Story: Levente Szuper


Levente Szuper - ein Krefelder Ungar auf NHL-Kurs

"Herr Noack, ich bin Weltmeister geworden!" Jenen Satz, den der damals erst 17jährige Torwart der ungarischen Nationalmannschaft am Telefon nach dem Gewinn der C-WM hervorstieß, gab Rüdiger Noack, der sportliche Leiter der Krefeld Pinguine, schmunzelnd weiter. Weltmeister ist der am 11. Juni 1980 in Budapest geborene Levente Szuper zwar immer noch nicht, aber die Erfolgsleiter wird von dem sympathischen Jungen im Sturmschritt genommen.

"Rookie of the year (Neuling des Jahres)" durfte er sich nach dem Ende der letzten Saison in der OHL (Ontario Hockey League) nennen, und dazu verhalfen ihm rund 40 Spiele bei den Ottawa 67's, einem der prominentesten Teams überhaupt im reichen Junioren-Vereinsangebot Kanadas. "So viele Einsätze habe ich mir nicht einmal erträumt", jubelte jener Teenager, der im letzten Sommer nach einem Engagement bei den Krefelder Junioren sich aufmachte, um im Mutterland des Eishockeys sein Glück zu versuchen. Er wandelt damit auf den Spuren Herberts Vasiljevs', der ebenfalls die Seidenstadt als Sprungbrett "nach drüben" benutzte, bereits in der NHL eingesetzt wurde und in der kommenden Saison vor dem Durchbruch stehen dürfte.

Ungarn und Eishockey sind, gelinde gesagt, zweierlei. "Bei uns ist die ganze Familie eishockey-verrückt", grinst Levente in fast akzentfreiem Englisch. Sein Opa brachte die Liebe zum Pucksport aus Toronto mit, wohin er nach den Unruhen im Jahre 1956 geflohen war. Dort gründete er auch eine Zeitung namens "Sporthirádó", was soviel wie "Sportnachrichten" heisst. Vater und Bruder, die beide auf den typisch ungarischen Namen Géza hören, vererbten quasi ihre Neigung dem jüngsten Spross der Familie. "Im Tor hat keiner gestanden, das war ihnen wohl zu stressig", scherzt der jüngste Nationalspieler in Ungarn Eishockeygeschichte überhaupt.

Der jetzt 19-jährige hatte zunächst schlechte Karten. Denn der eigentliche Plan von Coach Brian Kilrea bestand darin, den jungen Europäer in sogenannten Exhibition-games zu bringen. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass der Mann aus dem Lande der Puszta und des Paprika keinen Fillér (kleinste ungarische Währungseinheit, Anm. d. R.) schlechter war als die sogenannte Nummer eins. "Als Ausländer wird man hier im allgemeinen gut aufgenommen", beurteilt Levente Szuper die Gastfreundschaft der Kanadier positiv. Zwei Ausländer pro Team sind übrigens nur erlaubt, und sein europäischer Mannschaftskamerad ist übrigens Henrik Alfredsson, Bruder des schwedischen Nationalspielers Daniel.

Die B-WM in den dänischen Städten Kopenhagen und Odense ging leider ohne den ambitionierten "Krefelder" Ungarn über die Bühne. Wer weiss, ob die Pusztasöhne überhaupt abgestiegen wären, hätte ein gewisser Levente Szuper zwischen den Pfosten gestanden und nicht der biedere 29-jährige Károlyi Bán von Újpest Dozsa.

Ab 4. September wird der Goalie im Camp des Stanley-Cup-Siegers Dallas Stars erwartet. Schon jetzt funkeln seine Augen. "Wenn ich gut bin, darf ich noch zwei Wochen länger bleiben." Sein Pläne sind ehrgeizig, aber nicht hochgestochen. "Wenn ich in zwei Jahren in der IHL oder sogar in der AHL landen könnte, wäre das schon eine Supersache." Das Wort "NHL" kommt ihm einfach nicht über die Lippen. Als er allerdings jetzt im Sommer daheim weilte, war es dort kaum auszuhalten. "Den ganzen Tag über klingelte das Telefon, Zeitungen berichteten seitenlang, die Radiostationen baten um Interviews, das Fernsehen war natürlich auch da. Es war unbeschreiblich", erläutert der blonde Mann seinen turbulenten Aufenthalt in der alten Heimat. Doch er verschweigt keineswegs den Unterschied in der Mentalität zwischen Nordamerikanern und Europäern. "Die Jungens denken an nichts anderes als an Eishockey. Das ist ihr Leben, damit beschäftigen sie sich einfach immer. Sie denken schon so professionell wie in Krefeld zum Beispiel Neil Eisenhut oder Johnny Walker." Ein Wink mit dem Zaunpfahl...

Werner Nieleck

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