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Edmontons Leader Leon Draisaitl: Vom Talent zum TopscorerVorschau auf Spiel zwei der Serie Ducks gegen Oilers

Leon Draisaitl (2. von links) ist derzeit in beeindruckender Form. (Foto: dpa/picture alliance/AP Photo)Leon Draisaitl (2. von links) ist derzeit in beeindruckender Form. (Foto: dpa/picture alliance/AP Photo)

Die Statistiker haben nicht lange gebraucht, um Leon Draisaitls Performance im ersten Spiel der Conference-Halbfinalserie einzuordnen: Er war der erste Spieler der Oilers, dem es gelang, vor seinem 22. Geburtstag vier Punkte in einer Play-off-Begegnung zu machen, seit dies anno 1982 ein schmales Bürschlein aus Brantford, Ontario schaffte. Den passenden Spitznamen hatten die Kommentatoren im US-Fernsehen auch gleich parat: The German Gretzky.

Wer den bodenständigen Leon Draisaitl ein bisschen kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie er darauf reagieren würde. Es ehre ihn zwar, aber Gretzky sei nun mal der Allergrößte, und mit ihm wolle er sich nicht vergleichen. So oder ähnlich würde er sich vermutlich äußern und so gehört sich das auch, aber festzuhalten bleibt: Der Begriff Break-Out-Season – oder zu Deutsch Durchbruch – ist für das, was Leon Draisaitl diese Saison erreicht hat, noch untertrieben. In der Hauptrunde war er mit 77 Punkten siebtbester Scorer der gesamten Liga, nebenbei hat er noch Marco Sturms Punkterekord für deutsche Spieler in der NHL pulverisiert. In Edmonton ist er einer der Anführer und hat entscheidenden Anteil daran, dass die Oilers nach elf Jahren wieder eine Play-off-Serie gewonnen haben beim 4:2 gegen die San Jose Shares. Und dass sie gegen die Anaheim Ducks zu Wiederholungstätern werden, ist nicht ausgeschlossen.

Beeindruckend für einen Spieler, der zu Anfang der Spielzeit 2015/16 eine bittere Pille schlucken musste und in die Minors geschickt wurde. Im Farmteam sollte er sich bewähren und an die Rolle als Führungsspieler gewöhnen. „Natürlich habe ich das im ersten Moment nicht verstanden. Aber in der Rückschau muss ich sagen, dass es sich gelohnt hat und ich die die Zeit gut nutzen konnte“, sagte Draisaitl vor einigen Wochen im Gespräch mit Hockeyweb.de. Schon damals stand sein großes Talent außer Frage, aber vielleicht hat er durch diesen kurzen Rückschritt gemerkt, dass dies allein nicht ausreicht und seither noch härter an sich gearbeitet. Das Ergebnis kann man in dieser Saison und vor allem in den letzten drei Spielen, seit er seine offensichtliche, aber nicht offiziell bestätige Erkältung überwunden hat, bewundern: Im entscheidenden Spiel gegen die Sharks zog er mit beachtlichem Speed zum Tor, schüttelte Verteidiger Braun ab wie eine lästige Fliege und schloss ganz cool ab. Gegen Anaheim schoss er die Scheibe aufs Tor und bereitete so den Weg für das „Secondary Scoring“ durch Mark Letestu, wartete geduldig, bis Adam Larsson in Position gelaufen war um ihn punktgenau anzuspielen und schaltete in den Schlusssekunden blitzschnell um und spielte Kollege Milan Lucic frei, der die Höflichkeit erwiderte und Draisaitl das Empty-Net-Goal schenkte. Noch dazu verhinderte er zwei Minuten vor dem Ende den Ausgleich durch Anaheims Richard Rakell, als er den Schweden im richtigen Moment entscheidend daran hinderte, die Scheibe nach einem Abpraller von Oilers-Goalie Talbott ins fast leere Tor zu schieben.

So spielen Champions. Wenn er und seine Mannschaftskameraden es auch im zweiten Spiel heute Abend schaffen, den Anaheim Ducks ihr Tempo-Spiel aufzuzwingen, vor allem in Überzahl so effizient zu bleiben und weiterhin Torschützen wie Larsson, Desharnais, Letestu oder Kassian aus dem Hut zaubern, die als Rollenspieler entscheidende Tore schießen, könnte es klappen, dass sie sich auch Spiel zwei in Anaheim holen. Das werden die Enten mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Und wie gefährlich sie sein können, haben sie auch im ersten Spiel gezeigt, als sie in nicht einmal 90 Sekunden mit einem Doppelschlag zum zwischenzeitlichen 3:3 ausglichen.