt der Bundestrainer nicht umhin, zwei Stürmer in die Defensive zu beordern. Stephanie Frühwirth vom TV Kornwestheim hat diese taktische Maßnahme schon mehrmals mitgemachtund souverän gelöst, Nina Ritter (Hamburger SV) stand bislang nur in Überzahl an der blauen Linie. Debütieren wird beim Air-Canada-Cup die erst 15-jährige Jessica Hammerl vom ESC Planegg-Würmtal. Die Planegger sind im Kader generell gut vertreten. Denn neben Torfrau Viona Harrer, die zwar die meiste Zeit für die Tölzer DNL-Mannschaft fängt, bekommt auch Sandra Rumswinkel noch einmal eine Chance, sich auf internationale Bühne zu zeigen. Sonst gibt es im Sturm keine großen Überraschungen.

Christina Oswald steht bei diesem Turnier übrigens vor einem ganz besonderen Jubiläum: Die 30-jährige Rekordnationalspielerin, die seit November 1995 auch Kapitän der Nationalmannschaft ist, bestreitet am Samstag gegen Kanada ihr 200. Länderspiel für Deutschland. Die Garmisch-Partenkirchnerin gilt beim DEB als Frau der ersten Stunde: Schon beim ersten Lehrgang im Jahr 1988 war die damals 15-Jährige dabei. Seitdem verpasste sie nur 14 Länderspiele überhaupt.