Viele hatten Jágr schon abgeschrieben, als er damals, 2008, die New York Rangers und die NHL verließ und in die KHL zu Avangard Omsk wechselte. Doch nach gerade einmal drei Jahren in der russischen Liga kam zum 1. Juli 2011 die Rückkehr des Seniors in die Nordamerikanische Profi-Liga (Hockeyweb berichtete). Schon vorher wurde viel über einen Wechsel Jágrs in die NHL gemunkelt und für viele Experten hätten Detroit und Pittsburgh das Rennen um den Flügelstürmer gemacht, doch schon fast etwas überraschend setzte er dann unter den Vertrag der Philadelphia Flyers seine Unterschrift.
Ausgerechnet beim größten Konkurrenten seiner ersten NHL-Station heuerte Jágr im Sommer 2011 im Alter von 39 Jahren an. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon längst alles gewonnen, was es im Eishockey-Sport zu gewinnen gibt. Neben der begehrtesten Team-Trophäe, dem Stanley Cup, den er bereits in seinen ersten beiden NHL-Jahren gewann, holte Jágr auch olympisches Gold, so wie die Gold-Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Daneben kann er zahlreiche All Star-Nominierungen, Ehrungen zu Tschechiens Spieler des Jahres und MVP-Awards vorweisen. Des Weiteren kann der in Kladno, Nähe Prag, aufgewachsene Jágr auch noch diverse andere Trophäen, wie zum Beispiel die Art Ross-Trophy der NHL, sein Eigen nennen.
Nicht nur auf Grund des hohen Alters, sondern auch auf Grund des vielleicht gestillten Siegeswillen, war Jágrs Rückkehr in die NHL ein Wagnis. Doch dem Tschechen gelang es, seine Kritiker und Skeptiker mit insgesamt 62 Punkten im Laufe der vergangenen Saison zum Schweigen zu bringen. Natürlich ist er auf dem Eis nicht mehr der, der er einmal war und erkennt selbst, dass er nicht immer mit der Schnelligkeit des aktuellen Eishockeys mithalten könne. Dennoch zaubert Jágr dann doch hin und wieder Traumpässe aus dem Ärmel, die einem als Zuschauer das Atmen vergessen lassen. Sein neuer Manager, Joe Nieuwendyk, Dallas Stars, hat das erkannt und gibt nach dem Wechsel Jágrs an, dass der Tscheche noch immer zu den Großen im Eishockey zähle und auch wenn er gerade bei der 4:0-Klatsche in der zweiten Play-off-Runde gegen New Jersey kaum in Erscheinung trat, so lieferte Jágr mit einem dritten Platz in der Flyers-Sorerliste hinter Groux und Hartnell doch kräftige Argumente zum Kauf ab.
Gleich 21 der insgesamt 30 NHL-Teams gaben zu Beginn der Transferperiode ein Angebot für den Stürmer ab, der liebend gerne nach Kanada gegangen wäre. So gab er kurz nach seinem Wechsel zu den Dallas Stars auf einer Pressekonfernz an, dass er schon immer einmal in Kanada spielen wollte und Montréal dabei sein Ziel gewesen sei, allerdings hatte man wohl bei den Canadiens als eine der wenigen Ausnahmen kein Interesse an dem 40-Jährigen. Daraufhin entschied sich Jágr für den Staat Texas, in dem er, dank der nicht vorhandenen Einkommenssteuer, die kompletten 4,5 Millionen Dollar auf sein Konto erhält. Nun soll er die Stars wieder in die Play-offs führen, ein Ziel, dass man in Dallas seit 2008 nicht mehr erfüllen konnte.
Dabei wird es mehr auf dem Mann neben als auf dem Eis ankommen. Jágr hat im Laufe seiner NHL-Karriere einen Wandel durchlebt, der ihm jetzt so viel Respekt einbringt. Die Star-Allüren und Streitsucht der früheren Tage hat er abgelegt, Streitigkeiten wie im Jahr 2000 mit Mario Lemieux, die ihn den Verein gekostet hatten, gehören der Vergangenheit an. Auch wenn er wie im Winter Classic-Spiel 2012 der NHL am Ende nicht einmal acht Minuten auf dem Eis stand, beschwert er sich nicht und fordert mehr Einsatzzeit, sondern weiß, dass es seine Aufgabe ist, den jüngeren Spielern im Team etwas beizubringen. Die Frage nach dem „Warum?“ braucht man Jágr nicht stellen: “Weil ich das Spiel liebe.”










