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Luchse besiegt, doch das kleine Wunder blieb ausDinslakener Kobras müssen den Umweg gehen

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Die erhoffte Schützenhilfe der Eisadler Dortmund, die sich zeitgleich eine 0:7-Niederlage in Diez-Limburg einfingen, blieb aus. Dennoch waren vor allem die knapp 30 mitgereisten Dinslakener Fans nicht unzufrieden, da sie eine sehr starke Leistung ihrer Mannschaft gesehen hatten, die berechtigte Hoffnungen zulässt, dass die Kobras die Meisterrunde noch „im Nachsitzen“ erreichen.

Es traten gestern an: Bester Sturm der Liga gegen zweitbeste Verteidigung. Die Zuschauer sahen ein typisches Spiel der Luchse gegen die Kobras. Spannung und Dramatik bis zur letzten Sekunde, Schnelligkeit und spielerische Überlegenheit gegen Kampfkraft und unbedingten Siegeswillen. Letztere Attribute setzten sich dann schlussendlich durch und trugen an diesem Abend ein weißes Trikot. Aber es war einmal mehr ein Spiel auf des Messers Schneide zwischen diesen beiden Teams, welches auch zugunsten der Hausherren hätte enden können.

Diesen gehörten die ersten 20 Minuten, die Kobras mussten mehr reagieren, als ihnen lieb sein konnte. Matthias Matysek und Jens Feuerfeil waren im Abschluss zunächst konsequenter als ihre Gegenüber und brachten die Vogelsberger mit 2:0 bis zur 15. Spielminute in Front. Dem Kobra-Anhang schwante zu diesem Zeitpunkt nichts Gutes. Doch weder Mannschaft noch Fans waren nach Hessen gekommen, um lediglich ein Punktelieferant zu sein. Die Kobra-Fans peitschten ihr Team immer wieder mit Schlachtgesängen nach vorn.  Sie schrien und sangen die Lauterbacher Fans an diesem Abend in Grund und Boden und feuerten das Sikorski-Team durchgehend lautstark an. Daniel Pleger schickte mit einem gut getimten Pass Michal Plichta auf die Reise und dieser gab Sebastian Grunewald im Luchse-Gehäuse das Nachsehen. Dass sich dies in der 20. Minute ereignete hatte für den Rest der Begegnung nachhaltige Wirkung.

Denn ab Spielabschnitt zwei zeigten die Kobras wieder das, was sie eigentlich ausmacht: Jeder für Jeden und Aufgeben verboten. Jetzt boten sie den Hausherren nicht nur Paroli, sondern übernahmen auch die Regie des Spiels. Und als Petr Macaj in der 27. Spielminute von der linken Seite der blauen Linie einfach mal draufhielt, hatten die Dinslakener das Glück der Tüchtigen, denn der Schuss, der eher ein Schlenzer war, schlug ohne Berührung von Freund oder Feind ins linke obere Torwarteck ein. Goalie Grunewald zeigte keinerlei Reaktion, immer ein sicheres Indiz, dass ihm völlig die Sicht versperrt war. Dass ein sicheres schnelles Kombinationsspiel einer Mannschaft besonders in Überzahl Vorteile bringt, davon durften dann die Luchse in der 29. Spielminute profitieren. Pierre Wex überwand den an diesem Abend starken Lukas Schaffrath mit dem dritten Treffer. Doch die Gäste ließen aufgrund der positiven Erfahrungen aus der Aufholjagd auch diesmal nicht die Köpfe hängen und belohnten sich ebenfalls mit einem Überzahltreffer. Marvin Linse jagte die schwarze Hartgummischeibe aus zentraler Position zum 3:3 halbhoch in die Maschen, Philipp Heffler hatte dem Defender mustergültig aufgelegt. Die Stadionuhr zeigte 34:23, als die Dinslakener Mannschaft samt Gefolge bei diesem Treffer die Arme nach oben rissen. Im weiteren Verlauf des Drittels erarbeiteten sich beide Teams sehr viele erfolgsversprechende Möglichkeiten, doch die jeweiligen Torhüter schafften es immer wieder, die Tür rechtzeitig zu schließen.

Der Schlussabschnitt hatte es dann noch einmal in sich. Die Niederrheiner erarbeiteten sich schnell leichte Vorteile und wurden bereits in der 42. Spielminute belohnt. In einer Szene drängten sie die Hausherren immer weiter vors eigene Gehäuse zurück und Sven Linda, der seine Eishockey-Abstinenz zum zweiten Mal in dieser Saison unterbrach und in der Defensivabteilung für mehr Stabilität und Aggressivität sorgte, zeigte einmal mehr, wie wertvoll er sein kann, als er Michal Plichta bei dessen zweiten Treffer auflegte. Aus dem Gewühl heraus bugsierte dann der Dinslakener Topscorer den Puck über die Torlinie. Danach ging es erneut minutenlang von rauf und runter, doch beide Verteidigungsreihen leisteten sich bis auf weiteres keinen weiteren Fehler. Bis zur 53. Spielminute. Kurzzeitige Abstimmungsprobleme in den hinteren Reihen bei den Luchsen bestraften Stefan Dreyer und Marvin Linse sofort. Stefan Dreyer erkannte blitzschnell, dass Marvin Linse bei einem Querpass nahezu das leere Tor vor sich haben würde. Und dieser ließ sich bei seinem zweiten Treffer nicht zweimal bitten. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch knapp 8 Minuten zu spielen. Eine Strafzeit gegen die Gäste brachte dann den Spielfluss der Luchse nochmal so richtig auf Touren. Sie legten einen weiteren Gang zu und konnten sich in der 55. Minute durch den Überzahltreffer von Benjamin Schulz belohnen. Und sie ließen nicht nach. Die leicht geschockten Kobras mussten dann nur 1 Minute später sogar den 5:5- Ausgleich durch den quirligen Philipp Maier über sich ergehen lassen. Jetzt rührte die Dinslakener Abwehr aber Beton an und ließ keinen weiteren Treffer mehr bis zur Schlusssirene zu. Das Penaltyschießen ging an Dinslaken.

Unmittelbar nach Spielende merkte man dem Team die Müdigkeit und die Enttäuschung an, nicht die direkte Qualifikation zur Meisterrunde geschafft zu haben. Doch wenn sie in den nächsten Spielen an diese Leistung anknüpfen können, werden sie eines der Teams sein, an dem kein Weg vorbeiführt, wenn man in die Meisterrunde nachrücken will. Einen Wermutstropfen mussten die Dinslakener dann doch über sich ergehen lassen: Tom Goldmann fiel während der Partie mit einer Beinverletzung aus und füllt das Lazarett, in dem sich derzeit Timohy Tanke, Alex Brinkmann und Nikolai Tsvetkov befinden, noch weiter auf. Am Freitag, 13. Januar, 20 Uhr geht es daheim gegen die Soester EG weiter.