WM: Schweiz will Kanada an den KragenNach dem Sensations-Sieg gegen Finnland wollen die Eidgenossen auch im Halbfinale überraschen

Die Schweiz ist bereit für die nächste Sensation. (picture alliance / AP Photo)Die Schweiz ist bereit für die nächste Sensation. (picture alliance / AP Photo)
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Das Wunder von Herning: In einem packenden Viertelfinal-Spiel schlug die Schweiz bei der WM Finnland mit 3:2. Euphorie bei den Eidgenossen vor dem Halbfinale am Samstag gegen Kanada. Ungläubig reibt man sich in der Schweiz die Augen. Es war der erste bei einer WM gegen Finnland seit 1972. Und der erste Sieg überhaupt in einem K.o.-Spiel gegen einen der beiden skandinavischen Titanen Schweden und Finnland. Ein Wunder. Ein Wunder? Nein, meint man in der Schweiz. „Es ist eine Sensation, die keine ist. Es ist vielmehr ein logischer Triumph, der sich abgezeichnet hatte. Ja einer, der erwartet, gefordert werden durfte“, schreibt das Portal „watson“. Und weiter: „Es ist ein logischer, kaltblütiger, zwingender, mit der Präzision eines Landvermessers herausgespielter und souverän nach Hause gebrachter Sieg“.

Man prangert die Arroganz der Finnen an. Die Skandinavier freuten sich nach dem 6:2 im letzten Gruppenspiel über die USA über den vermeintlich leichten Gegner im Viertelfinale. Nach der 1:0-Führung fühlte Suomi zu sicher, wurde passiv. Auch Superstar Sebastian Aho konnte nichts mehr retten. Hochmut kommt vor dem Fall.  Das Spiel der Eidgenossen lief so perfekt wie eine Schweizer Uhr. Mit Souveränität und Selbstsicherheit hielt die Defensive am Ende auch der druckvollen Schluss-Offensive der Finnen stand.  Trainer Patrick Fischer verriet, wie er seine Mannschaft, was er der Mannschaft in der ersten Pause nach dem Rückstand sagte: „Ich habe die Spieler gefragt, ob sie am Samstag Finnland gegen Kanada am TV schauen möchten. So wäre es gekommen, hätten wir so weitergespielt. Das war ja nicht schlecht, aber auch nicht gut genug.“ Was dann geschah, war ein „Heldenepos in Herning“ (Neue Zürcher Zeitung). Es sprach so wenig für die Schweiz. In der Neuzeit hatte sie neun von zehn WM-Viertelfinals verloren. Seit dem Jahr 2000 gelangen ihr in der Runde der letzten Acht nie mehr als zwei Tore. Der Gegner stellte den besseren Kader, wie immer. „Doch der Defaitismus, der das Nationalteam während Jahren gehemmt hatte, war wie weggeblasen.“ (NZZ). Geknickt gab der finnische Coach Lauri Marjamäki zu: „Wir haben alles versucht. Aber es hat nicht gerreicht.“

Jetzt wollen die Schweizer gegen Kanada mehr. Nicht einmal Connor McDavid, der vielleicht schnellste Stürmer der Welt und Topscorer der Ahornblätter, macht Sorgen. Das "beste WM-Team der Eidgenossen aller Zeiten" ist bereit, weiter Geschichte zu schreiben. Das Hochgefühl soll mindestens bis zum Samstagabend anhalten, wenn in Kopenhagen das Duell mit dem ewigen Favoriten Kanada auf dem Programm steht. „Wir sind noch nicht satt, sondern haben hier noch einen weiten Weg vor uns“, bläst Stürmer Sven Andrighetto zur Attacke gegen den 26-maligen Weltmeister. Mut. Vertrauen. Stärke. Stolz. So ist es auf dem Kragen der rot-weißen Trikots eingestickt. Jetzt soll es auch Kanada an den Kragen gehen, meint der "Blick". Na dann.

Schweiz – Kanada/Die letzten 10 Pflichtspiele:

Olympia 2018 Pyeongchang 1:5

WM 2017 Paris 3:2 n.V.

WM 2015 Prag 2:7

WM 2013 Stockholm 3:2 n.P.

WM 2012 Helsinki 2:3

WM 2011 Kosice 3:4 n.V.

WM 2010 Mannheim 4:1

Olympia 2010 Vancouver 2:3 n. P.

WM 2007 Moskau 1:5

Olympia 2006 Turin 2:0