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Der Weg von Leon Gawanke in die NHLInterview

Neben normalen Skating-, Schuss- und Laufübungen, werden die anwesenden Spieler auch im Fitnessraum auf Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer getestet. Auch der Umgang mit Presse und Sozialen Medien wird hier angesprochen. In dieser frühen Phase des Camps sind ausschließlich die gedrafteten sowie einige eingeladene Spieler anwesend. Die NHL-Stars um Dustin Byfuglien, Mark Scheifele, Blake Wheeler, Patrik Laine und Co. stoßen erst im späteren Verlauf des Camps dazu.

Nach dem Development Camp entscheiden die Jets-Offiziellen ob sie die Spieler (vorübergehend) im NHL-Team behalten, in die AHL zum Farmteam (Manitoba Moose), zu deren Farmteam in die ECHL (Tulsa Oilers) oder zurück zu den jeweiligen Junioren-Teams schicken. Eingeladene, ungedraftete Spieler werden in der Regel zurück zu ihrem letzten Team geschickt, sofern sie keinen Vertrag der Jets angeboten bekommen.

Mit im Development Camp sind einige andere Spieler, die es zu beobachten gilt. So trifft Leon Gawanke dort unter anderem auf seinen 22-jährigen Landsmann aus Augsburg, Nico Sturm. Sturm, dessen Brüder Timo und Dennis ebenfalls in Augsburg das Eishockey spielen erlernt haben, wurde nicht wie Leon Gawanke gedraftet. Trotzdem erhielt er nach guten Leistungen bei den Clarkson University Golden Knights und zuvor bei Tri-City Storm eine Einladung, sich im Camp der Winnipeg Jets zu präsentieren.

Ein Spieler, dem Eishockey bereits in die Wiege gelegt wurde, ist Brendan Lemieux. Sein Vater ist das ehemalige NHL-Raubein, der viermalige Stanley-Cup-Gewinner Claude Lemieux. Wie der Vater so lässt auch der Sohn gerne mal die Fäuste für sich sprechen. Brendan hat bereits Erfahrung in der OHL und der AHL und versucht sich nun, wie jeder Spieler im Development Camp, für einen Platz im NHL Kader der zu empfehlen.

Ein weiterer Spieler, den man im Auge behalten sollte, ist der 20-jährige Michael Spacek, der schon mit 17 Jahren für Pardubice in der Extraliga in Tschechien aufs Eis ging. Nach dem er seine Junioren-Karriere bei den Red Deer Rebels (WHL) abgeschlossen hatte, unterschrieb er einen Entry-Level-Contract bei den Jets und kam dort auch schon zu vier Einsätzen bei deren AHL-Farmteam, den Manitoba Moose.

Leon Gawanke, der 2016 den Schritt nach Nordamerika wagte, kam in seiner ersten Saison bei den Cape Breton Screaming Eagles (QMJHL) in 65 Spielen auf respektable 36 Punkte.  Zuvor spielte er in der DNL bei den Eisbären Berlin Juniors.

Leon stand uns nach dem Training für ein Interview zur Verfügung:

Hallo Leon, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Was machst Du gerade?

Klar, kein Problem. Ich bin gerade ins Hotel zurückgekommen vom Training.

Du wurdest an 136. Stelle von Winnipeg gedraftet. Wie darf man sich das vorstellen? Sitzt man auf der Couch und wird angerufen oder erfährt man es von Freunden oder wie läuft das Ganze ab?

Ich war gerade auf einem Geburtstag von einem Freund und wir haben den Draft alle gemeinsam geguckt. Dann hat mich mein Berater, der beim Draft in Chicago war, angerufen und mir gesagt, dass mich Winnipeg gerade gezogen hat. Bei uns war aber das Internet langsamer und so habe ich es dann durch meinen Berater erfahren.

Bestand schon vorher Kontakt zu den Jets oder anderen Teams bzw. wusstest Du, dass die Jets Dich nehmen wollen?

Ja, ich habe mit einem Scout der Jets während der Saison gesprochen nach einem Spiel von uns, aber ansonsten gab es vor dem Draft nicht wirklich Kontakt. Und nein, das wusste ich nicht. Das weiß eigentlich keiner, wer wen ziehen wird.

Du wurdest im CHL Import Draft von Cape Breton ausgewählt und hast anschließend den Schritt über den großen Teich gewagt. War es von Anfang an dein Ziel, nach Nordamerika zu gehen?

Mein Traum war es schon immer, eines Tages in der NHL spielen, und ich wusste, um die besten Chancen zu haben auf mich aufmerksam zu machen, muss ich in Nordamerika spielen. Also kann man so sagen, es war schon immer mein Ziel, in Kanada Eishockey zu spielen.

Wie gingen Deine Familie und Freunde damit um?

Meine Familie stand mir immer zur Seite und war eine große Stütze für mich, auch wenn es mir mal nicht so gut ging. Natürlich waren sie am Anfang ein wenig traurig, dass ich jetzt nicht mehr jeden Tag da bin, aber am Ende hat die Freude, dass ich meinem Traum somit wieder ein Stück näher komme, überwogen für sie. 

Wie sieht das Leben dort aus? Bist Du bei einer Gastfamilie untergebracht? Als einer von nur zwei Europäern im Team, wie kommt man da mit dem Lebensstil und der Sprache klar?

In Cape Breton bin ich bei einer Gastfamilie untergebracht. Am Anfang gab es natürlich ein paar Schwierigkeiten mit der Sprache, aber da hat man sich schnell eingefunden und gut angepasst und jetzt macht es wirklich Spaß dort zu leben. 

Wie geht es in Zukunft weiter, wirst Du zu den Trainingscamps eingeladen? Gibt es eine Absprache mit den Jets?

Ich bin derzeit beim Development-Camp der Jets. Darüber, wie es danach weitergeht, habe ich noch keine Informationen.

Wie ist Dein bisheriger Eindruck vom Development Camp? Kannst Du mithalten?

Die ersten Tage waren sehr hart, da wir sehr viel getestet wurden, auf und neben dem Eis. Es ist eine Super-Erfahrung und bringt mich auf jeden Fall weiter und ich lerne viel dazu.

Auf welchen Spieler freust Du Dich in der NHL am meisten? Sei es als Mitspieler oder als Gegenspieler.

Da ich nicht davon ausgehe, dass ich nächstes Jahr schon in der NHL spiele, habe ich mir darüber ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht.

Wie sind Deine Kollegen im Camp? Ich denke da an Brendan Lemieux, der ja auch schon in der AHL gespielt hat; oder Michael Spacek, dem ja auch großes Talent nachgesagt wird.

Die sind alle nett und freundlich und helfen einem auch, also passt alles.

Mit Nico Sturm hast Du auch einen deutschen Mitspieler im Camp mit dabei. Kanntet Ihr Euch vorher? Erleichtert Dir seine Anwesenheit das Camp?

Nein, wir kannten uns nicht. Aber klar ist es schön, wenn man jemanden hat, mit dem man auch mal Deutsch sprechen kann.

Vielen Dank Leon für das Interview. Wir werden deinen Karriereverlauf weiter beobachten und auch darüber berichten. Alles Gute für die Zukunft.

Gerne, vielen Dank und bis bald.