Eishockey Nachwuchs - DNL

13.03.2012

Die deutschen Nachwuchs-Stürmer in Finnland

Aus Liebe zum Jääkiekko

von Friedhelm Thelen

Eric Strieska und Reto Schüpping haben die erste Saison im Nachwuchs des finnischen Clubs Saipa Lappeenranta hinter sich gebracht. So ist es den beiden deutschen Spielern ergangen.


Reto Schüpping (links) und Eric Strieska haben sich in Lappeenranta bestens eingelebt - und vor allem auch weiterentwickelt. (Foto: privat)

So richtig ist die Saison in Finnland nie zu Ende. In Lappeenranta, einer finnischen Stadt mit rund 72.000 Einwohnern gibt es fünf Eishallen. Eine davon hat fast durchgehend Eis. So ist das eben im Land des Weltmeisters. Das nutzt freilich auch der Nachwuchs von Saipa Lappeenranta. „Wir haben nur drei Wochen frei“, sagt Reto Schüpping. Reto ist 16, Eric Strieska 17 Jahre alt. Beide haben sich zu Beginn der Saison auf ein Abenteuer eingelassen. Eishockey im Ausland. Aber eben nicht irgendwo. Nicht dort, wo Englisch gesprochen wird, was jeder deutscher Schüler mehr oder weniger gut verstehen sollte. Sondern eben in Finnland. Dort, wo Eishockey „Jääkiekko“ heißt.

Nun haben Eric und Reto ihre erste Saison hinter sich gebracht. Und am Ende war es für beide ein großer Erfolg. Ein Jahr, das die beiden Stürmer nach vorne gebracht hat. Und dennoch klingt es schwer, als junger deutscher Spieler in ein finnisches Team zu kommen. „Es war am Anfang sehr komisch und natürlich auch ein bisschen fremd, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles“, sagt Eric. Die Art des Eishockeys in Finnland ist freilich auch anders. „Das finnische Eishockey ist beispielsweise viel schneller. Daran muss man sich gewöhnen“, berichtet Reto. Wenn man sich eingelebt hat, geht es aber auch vorwärts. „Ich denke, dass ich mich sehr steigern konnte.“

Das neue Umfeld verlangte von den beiden deutschen Teenagern freilich auch einiges ab. „Also am Anfang“, sagt Eric, „klar, da heißt es, anderes Land, andere Sitten. Aber man muss sich einfach unterordnen. Man ist Fremder in einem anderen Land und man muss sich anpassen. Dann bekommt man auch keine Probleme“, erinnert sich Eric. „Jeder ist ein bisschen misstrauisch, wenn man so ein fremdes Gesicht sieht“, beschreibt er den Anfang der Zeit der beiden Deutschen in Lappeenranta. „Dazu kommt noch, dass jeder um seinen Platz kämpfen muss und da hört manchmal auch die Freundschaft auf, aber mittlerweile habe ich meine Position im Team erkämpft und habe als Top-Torjäger die Saison bei den B-Junioren beendet.“

Die beiden Jungs verschweigen nicht, dass es nicht von Anfang an rund lief. „Zu Weihnachten ging es schon bergab“, erklärt Reto. Das kann auch Eric bestätigen. „Also am Anfang lief es für mich persönlich richtig mies, aber mit der Zeit  und dem Glauben an sich selbst klappt es. Der Wille, irgendetwas mit sich zu machen, ist der Schlüssel.“ Mit der ungewohnten und auch schwierigen Situation kamen die beiden offenbar gut zurecht. „Am Anfang war es schwierig auf den langen Busfahrten zu den Auswärtsspielen. Da haben Eric und ich miteinander gesprochen. Ansonsten haben wir vor allem viel aus dem Fenster geschaut und gedacht, es wäre schön, wenn man noch mehr Leute hätte, mit denen wir reden könnten.“ Heimweh haben die beiden aber offenbar nicht entwickelt. „Dazu hätte ich unglücklich sein müssen. Und das war ich nie“, sagt Reto.

Und so ging es mit der Zeit richtig vorwärts mit den beiden. Reto war zunächst – als jüngerer der beiden – bei einer Gastfamilie untergebracht. Eric lebte von Beginn an in einem Apartment. Zunächst mit einem Mitbewohner, der aber im November ausgezogen ist. „So habe ich eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung komplett für mich alleine und kann mich perfekt zurückziehen, wenn ich es brauche. So kann ich mich auf das konzentrieren, weswegen ich nach Finnland gekommen bin – und das ist Abitur und Eishockey.“ Freunde haben die beiden auch gefunden. „Natürlich hängen Eric und ich viel miteinander rum“, sagt Reto. „Natürlich ergeben sich aber auch viele Freundschaften. Ob weiblich oder männlich. Die Deutschen kennt jeder in Lappeenranta. Das hat Vorteile und auch Nachteile. Aber es war nicht schwer, Freunde zu finden“, so Eric.

Um auch schulisch weiterzukommen, besuchen Reto und Eric eine internationale Schule, in der der Unterricht komplett auf Englisch abläuft. Ihr Finnisch wollen die beiden im kommenden Jahr perfektionieren. „Zunächst ging es erst mal darum, alles andere hinzubekommen“, so Reto. Aber dennoch haben sie schon einiges aufgeschnappt. „Was auf dem Eis wichtig ist, kriegen wir schon hin“, sagt Reto. Schuss. Pass. „So was verstehen wir mittlerweile. Auch wenn der Trainer Übungen erklärt, verstehen wir schon einiges, bevor wir es noch einmal auf Englisch gesagt bekommen.“ Eric ergänzt: „Ich sag mal, 25 Prozent Finnisch und 75 Prozent Englisch. Aber wir lernen weiter fleißig, aber die Basissprache, um uns auf dem Eis und privat zu verständigen, ist fortgeschritten. Wir kommen damit relativ gut zurecht.“

So haben sich die beiden auch sportlich weiterentwickelt. Wie bei Eric spiegelt sich das auch bei Reto in den Scorerpunkten in der späteren Saisonphase wider. Aber auch spielerisch auf dem Eis. „Ich denke, ich bin pucksicherer geworden, ruhiger im Kopf, um schnell Entscheidungen zu treffen. Und auch als Playmaker im Powerplay habe ich mich verbessert“, berichtet Reto. Genauso wie Reto hat sich auch Eric aus seinem „Loch“ befreit. Wie? „Der unbändige Wille etwas zu erreichen und die Liebe zu diesem Sport.“ Aufgeben – das war für beide nie eine Option. So hat Eric beispielsweise auch körperlich immer weiter an sich gearbeitet. Und das hat ihn nach sechs Monaten an die Spitze der Scorerliste innerhalb der Mannschaft geführt.

Allzu viel los ist in Lappeenranta freilich nicht. „Die Stadt hat einen schönen Hafen“, berichtet Reto. Ansonsten, erzählt Eric, „gibt es zwei Discos, ein paar Bars und ein großes Einkaufszentrum.“ Der Tagesablauf beinhaltet also vor allem Training, Schule und Eishockeyspielen. Ans finnische Wetter scheint man sich auch gewöhnen zu können. „In Oulu im Norden hatten wir mal –27 Grad, in Lappeenranta waren es mal –23 Grad. Aber krank war ich kein einziges Mal“, augenzwinkert Eric.

Beide wollen in Lappeenranta bleiben. Eric wird dann in die A-Junioren aufrücken, Reto kann noch ein Jahr bei den B-Junioren spielen. „Aber unser Trainer hat mir in Aussicht gestellt, auch schon Einsätze bei den A-Junioren zu bekommen“, so Reto. Eric ergänzt: „Auf eine weitere Zusammenarbeit würde ich mich sehr freuen.“ Und Reto sagt: „Ich kann mir vorstellen, noch einige Jahre hier zu bleiben. Hier gibt es ja auch eine Universität.“ Außerdem: „In Deutschland ist nach der DNL Schluss. Hier in Finnland gibt es noch eine starke U-20-Liga, in der man sich weiterentwickeln kann.“

Die Ziele der beiden? „Klar träumt jeder von NHL oder KHL, aber wichtig ist es, auf der Leiter nach oben kleine Schritte zu machen, sonst könnte man ausrutschen“, so Eric. Über einen Anruf des DEB würden sich die beiden sicher mal freuen. Auslandserfahrung ist nicht das schlechteste. Reto beispielsweise hat auch schon für die Lower Austria Stars in St. Pölten gespielt, wo eine kanadische Eishockeyschule am Spielbetrieb der Alpenrepublik teilnimmt. Eric sagt daher auch: „Natürlich ist es ein Ziel, für die Nationalmannschaft zu spielen.“

Was beiden wichtig ist: Der Dank an ihren Berater Maik Gehrmann. Und an ihre Eltern. „Ohne meine Eltern wäre ich nicht dort, wo ich bin. Solche Eltern, wie ich sie habe, hat nicht jeder. Und das sollte man einfach mal auch öffentlich sagen“, sagt Eric.

Auf einem guten Weg sind die beiden also. Man könnte also sagen: „Hyvin tehty“. Das heißt übrigens: Gut gemacht!

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