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Vorschau auf das Jahr 2000

Januar 2000:

Einige Essener Spieler erhalten schriftliche Abmahnungen. "Die unhöfliche Bande kann nicht einmal vor dem Training tschechisch grüßen. Das lasse ich mir nicht mehr länger bieten", mokiert sich Trainer Benda. Der entrüstete Coach schickt nunmehr seine Nichttschechen zu Privatkursen, damit sie sich das Nötigste für den Haus-, Trainings- und Spielgebrauch aneignen. Für jeden groben Fehler gibt es wie beim Biathlon eine Strafrunde. Schon bald hat der deutsche Nationalspieler Terry Campbell den Spitznamen "Marathon-Mann" weg.

Februar 2000:

Die Revier Löwen sind endgültig weg vom DEL-Fenster. Der Grund: Dem Tabellenletzten in persona Manager Stefan Dittmann steht eine Klage ins Haus wegen Anstiftung zu diversen Delikten wie Landfriedensbruch, Nötigung, unerlaubter Waffenbesitz sowie Menschenraub. Ordner sollen auf der "Fressmeile" im CentrO harmlose Passanten mit vorgehaltener Waffe gezwungen haben, sich die Heimspiele der Löwen anzusehen. Das ist sogar für Ligenleiter Tripcke, der sonst allerhand gewohnt ist, zuviel. Er schließt die rabiaten Löwen aus und ist auch nicht zu erweichen, als sich die Mitglieder sämtlicher Fanklubs (insgesamt rund 14 Personen) zu einer Protestfahrt nach Köln sammeln.

März 2000:

Eine seltsame, aber durchaus wirksame Entscheidung treffen die DEB-Gewaltigen für die Play-off-Begegnungen zwischen der Düsseldorfer EG als Erstem und dem Iserlohner EC als Achtem. Da auch das Rückspiel im Sauerland genau wie das Hinspiel an der Brehmstraße in einer Massenschlägerei endete, werden beide Teams laut Beschluss von Ligenleiter Helmut Bauer in Badehosen auflaufen. Die Regelung findet allerseits Beifall. Die Spieler, die länger nicht zum Einsatz kommen, haben allerdings Probleme, schnell ins Geschehen einzugreifen, denn manche befinden sich bereits in der Anfrierphase. Die Schiedsrichter, die in ihrer gewohnten Kluft auftreten durften, hatten übrigens keine Schwierigkeiten, die Matches über die Runden zu bringen.

April 2000:

Bundestrainer Hans Zach macht sein Versprechen vom Vorjahr wahr und kommt mit einer noch jüngeren Mannschaft zur B-WM nach Oberschlesien. "Alle Buam sind zwar noch entwicklungsfähig, bringen aber sämtliche Grundvoraussetzungen mit", strahlt der Alpenvulkan, den man selten so locker wie in den Tagen von Kattowitz erlebt. "Sie sprechen alle bayerisch, nehmen die Hacken zusammen, wenn sie mit mir reden und tragen samt und sonders einen kurzen Haarschnitt und Lederhosen, wie es sich für deutsche Burschen gehört", nennt der Coach die wichtigsten Kriterien, zu denen dann noch andere kommen wie saubere Fingernägel, Verschmähen der Zigarette usw. Der übrige Tross nickt zu diesen Worten und passt genau auf, dass Zach auch das Nicken mitbekommt.

Mai 2000:

Die Weltmeisterschaft in St. Petersburg übertrifft alle Erwartungen. "So etwas habe ich noch nicht gesehen", urteilt Alt-Journalist Karel Drazdansky aus München, der seine 40. A-WM erlebt. Zwar wird IIHF-Präsident Fasel Opfer eines Hoteldiebstahls, wobei es sehr schwer war, für den kleingewachsenen Schweizer Ersatzhosen aufzutreiben, aber ansonsten läuft alles hervorragend. Ein paar winzige Behinderungen müssen allerdings in Kauf genommen werden. Der Shuttle-Service sowohl für Spieler als auch für Journalisten geht vom Hotelzimmer (Preis für ein Doppelzimmer lediglich 500 Dollar) bis zum reservierten Platz bzw. Kabine. Während des Transfers darf mit keiner Person Kontakt aufgenommen werden. Die russischen Behörden sind nach wie vor Ausländern gegenüber sehr scheu, um es höflich auszudrücken. Zuschauer haben es ein bisschen schwerer: Sie werden zum Beispiel nicht über die Spielorte informiert denn die ursprünglich vorgesehenen Mehrzweckhallen sind abbruchreif und für Veranstaltungen jeder Art gesperrt. In einer Halle findet gerade ein Trödelmarkt für Lebensmüde statt. Weltmeister wurde übrigens Russland vor Weißrussland, der Ukraine und Lettland. Die anderen Mannschaften hatten Schwierigkeiten, rechtzeitig zu den Spielorten zu kommen, weil die Busfahrer weder die Schilder lesen konnten, noch der Sprache mächtig waren. Im Zweifelsfalle wurden die Spiele dann als verloren gewertet.

Juni 2000:

Chris Valentine hat den Negativ-Hattrick geschafft. Nachdem die Düsseldorfer EG nach seinem Weggang als Trainer vor zwei Jahren die DEL verlassen musste und in den "Sumpf" der zweiten Liga abglitt, dies in der Vorsaison auch mit Landshut geschah, wo der Sturz sogar in die dritte Klasse erfolgte, nachdem der Kanadier seinen Trainerposten verließ, passiert ihm nun das gleiche in Mannheim. Jetzt will natürlich keiner mehr den schwarzen Chris als Coach, weil ihm das widerliche Kainsmal des Pleitegeiers anhaftet. Angeblich wurde der 38-Jährige in Harsefeld gesehen, wo er ab der kommenden Saison die 1. Mannschaft verstärken soll. Die Frage des Salärs wurde elegant gelöst. In den Drittelpausen tritt der Hobby-Gitarrenspieler auf und lässt den Hut rundgehen.

Juli 2000:

Riesenenttäuschung bei den Düsseldorfern! Die DEG hat zwar das Finale um die DEB-Meisterschaft gewonnen, aber die DEL-Kommission, bestehend aus Rechtsanwalt Bernd Schäfer III, hat den Alt-Meister trotzdem nicht mit der heißbegehrten Lizenz versehen. "Das Stadion ist abbruchreif", äußert sich der Kölner Multifunktionär, "den Besuch dieser Räuberhöhle können wir Fans aus anderen Städten nicht zumuten, besonders nicht denen aus Köln. Die sind etwas anderes gewohnt." Für Pressesprecher Hansi Sültenfuß bricht eine Welt zusammen. "Ich sage ja: an allem sind die Kölner schuld", schluchzt der rüstige Rentner. Stattdessen werden die Hamburg Crocodiles aufgenommen. Sie haben zwar kein Stadion in der Hansestadt, weichen dafür aber nach Kiel in die Ostseehalle aus. So ganz haut das mit dem Austausch des Bodens allerdings nicht immer hin; die Handballer klagen schon bald über Frostbeulen.

August 2000:

Zu Beginn der Saison hat sich der 18-jährige Fernao Eusebio Joaquim Magalhaes da Silva e Pinto, genannt "der Adler", aus einem kleinen Kaff nahe Lissabon um einen Job in der DEL beworben, da er gerade arbeitslos ist. Schon als kleines Kind frischte er sein Taschengeld durch Kartoffelsammeln auf; so wurde sein Blick für das Wesentliche geschärft. Nach kurzem Zögern seitens der Ligenleitung erhält er einen Job als Profi-Torrichter. "Seine Augen sagen alles" nickt anerkennend Schiedsrichterlegende Josef Kompalla, "solche Typen mit einem dermaßen unbestechlichen Blick brauchen wir."

September 2000:

Damit die Sache rund wird und die schöne Zahl 16 zum Zuge kommt, hat die DEL-Aufsicht, bestehend aus dem Kölner Anwalt Bernd Schäfer III, einen zusätzlichen Verein aufgenommen. Es sind die "Regensburg Cathedral Sparrows". Weil die Mannschaft erst spät zusammengestellt werden konnte, gibt das DEL-Schiedsgericht, bestehend aus dem vorgenannten Kölner Bernd Schäfer III, den Oberpfälzern schon einmal einen Bonus von 15 Punkten, und zwar einen Zähler von jedem Konkurrenten. "Ich glaube, wir haben eine salomonische Entscheidung getroffen", freut sich Ligenleiter Gernot Tripcke (Velbert) wie ein Kind. Und damit der Freudenbecher ganz gefüllt ist, konnte auch ein Generalsponsor für die Liga aufgetrieben werden. Es ist der BND (Pullach). Weil alles geheim ist, erscheint der Generalsponsor nirgendwo.

Oktober 2000

Barons-Manager Max Fedra sowie Bayern-Chef Franz Beckenbauer und Sechzger-Boss Karlheinz Wildmoser haben einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. "Jetzt wird die Hütte endlich voll!" jubelt der leidgeprüfte Fedra. Zum nächsten Heimspiel schicken die Fußballchefs nur ihre Ordner in die Olympiahalle, die jetzt aus allen Nähten platzt. Doch schon zu Anfang des Spiels kommt es zu kleinen Nickligkeiten zwischen den Vertretern der verfeindeten Fußballvereine. Der Streit eskaliert immer mehr, bis er in eine handfeste Rauferei übergeht, bei der das Mobiliar samt und sonders den Streithähnen zum Opfer fällt. Stuhlbeinschwingend erwehren sich die Spieler beider Teams, weil das Chaos auch auf die Eisfläche überzugehen droht, den wildgewordenen Kampfhähnen. "Nie mehr Bayern, nie mehr 60!" schwört Fedra, der lieber wieder eine gähnend leere Halle in Kauf nimmt.

November 2000

Wieder einmal müssen die Gerichte Recht sprechen. Zwar wurde der Neu-Moskito Zdenek Prst aus Krnov in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 100 Mark wegen unsportlichen Verhaltens (der "Neue" wollte auf sein geliebtes Pivo auch während eines Spiels nicht verzichten und ließ sich vom Betreuer einen Pappbecher von der Pistenbar holen) verurteilt, hatte allerdings in zweiter Instanz nach einem geharnischten Plädoyer von Moskito-Rechtsanwalt Dr. jur. Vlastimil Hrnec noch einmal Glück. Der strahlende Prst erhält jetzt umgerechnet DM 12,57 noch heraus. "Endlich herrscht Gerechtigkeit", freut sich auch Moskito-Chef Thomas Schiemann.

Dezember 2000

Weihnachtszeit, Zeit des Besinnens, des Friedens. Gernot Tripcke, bekannt für seine verbalen Schnellschüsse in Sachen Rechtsprechung, amnestiert im Alleingang sämtliche Sünder. "Alle sollen sich auf das Fest freuen, keiner soll traurig sein", strahlt der Mann mit der juristischen Vorbildung, die man ihm nicht immer anmerkt. Doch mit dem Frieden ist es jetzt endgültig vorbei! Geharnischte Proteste von allen Seiten versauen der ganzen DEL-Szene die Weihnachtsfreude.

Werner Nieleck

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