100-Tage-Programm zum Auftakt der Reindl-ÄraRunder Tisch im Herbst geplant – Vision 2026 – keine Cortina-Doppelfunktion

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Daniel Hopp musste sich noch in einer Abstimmung gegen Rudolf Kuhn durchsetzen. Manuel Hüttl trat gegen Berthold Wipfler schon gar nicht mehr an. Spannung gab es dann noch einmal beim dritten Vizepräsidenten. Reindl wollte einen Vertreter der Landesverbände im Präsidium. Nach dem LEV-Treffen tags zuvor stand nach wie vor Andreas Werkling, Präsident des LEV Sachsen-Anhalt, auf der Kandidatenliste. Doch die Vertreter der Landesverbände zogen sich zu einer Beratung zurück: Das Ergebnis: Marc Hindelang, früherer Sky-Eishockey-Kommentator, Präsident des EV Lindau und seit kurzem auch im Bayerischen Eissport-Verband engagiert, stellte sich, offenbar als Kandidat der großen Landesverbände, ebenfalls zu Wahl. Hindelang gewann die Abstimmung, bot Werkling aber die Mitarbeit an, „um die Interessen der großen und kleineren Landesverbände zu vertreten“, so Hindelang.

Sein Konzept fasste Reindl im Zuge der achteinhalbstündigen Mitgliederversammlung des Deutschen Eishockey-Bundes so zusammen: „Konsens, Kompetenz und der Sport im Mittelpunkt.“ Dass der 59-Jährige nun die Chance bekommt, seine Ideen umzusetzen, machte ihn „überglücklich. Das war ein demokratischer Vorgang, dem man sich stellen muss.“

Nun beginnt allerdings die Arbeit: Nach dem Einblick in die Finanzlage des DEB will sich Reindl nun unabhängige Hilfe holen. „Wir brauchen eine Wirtschaftsanalyse von einem außenstehenden Unternehmen“, erklärte der neue DEB-Präsident. „Dann wissen wir, wo wir wirklich stehen.“ Zwar stellte das alte Präsidium heraus, wie die jährlichen Verluste aussehen und dass diese durch die jeweiligen Ausrichtungen von Weltmeisterschaften im eigenen Land aufgefangen werden (siehe Artikel „Neues DEB-Präsidium steht - Marc Hindelang dabei“), aber die Frage nach der zusammengefassten Höhe der aktuellen Verbindlichkeit blieb unbeantwortet. Harnos: „Wir haben keine Darlehensverpflichtungen gegenüber Kreditinstituten.“ Wie aber das „Horrorergebnis 2011“ mit einem Jahresminus von 650.000 Euro entstanden ist, könne sich Harnos bis heute nicht erklären.

„Die Vorgabe heißt: Alles auf den Tisch“, erklärte Reindl. Das soll in Form eines 100-Tage-Programms geschehen. Außerdem soll es im Herbst eine große Klausurtagung geben. „Sozusagen ein runder Tisch“, so Reindl. „Dabei sollen alle zusammenkommen. Die Ligen, die Profis, die Schiedsrichter, die Landesverbände, Vertreter der Nationalmannschaften. In Gruppen sollen dann die Probleme aus dem Inneren des Sports aufgearbeitet werden.“ Basis ist freilich die finanzielle Stabilisierung des Verbandes.

Als langfristige Vision nennt Reindl das Jahr 2026. Bis dahin soll sich das deutsche Eishockey so aufstellen, „um eine realistische Medaillenchance zu haben. Die Fragen heißen: Was müssen wir tun? Was kostet das? Woher bekommen wir das Geld?“ Ein mittelfristiges Ziel, die Teilnahmen an den nächsten Olympischen Winterspielen, ist freilich wohl nur noch über den Umweg eines Qualifikationsturniers zu erreichen. „Wir sind in der Weltrangliste so weit abgerutscht, dass eine direkte Qualifikation kaum realistisch ist“, so Reindl.

Zudem laufen noch die Gespräche mit dem Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) und dem Bundesministerium des Innern (BMI) über die Fortführung der Förderung. Uwe Harnos, der vor der Sitzung erklärt hatte, nicht mehr als DEB-Präsident zu kandidieren, drückte aber seine Hoffnung aus, dass die bisherige Förderung auch in den kommenden vier Jahren fortgeführt wird. „Eine Entscheidung steht noch aus. Aber so ist mein Eindruck aus den Gesprächen“, so Harnos.

Eine weitere Baustelle ist die Doppelfunktion von Pat Cortina als Bundestrainer und Sportdirektor. „Pat ist selbst nicht glücklich damit. Wir werden da eine Lösung finden“, erklärte der neue DEB-Präsident.

Berthold Wipfler betonte, dass sich der DEB „von der WM-Abhängigkeit lösen muss“. Der Verband muss sich unabhängig von der ohnehin unsicheren WM-Vergabe finanzieren. Wipfler nimmt dabei auch die Vereine in die Pflicht. Daniel Hopp erklärte, dass auch die DEL und die DEL-Club ihren Beitrag leisten müssen. Wir müssen nachhaltig unabhängig von den Weltmeisterschaften sein.“

Marc Hindelang bedauerte den „Riss“, der tags zuvor durch die Landesverbände ging und erklärte so seine Kandidatur: „Man hat den Landesverbänden den Posten im Präsidium angeboten. Da können wir uns dann nicht rausziehen.“

Die 100-Tage-Phase beginnt. Danach soll der Ist-Zustand bekannt sein. Eine spannende Zeit für den Deutschen Eishockey-Bund.