„Auf einem guten Weg, aber noch Luft nach oben“Marco Sturm zieht positives Zwischenfazit

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Hockeyweb: Herr Sturm, welches Fazit ziehen Sie aus dem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Garmisch-Partenkirchen vergangene Woche?

Marco Sturm: Ich bin sehr zufrieden, wie sich die Mannschaft hier präsentiert hat. Sowohl auf als auch neben dem Eis. Alle haben sehr gut mitgezogen, waren konzentriert bei der Sache und haben die Aufgaben erfüllt. Trotz der späten und entscheidenden Saisonphase mit vielen Spielen in den Knochen und einigen kleinen Blessuren bei dem einen oder anderen waren die Intensität und die Umsetzung optimal.

Was haben Sie und die Mannschaft abseits des Eises auf dem Lehrgang gemacht?

Wir haben uns am Montag nach dem Training zum Fackellauf getroffen und sind auf eine Berghütte gewandert. Dort haben wir bei musikalischer Begleitung gemeinsam gegessen und ein paar amüsante Spiele gespielt. Am Dienstag hatten die Jungs zwischen den beiden Einheiten ein bisschen Freizeit. Am Abend hat dann DEB-Präsident Franz Reindl einen Vortrag über die zukünftige Ausrichtung des Verbandes gegeben. Dabei ging es unter anderem um das Konzept POWERPLAY 26 sowie natürlich auch um die WM-Planung für 2017. Im Anschluss an das Mittwochstraining sind wir auf der Skisprung-Schanze in Garmisch gewesen und haben dort eine Führung erhalten. Es waren drei rundum gelungene Tage!

Großen Wert legen Sie auf einen festen Mannschaftsstamm, wie war Ihr Eindruck von „Nationalmannschafts-Rückkehrern“, wie bspw. Constantin Braun?

Die Einstellung der Spieler war super! Sowohl der Kern als auch die neuen (alten) Gesichter haben sich gut präsentiert. Wie schon erwähnt: das Tempo war überraschend hoch, gerade im Hinblick auf die anstehenden Playoffs haben alle Vollgas gegeben. Jetzt hoffe ich, dass wir das Tempo mit in die nächsten Maßnahmen und letztlich zur WM nehmen können.

Welche Rolle spielen die deutschen NHL-Spieler in Ihrer Planung für die Eishockey-WM und für die Olympiaqualifikation?

Für die WM rechne ich mit vielleicht ein bis zwei Kandidaten, aber das wird sich dann herausstellen, wenn wir wissen, wer es in die Playoffs schaffen wird und wer nicht. Für die Olympiaqualifikation plane ich, dass mir alle deutschen NHL-Spieler zur Verfügung stehen.

Die LA Kings haben Christian Ehrhoff in AHL degradiert, eine Entscheidung, die Sie bereits kritisierten. Haben Sie mit Christian gesprochen? Denken Sie er wird mittelfristig wieder in der NHL spielen?

Ich habe mit Christian telefoniert, er ist natürlich sehr unglücklich über die Situation. Aber die Trading-Deadline ist erst am 29.Februar und bis dahin kann noch Einiges passieren. Positiv für ihn ist, dass das Farmteam in der Nähe von LA ist, sodass er weiterhin bei seiner Familie leben kann.

Stehen Sie in Kontakt mit Tobias Rieder und Leon Draisaitl? Wie beurteilen Sie die sehr guten Spielzeiten der beiden deutschen Nachwuchsstars?

Ich bin sehr glücklich über die Situation der Beiden! Zwei deutsche Talente die wirklich viel Eiszeit haben. Leon spielt mittlerweile in Edmonton eine enorm wichtige Rolle und auch Tobi ist in Arizona zu einem Leader geworden. Er darf in jeder Spielsituation, sei es Über- oder Unterzahl oder auch in den letzten Minuten der Partie, aufs Eis. Die Trainer haben großes Vertrauen in ihn. Tom Kühnhackl hab ich letzte Woche hier in Florida beim Spiel gesehen und ich war wirklich positiv überrascht. Auch er genießt viel Eiszeit und darf regelmäßig Unterzahl spielen. Diese Entwicklungen sind enorm wichtig für uns als Nationalmannschaft.

Mit Marcel Noebels und Konrad Abeltshauser sind in den letzten beiden Jahren zwei sehr gute deutsche Spieler, die den letzten Sprung in die NHL nicht geschafft haben, zurück nach Deutschland gekommen. Sehen Sie das kritisch oder doch eher positiv, dass diese Spieler nun wichtige Minuten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen?

Ich sehe diese Entwicklung als positiv an. Der Schritt an sich, den Beide ins Ausland gewagt und dort anderes Eishockey kennengelernt haben, ist super. Hier in der DEL spielen beide nun eine ganz andere Rolle und für Konrad ist es sicherlich schön wieder zu Hause in Bayern zu sein. Seine Entwicklung wird auch für die Nationalmannschaft interessant sein.

Japan hat als vierter Gegner den Sprung in das Olympia-Qualifikationsturnier geschafft, an dem auch die deutsche Mannschaft teilnimmt. Wie beurteilen Sie die Chancen in dieser Gruppe?

Das Turnier wird sehr hart werden. Es sind drei wirklich starke Gegner und besonders in der Vergangenheit haben wir schon des Öfteren erlebt, dass die sogenannten „kleinen Nationen“ gut gespielt haben. Ich sehe uns selbst dort nicht als Favoriten. Ich denke eher, dass der, der in diesen Tagen am besten drauf ist und das gewisse Quäntchen Glück auf seiner Seite hat, das Turnier auch gewinnen wird.

Zuvor steht natürlich die WM an. Wie schätzen Sie den aktuellen Vorbereitungsstand ein und was kann Ihr Team Ihrer Ansicht nach bei der Weltmeisterschaft erreichen?

Der erste Schritt mit den Spielen beim Deutschland Cup und den Trainingseinheiten in Garmisch war für mich sehr wichtig und durchweg positiv. In den vier Wochen im April wollen wir uns dann weiter bestens für die WM vorbereiten. Wir sind aktuell auf dem 13. Weltranglistenplatz. Bei der WM wollen wir Punkte sammeln um wieder einen Platz gut zu machen und auf die Zwölf zu kommen.

Worauf legen Sie in den noch anstehenden Lehrgängen und Testspielen vor der WM wert?

Ich habe schon in Augsburg und auch jetzt in Garmisch großen Wert darauf gelegt, dass die Spieler meine Philosophie kennenlernen. Das hat bisher ganz gut geklappt, aber ich denke da haben wir bis zur WM noch Luft nach oben und werden weiter daran arbeiten.