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Weil die Deutsche Eishockey Liga ihren Namen verdientAuszug aus dem Buch "111 Gründe, Eishockey zu lieben!"

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Einst wurde die Liga gescholten, weil sie ihrem Namen alles andere als Ehre machte. Da wurden deutsche Spieler nicht geschätzt. Die meisten waren nur dazu da, die Kader aufzufüllen, viel Eiszeit er­hielten sie nicht. Gerade einmal 30 Prozent und damit weniger als ein Drittel der Spieler der Deutschen Eishockey Liga kamen aus der Heimat.

Mittlerweile hat sich das Bild grundlegend geändert. Die Liga darf ihren Namen wieder zu Recht tragen. In der Saison 2013/14 hatten 67 Prozent der Spieler einen deutschen Pass, das Verhältnis liegt jetzt bei zwei Dritteln einheimischer Spieler und einem Drittel ausländischer Profis. Schuld an der schlechten Entwicklung Mitte der 1990er-Jahre war das Bosman-Urteil, mit dem 1995 die Arbeitnehmer-Freizügig­keit innerhalb der Europäischen Union klargestellt und bestehende Restriktionen für Ausländer aufgehoben worden sind. Daraufhin wurden Importprofis en masse in die DEL geholt, in manchen Teams gab es am Ende nur noch drei oder vier Deutsche.

Das behindert natürlich die Entwicklung, zumal wenn die Profi­vereine selbst nicht viel Nachwuchsarbeit leisten und sich stattdes­sen auf dem Markt mit fertigen Profis bedienen. Die DEL bemerkte jedoch, dass sie sich damit selbst im Weg steht. Schrittweise wurde die Zahl der Ausländer, die pro Mannschaft spielberechtigt sind, heruntergefahren. Derzeit sind es neun Importspieler, die in einer Partie eingesetzt werden dürfen. Die Kaderstärken liegen etwa bei 25 Spielern pro Mannschaft.Getroffen wurde die Vereinbarung aufgrund einer freiwilligen Selbstbeschränkung, da eine gesetzliche Grundlage mit dem Bos­man-Urteil nicht mehr gegeben ist. Mittlerweile hat sich die DEL damit sogar als Hüter des Heimischen in den größten deutschen Profiligen etabliert. Im Fußball etwa gibt es keine Regelung, eine Quote wird dort abgelehnt. Da im Fußball großer Wert auf Nach­wuchsausbildung gelegt wird, ist das weniger schlimm, es werden genügend Talente produziert, die sich auch so durchsetzen. Aller­dings gehören Ausländeranteile in den Teams von über 50 Prozent eher zur Normalität.

Im Handball besteht ebenso keine Regelung. Hier wird der Ab­wärtstrend der Nationalmannschaft jedoch oft damit in Verbindung gebracht, dass zu viele Ausländer in der Liga aktiv sind. In der Sai­son 2013/14 lag deren Anteil bei knapp 45 Prozent. Auffällig aber war, dass vor allem bei den Spitzenklubs mehr Ausländer unter Ver­trag standen und diese allgemein in der Liga überwiegend Schlüs­selpositionen einnahmen. Im Eishockey hat sich dagegen über die Zeit eine Veränderung dahingehend ergeben, dass vor allem bei den besten Klubs auch die meisten und besten einheimischen Spieler zufinden sind.

Im Basketball überlässt man den Anteil der Ausländer wie im Eishockey nicht dem Zufall. Es wird nach der Quote 6plus6 reg­lementiert, sechs Deutsche und sechs Ausländer dürfen in einer Mannschaft sein. Allgemein soll das einen Anteil von 40 bis 50 Pro­zent deutscher Spieler pro Partie ergeben. Oft aber liegt der Anteil der Ausländer deutlich über 50 Prozent, da Ausländer häufig mehr Spielanteile erhalten.

Die DEL darf also ruhig als vorbildlich betrachtet werden. Ob­wohl natürlich, das muss man auch sagen, schnell eingedeutscht wird. Das heißt, einige Spieler mit ausländischer Ausbildung bemü­hen sich um den deutschen Pass und erhalten den auch weitgehend problemlos. In der Tendenz liegt die Liga in jedem Fall richtig, zu­mal die Nachwuchsförderung bei vielen Vereinen noch immer kein Selbstläufer ist und mancher gern darauf verzichten würde, junge Spieler in die Kader einzubauen. Die Ausländerregelung trägt dazu bei, den Klubs bezüglich ihrer an sich logischen Pflichten etwas auf die Sprünge zu helfen. Demnächst sogar noch mehr, denn bald soll die Zahl der spielberechtigten Ausländer in der DEL pro Team auf acht sinken.

Marcel Stein
111 GRÜNDE, EISHOCKEY ZU LIEBEN
Mit einem Vorwort von Uwe Krupp

288 Seiten | Taschenbuch
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9,99 EUR (D)

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2015