Allerdings war zu Beginn seiner Amtszeit als Vereinsvorsitzender ein harter Sanierungsbedarf von ihm zu bewältigen, um diesen Nimbus zu bewahren. Heute, 3 Jahre später, steht der Club auf einem neuen, professionelleren Fundament. Er hat eine Vision von der Zukunft des Eishockeys in Miesbach und wähnt den Club auf einem guten Weg dorthin. So sieht er den TEV heute auch wieder in der Lage, wirtschaftlich in der Oberliga zu bestehen.
Wir stellen Dieter Taffel vor und sprechen mit ihm über die Perspektiven und Probleme des Eishockeys am Traditionsstandort Miesbach sowie seine besondere Sicht auf die ‚Eishockey-Konjunktur’ in Deutschland.
Steckbrief
Alter: 47 Jahre
Geburtsort: München, lebt seit 20 Jahren im Landkreis Miesbach
Familie: verheiratet, 2 Söhne (19, 17 Jahre alt)
Beruf: Handelsfachwirt, Lehrbeauftragter für Sportmanagement und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre u.a. an der FHaM Erding und der Akademie Handel, Geschäftsführer eines Einzelhandelsunternehmens, Berater/ Dozent für Inhouse-Seminare in Handelshäusern
Hockeyweb: Herr Taffel, was führte Sie zum Eishockey? Haben Sie selbst einmal gespielt?
Taffel: „Nein, ich komme eigentlich vom Baseball. Diesen Sport habe ich bei einem Schüleraustausch in den USA lieben gelernt. Und in München zählte ich dann zu den ersten und wenigen Deutschen, die in den 70er und 80er Jahren in der neu geschaffenen Baseball-Bundesliga spielten. Als ich dann hier in den Landkreis zog, waren mir die Wege zu den Baseball-Teams aber zu weit und so wurde Eishockey vor etwa zehn Jahren zu meiner zweiten Leidenschaft. – Hier in Miesbach muß man einfach zum Eishockey gehen.“
Hockeyweb: Und, hat diese Eishockey-Leidenschaft auf Ihre Söhne abgefärbt? Sind Sie ein Eishockey-Papa?
Taffel: „Ja, selbstverständlich: der Große spielt in unserer Junioren- und der ‚Kleine’ in der Jugendmannschaft. Schließlich haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Kinder aus unserer Region zu diesem phantastischen Sport zu führen – das fängt in der eigenen Familie natürlich an [lacht].“
Hockeyweb: Was hat denn zu Ihrem Engagement als Vorstand des TEV Miesbach geführt?
Taffel: „Nun, erst besuchte ich nur die Spiele. Dann bemängelte ich mal den damaligen Web-Auftritt des Vereins, um dessen Verbesserung ich mich dann auch prompt kümmern sollte. Schließlich wurde ich gefragt, ob ich im Vorstand für Marketing und Sponsoring mitarbeiten wollte. Seit 2009 bin ich nun Vorsitzender.“
Hockeyweb: Das klingt nach einem geordneten, schrittweisen Übergang?
Taffel: „Schön wär’s gewesen. Tatsächlich begann mit meiner Amtsübernahme eine gewaltige Sanierungsarbeit. Unser vereinseigenes Eisstadion war marode und hatte einen sechsstelligen Sanierungsbedarf. Im letzten Jahr brach uns die Eisaufbereitungsmaschine zusammen, und wir bekamen plötzlich immense Brandschutzauflagen für unsere Stadiongaststätte – das war nochmal ein sechsstelliger Euro-Betrag, der aufzubringen war. Zudem haben wir vor einem Jahr die Gemeinnützigkeit vorübergehend verloren, einzig wegen Versäumnissen und Unachtsamkeiten in der Rechnungslegung früherer Jahre. Jetzt haben wir auch dieses Problem im Griff und hoffen, die Gemeinnützigkeit in den nächsten Wochen zurückzuerhalten. Sowas passiert eben, wenn man einen Verein wie unseren nicht wie ein Unternehmen führt, sondern immer nur so nebenbei. Und daß über all die Jahre kein Geld ins Stadion gesteckt wurde, lag an der Vorstellung früherer Jahre, man müsse hier auf Teufel komm ’raus mit anderen Teams in der Oberliga mithalten, die dann reihenweise Pleite gingen. Deshalb floß dann jeder Euro in die 1. Mannschaft. Wir machen diesen Irrsinn heute jedenfalls nicht mehr mit, und ich habe den Eindruck, daß bei vielen Clubs jetzt ebenso ein Umdenken in diese Richtung stattgefunden hat.“
Hockeyweb: Wo wir nun schon beim Wirtschaftlichen sind: Wie hoch ist denn Ihr Etat pro Jahr?
Taffel: „Wir geben 250-tausend Euro für den Nachwuchs aus, nur 200.000 braucht unsere 1. Mannschaft und etwa denselben Betrag müssen wir selbst für das Eisstadion aufwenden.“
Hockeyweb: Sie sprechen stets vom ‚wir’. Wer hilft Ihnen denn bei dieser Herkulesarbeit und wie sieht die Aufgabenteilung in Ihrem Führungsteam aus?
Taffel: „Ganz wichtig ist für uns Markus Wieland, der im letzten Jahr hier eine Ausbildung zum Bürokaufmann und nebenbei noch zum Sportfachwirt abschloß und nun als einziger Hauptamtlicher die Geschäftsstelle leitet. Er erledigt die gesamte administrative Arbeit, so daß ich mich auf die Finanzen, Gespräche mit Banken und Sponsoren konzentrieren kann. Stefan Moser kümmert sich als sportlicher Leiter um alle Belange der 1. Mannschaft und mit Manfred Müller, Klaus Mechel und Wolfgang Rzehak haben wir weitere sportliche und wirtschaftliche Kompetenz in unseren Vorstand integriert. Zudem haben wir ganz viele weitere Ehrenamtliche, die die Belange unserer Homepage, der Jugend-, Eiskunstlauf- und Eisstockschützenabteilung verantwortlich regeln. Jetzt sind wir wirklich ganz gut aufgestellt, haben unsere Probleme im Griff, und deshalb habe ich kürzlich auch gesagt, wenn wir uns sportlich qualifizieren, sind wir auch wieder bereit, in die Oberliga aufzusteigen.“
Hockeyweb: Das ist ein gutes Stichwort: Miesbach ist seit jeher ein ‚natürlicher’ Oberligist. Vor 3 Jahren sind Sie in die Bayernliga abgestiegen und haben im Folgejahr auf Ihr direktes Aufstiegsrecht verzichtet. Seither, hat man den Eindruck, geht es sportlich und zuschauermäßig bergab. Hadern Sie heute mit dieser Entscheidung aus 2010?
Taffel: „Nein, überhaupt nicht. Wir mußten erst mal unsere Hausaufgaben erledigen, die ich eben erläuterte. Den hohen Zuschauerschnitt in der Saison 2009/10 haben wir vor allem durch die Play-off-Spiele erreicht, und in diesem Jahr fehlen uns die Spiele gegen Erding, um besser dazustehen. Im übrigen ist die Bayernliga seit vielen Jahren im Gegensatz zur Oberliga ausgesprochen gesund und stabil. Hier können wir mit einer Mannschaft ohne Profis spielen und bieten trotzdem guten, ansehnlichen Sport. Allerdings halte ich es grundsätzlich für unsportlich, ein Aufstiegsrecht nicht wahrzunehmen. Eine Oberliga Süd mit zwölf Clubs bietet zudem einen Rahmen, in dem wir existieren könnten.“
Hockeyweb: Welche Entwicklungsperspektive sehen Sie für den TEV?
Taffel: „Unsere allererste Aufgabe ist, die Eishalle zu erhalten und Eishockey hier wieder richtig populär zu machen. Wir wollen so viele Kinder und Jugendliche unserer Region zu diesem tollen Sport bringen wie möglich und aus unseren eigenen Reihen die 1. Mannschaft bestücken. Diese ist insofern Mittel zum Zweck, als Motivation für die Jugend und als Angebot, hier anschließend aktiv zu bleiben. In der Liga, für die wir uns auf diesem Wege qualifizieren, in der wollen wir auch spielen.“
Hockeyweb: Ist das Ihre Philosophie, Eishockey als Nachwuchs-Schule einer Region?
Taffel: „[lacht] Ja, so in etwa. Dafür tun wir alles: Markus Wieland, als ehemaliger Nationalspieler aus unseren Reihen, ist der Beste, den wir dafür haben. Und es ist ein klares Signal, daß er unsere Jüngsten trainiert, die Kleinst- schüler. Dort wollen wir eine breite Basis für die Zukunft legen. Zudem beschäftigen wir zwei FSJler, die insbesondere den Schulsport betreuen. Wir spielen mit jeder unserer Nachwuchsmannschaften in der höchsten bayerischen Spielklasse. Insofern haben wir schon jetzt ein gutes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen können.“
Hockeyweb: Welche Rolle spielt der TEV Miesbach in Stadt und Region?
Taffel: „Mit Ausnahme der Tegernseer Schachspieler [lacht] bieten wir den höchstklassigen Mannschaftssport in unserem Landkreis. Wenn man Miesbach in Rostock kennt, dann nur, weil die hier schon mal Eishockey gespielt haben; wir entfalten damit auch eine große Werbewirkung für diese Region. Allerdings kann uns die Stadt nicht in dem Maße beim Unterhalt der Eishalle unterstützen, wie Städte anderenorts, die den Vereinen die Hallen zum Teil kostenlos zur Verfügung stellen. Wir erhalten hingegen nur einen fixen Zuschuß, der maximal die Hälfte der Kosten deckt. Einen sechsstelligen Betrag müssen wir somit Jahr für Jahr allein für den Eisstadion-Betrieb erwirtschaften. Ohne die große Unterstützung unserer Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee könnten wir dies nicht leisten.“
Hockeyweb: Und rings herum sind Sie von anderen Eishockey-Mächten umgeben...
Taffel: Das stimmt: Bad Tölz, Rosenheim und München geben uns nur einen schmalen Streifen, aus dem wir Sponsoren und Zuschauer rekrutieren können. Zudem zieht sich auch eine unsichtbare Grenze durch unseren Landkreis: Das Tegernseer Tal fühlt sich stärker nach Bad Tölz hingezogen, als zu uns. Auch Holzkirchen will mit der Kreisstadt Miesbach wenig zu tun haben und orientiert sich nach München. Unter diesen erschwerten Bedingungen müssen wir unseren Platz finden und ausleben.“
Hockeyweb: Sie haben im Sommer das Erscheinungsbild des Clubs geändert: ‚frischer – frecher – leidenschaftlicher – einfach anders!’ steht auf Ihrer neu gestalteten Homepage als Claim. Zudem wollten Sie mehr Fan-Beteiligung schaffen. Hat das funktioniert?
Taffel: „Ich denke schon. Wenn wir die Jugendlichen der Region zu uns ziehen wollen, egal ob als Spieler oder als Fans, müssen wir für sie interessanter werden. Deshalb haben wir zunächst unser Erscheinungsbild geändert: Logo, Farbe, Homepage-Optik und –Angebot – alles ist frischer und regt nun zum Mitmachen ein. So hat sich tatsächlich in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fan-Club für uns gegründet. Wir müssen hier unsere eigene Eishockey-Konjunktur schaffen, die uns von anderen Clubs und Ereignissen unabhängiger macht.“
Hockeyweb: Eine ‚eigene Eishockey-Konjunktur’, was meinen Sie damit?
Taffel: „Nun, einerseits spüren wir jedesmal deutlich, wenn in unserem sportlichen Umfeld mal wieder irgendein wirtschaftlicher Zusammenbruch passiert oder ein Gegner zum Rückspiel nicht mehr antritt. Da reagieren die Leute und auch die Sponsoren bei uns extrem kritisch. Künftig dürfen wir von solchen Dingen jedenfalls nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, müssen uns davon unabhängig machen. Andererseits dürfen wir nicht darauf hoffen, daß es im deutschen Eishockey zu einem allgemeinen Aufschwung kommt, von dem wir alle profitieren könnten: was hat man denn aus der letzten WM gemacht, als über 70.000 Zuschauer ‚Auf Schalke’ beim Eishockey waren? Gar nichts ist davon bei uns angekommen, das ist einfach verpufft. Wir müssen also unsere eigene kleine Eishockey-Welt schaffen, in der unsere Leute sich wohlfühlen und die sie honorieren.“
Hockeyweb: Vor diesem Hintergrund überrascht es, daß Sie, wie kürzlich zu lesen war, nun auch eine synthetische Eisfläche unterhalten...
Taffel: „Moment! Diese Fläche gehört unserem Partner, dem Hotel Bayerischer Hof, hier in Miesbach. Der versucht, dieses Angebot auf einem ehemaligen Tennisplatz zu etablieren, für Hobbyteams und gegebenenfalls auch als ergänzendes Angebot für Sommertrainingslager. Da müssen wir noch sehen, wie wir künftig stärker zusammenarbeiten können.“
Hockeyweb: Wenn Sie sich etwas wünschen könnten für Ihren Verein, was wäre das?
Taffel: „Wir möchten ein Zentrum für Nachwuchs-Eishockey werden, das ist unsere Vision. Zweitens wollen wir das Eisstadion für uns erhalten. Und drittens wäre es schön, diesen phantastischen Eishockeysport in unserem Landkreis nachhaltig zu verankern und auf eine noch breitere Basis zu stellen. – Bei all diesen Wünschen sind wir auf einem ganz guten Weg.“
Hockeyweb: Und sportlich? Da konnten Sie Ihre Favoritenrolle bislang nicht ausfüllen. Wer wird Meister?
Taffel: „Mein Favorit ist Sonthofen. Und wir sind seit dem Trainerwechsel zu Beppo Schlickenrieder auch wieder auf einem ganz guten Weg.“
Hockeyweb: Herr Taffel, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!
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