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Comeback mit VerspätungWie der Eishockeysport nach Wilhelmshaven zurückkehren soll

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Eishockey in Wilhelmshaven. Wer diesem Sport erst seit neun Jahren zuschaut, wird mit den Schultern zucken. Wilhelmshaven – da gibt es doch nichts. Richtig müsste es aber heißen: Nicht mehr. Denn immerhin kommen Spieler wie Eduard Lewandowski, Boris Blank und Vitalij Aab aus Wilhelmshaven.

Bewegte Geschichte in Wilhelmshaven

2006 nahm letztmals eine erste Mannschaft des EC Wilhelmshaven am Spielbetrieb teil. Danach kam das Aus – zuvor schon finanziell für den EC Wilhlemshaven-Stickhausen (2002) und den Nachfolger EC Wilhelmshaven „Die Jadehaie“ (2005). Der dritte Verein dieses Namens, der EC Wilhelmshaven-Friesland, fiel dem Ende der dortigen Eissporthalle zum Opfer. Nun wurde in Sande, vor den Toren Wilhelmshavens, eine neue Eissporthalle gebaut. Das Problem ist nur – sie ist zu kurz. Dennoch sollte es in dieser Saison schon wieder losgehen. Der nur kurzlebige EC Wilhelmshaven-Friesland wurde wiederbelebt, der Verein meldete für die Landesliga, bestritt ein Testspiel in Bremen – ehe der Landes-Eissport-Verband Niedersachsen sein Veto einlegte. Die Eisfläche in Sande, die ursprünglich nicht als Eishockey-Stadion konzipiert war, misst nur 51 Meter. Der Verband hatte eine Verlängerung um mindestens einen Meter gefordert, wie der EC Wilhelmshaven-Friesland damals mitteilte. Zur Info: Die IIHF-Regeln schreiben eine Länge von 60 (!) Metern vor. Ausnahmegenehmigungen gibt es national – wie in Taucha, wo die Icefighters Leipzig beheimatet sind und die Eisfläche eine Länge von 56 Metern aufweist.

Für die Fans des ECW war es ein Schock. Nach neun Jahren war die Hoffnung da, dass ihr Sport nach Wilhelmshaven – oder zumindest vor die Tore Wilhelmshaven – zurückkehrt. Und nun das.

Eisfläche wird im Sommer verlängert

Und doch bleibt die Hoffnung. Der Eishallen-Betreiber in Sande, Witalij Saitz, war der Initiator einer Neugründung: Der EC Wilhelmshaven-Sande, kurz ECW Sande, soll nun den Eishockeysport unter besonderer Berücksichtigung der Nachwuchsarbeit neu beleben. Auch das sorgte kurz für Ärger. Die Fans, die den alten EC Wilhelsmaven-Friesland zum Testspiel nach Bremen begleitet hatten, verstanden nicht, warum eine Neugründung nötig war. „Es gab Kommunikationsprobleme“, will Tim Winkelmann, früher selbst ECW-Spieler und nun an der Neugründung beteiligt, nicht nachtreten. „Nun ist der Eishallenbesitzer auch der Vereinsvorsitzende. Das macht vieles einfacher.“ Im Sommer wird die Eishalle noch einmal an einer Seite aufgerissen und die Eisfläche dann auch 56 Meter verlängert. Mit 26 Metern in der Breite entspräche die Eishalle Sande in ihren Ausmaßen denen der Fexcom Arena in Taucha, der Heimat des Oberligisten Icefighters Leipzig.

Inzwischen hat der ECW Sande auch die Kommunikation mit den Fans intensiviert. „Das habe ich übernommen, weil ich ja noch viele Leute von früher kenne“, sagt Winkelmann, der selbst im Nachwuchs und der ersten Mannschaft des alten ECW gespielt hat. „Mir ist es daher auch persönlich wichtig, dass wir in der Region Wilhelmshaven wieder Eishockey spielen.“ So nahm er kürzlich Kontakt zu Carsten Taddigs auf. „Er ist eine Fan-Institution in Wilhelmshaven. Er wird neben Michael Scarlatescu als Fanbeauftragter tätig sein“, sagt Winkelmann.

Nachwuchsprojekt: AG für Schüler

Der Verein, so Winkelmann, soll vernünftig aufgebaut werden. Und das beinhaltet Nachwuchsarbeit. Schon jetzt wurde eine kostenlose Eishockey-AG für Schülerinnen und Schüler eingerichtet. Der im norddeutschen Eishockey (und nicht nur dort) bestens bekannte Sergej Jaschin, der auch als Trainer der 1. Mannschaft vorgesehen ist, organisiert das Projekt mit Lehrer Kai Onuscheit.

Testspiel gegen Groningen und „Pond-Hockey-Turnier“

Sportlicher Leiter und damit verantwortlich für die Zusammenstellung der ersten Mannschaft ist Nick Hurbanek, ebenfalls ein alter ECW-Spieler. Nun können sich die Zuschauer und Fans ein Bild von der Entwicklung des Teams machen: Am Freitag, 19.30 Uhr, treffen die neuen Jadehaie – der Spitzname bleibt bestehen – in einem Freundschaftsspiel auf den niederländischen Zweitligisten GIJS Groningen; Veranstalter ist die Eishalle Sande. Der Eintritt kostet im Vorverkauf sechs Euro, an der Abendkasse sieben Euro. Wer aber eine Trommel mitbringt, hat mit einer Begleitperson freien Eintritt. „Rund 1200 bis 1300 Fans finden in der Eishalle Platz“, so Winkelmann.

Am 23. Dezember ist ein „Pond-Hockey-Turnier“ in Sande geplant. Die Eisfläche wird in kleine Felder unterteilt. „Bislang haben sich schon acht Teams gemeldet“, ist Winkelmann begeistert. „Der 23. Dezember ist ein besonderer Tag für uns ehemalige ECW-Spieler. Wir haben uns immer irgendwo Eis gemietet und haben untereinander gespielt.“ Nun soll dieser Tag einen weiteren Schritt markieren – für die Rückkehr des ECW ins Eishockeygeschäft. Die Homepage des Vereins ist unter www.ecw-sande.de zu finden.