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„Schnell und schlau“Tobias Rieder im Hockeyweb-Interview

Tobias Rieder nach einem von ihm erzielten Empty-Net-Goal. (Foto: dpa)Tobias Rieder nach einem von ihm erzielten Empty-Net-Goal. (Foto: dpa)

Hallo Tobias, wo erreichen wir dich gerade?

Ich bin auf dem Weg zum Flughafen: Wir hatten heute Nachmittag noch ein kurzes Training, jetzt geht es zum Flughafen zum Auswärtsspiel nach San Jose.

Das ist euer erstes Spiel nach der All-Star-Pause. Wie war es, mitten unter der Saison ein paar Tage frei zu haben?

Sehr schön! Ich habe zwar, ehrlich gesagt, gar nicht so arg viel gemacht, aber deswegen war es auch sehr erholsam. Drei Tage hatten wir ganz frei, die restlichen Tage hatten wir Training. Aber da wir nicht gespielt haben und dementsprechend auch nicht reisen mussten, konnte ich die Zeit gut nutzen, um zu entspannen – und jetzt wieder Gas zu geben.

Im Moment ist der Abstand auf den letzten Play-off-Platz relativ groß, was rechnest du dir noch aus?

Es wird natürlich schwer, da noch was zu reißen, aber wir denken im Moment gar nicht so sehr an die Tabelle und die Punktedifferenz, sondern versuchen, von Spiel zu Spiel denken und möglichst in jeder Partie zu punkten. Aber in dieser Liga ist das nicht einfach, weil wir gegen viele gute Teams spielen.

Nach dem Abgang einiger altgedienter Spieler wie Yandle und Vermette scheint es so, als hättet ihr einen festen Kern junger Spieler, der demnächst oben angreifen soll. Gibt es da eine Vorgabe oder eine Strategie seitens der Vereinsführung, wann das der Fall sein soll?

Naja, das ist eigentlich eine Frage für das Management. Uns wäre es recht, wenn wir noch in diesem Jahr in die Play-offs kommen, aber wir wissen, wie schwierig das wird. Aber der Kern der Mannschaft steht und mit dem wollen wir möglichst viele Spiele gewinnen – in der zweiten Hälfte dieser Saison und auch danach.

Wie sieht deine Rolle im Gebilde Arizona Coyotes aus?

Derzeit spiele ich mit Martin Hanzal und Radim Vrbata im ersten Sturm. Meine Aufgabe ist letztlich ganz einfach: Tore schießen und so wenig wie möglich Tore kassieren. Das Schwierige ist, dabei die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Offensiv hat es bei mir persönlich zuletzt ganz gut geklappt, aber wir kriegen insgesamt zu viele Tore und dann wird es eben schwer, Spiele zu gewinnen.

Woran arbeitet ihr konkret, um das zu verbessern?

Das lässt sich nicht auf einen bestimmten Bereich begrenzen, denn das betrifft die Verteidiger genauso wie die Stürmer. Wir müssen einfach als Mannschaft versuchen, besser zu verteidigen. Wenn uns das gelingt haben wir noch die Chance, in dieser Saison erfolgreich zu sein.

Jetzt geht es gegen San Jose, eines der besten Teams in der Liga, bei denen Legenden auf dem Eis stehen wie Joe Thornton, Joe Pavelski oder Patrick Marleau. Ist es für dich noch etwas Besonderes, gegen solche Leute zu spielen?

Nein, eigentlich nicht mehr. In der NHL spielen die Besten der Welt, da spielst du fast jeden Tag gegen großartige Spieler. In meinem ersten Jahr war das noch etwas anders, aber mittlerweile ist das Alltag für mich.

Stichwort große Spieler: Wie ist es für einen Spieler mit deiner Statur (1,80 m, 84 kg), gegen einen Hünen wie Brent Burns in den Zweikampf zu gehen, der fast zwei Meter misst?

Das Entscheidende ist dabei, in der richtigen Position in den Zweikampf zu gehen, dann geht es eigentlich ganz gut. Wichtig ist, dass ich den Gegenspieler im Blick habe und nicht unvorbereitet getroffen werde. Da heißt es für mich, schlau zu sein, wenn ich an der Bande ins direkte Duell mit einem Gegenspieler gehe. Durch meinen Speed gelingt mir das aber ganz gut.

Ein TV-Kommentator hat eines deiner Tore mir den Worten kommentiert: „This was a goal scorer’s goal“...

…Echt? Sehr schön. (lacht)

Würdest du also „schnell und schlau“ als deine Stärken sehen?

Ja – und ich kann das Spiel ganz gut lesen. Dadurch stehe ich häufig richtig und kann mir meine Chancen erarbeiten.

Du hast vorhin berichtet, dass du zur Zeit im ersten Sturm mit Martin Hanzal und Radim Vrbata spielst. Nun werden in Nordamerika die Sturmreihen generell etwas häufiger umgestellt, als wir es in Europa kennen. Viel Zeit, euch aufeinander einzuspielen, hattet ihr bei dem engen Spielplan vermutlich nicht.

Das stimmt, aber zum einen kenne ich die beiden ganz gut und es ist generell so, dass das Niveau aller Spieler so gleichmäßig hoch ist, dass es nicht schwer fällt, sich aufeinander einzustellen, auch innerhalb kurzer Zeit. Diese Flexibilität wird von den Spielern einfach erwartet. Auch wenn wir zwischen den Spielen oft nur wenig Zeit haben, müssen wir neue Dinge, die uns die Coaches vermitteln, schnell umsetzen.

Wie fühlt es sich eigentlich an, in der Wüste Eishockey zu spielen?

Mir gefällt es gut, wir haben immer schönes Wetter und ich kann in kurzer Hose zum Stadion fahren. Schade ist nur, dass unsere Arena manchmal nicht so arg gut besucht ist. Aber das liegt sicher auch daran, dass wir im Moment einfach nicht so dastehen, wie wir uns das selbst wünschen. Es gibt aber einen festen Kern von Fans, der uns immer unterstützt.

Im eiskalten Edmonton spielt Leon Draisaitl eine überragende Saison, Korbinian Holzer hat für die Ducks kürzlich sein erstes Tor geschossen, Thomas Greiss ist die neue Nummer eins der Islanders – es läuft derzeit ganz gut für die deutschen Spieler in der Liga. Wie siehst du das?

Das ist natürlich eine tolle Sache und sagt auch etwas über die Qualität des deutschen Eishockeys aus, auch wenn diese immer wieder mal in Frage gestellt wird. Ich muss jetzt nur leider Schluss machen, weil wir jetzt gleich einchecken.

Dann vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, einen guten Flug nach San Jose und viel Erfolg beim Spiel!

Nachtrag: Die Coyotes waren tatsächlich erfolgreich in Kalifornien. Mit dem 2:2 nach regulärer Spielzeit sicherte sich das Team von Tobias Rieder einen Punkt gegen die Sharks. In der Verlängerung hatte Rieder kurz vor Ende die Riesenchance bei einem 2:1-Konter, das Spiel zu entscheiden. Mit einer der schönsten Paraden der Saison verwehrte Sharks-Goalie Martin Jones dem gebürtigen Landshuter das Siegtor. Sturm-Kollege Vrbata machte es dann im Penalty-Schießen besser und brachte den Coyotes auch noch den zweiten Punkt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag geht es dann gegen die Montreal Canadiens. Gerüchten zufolge ist das Team aus Kanada an Vrbata interessiert.

Die Entscheidung, ob Rieder bei der kommenden Eishockey-Weltmeisterschaft für Deutschland auflaufen wird, fällt nach Auskunft der Arizona Coyotes erst im April. Entscheidend hängt dies natürlich von seiner Fitness nach einer langen Saison ab – und davon, ob die Koyoten noch die nötigen Punkte für eine Play-off-Teilnahme erbeuten.