Eishockey - International

07.06.2012

Fast gerettet

Kloten Flyers spielen weiter

von Armin Holl-Wagner

Man könnte meinen, die Kloten Flyers sind von der Intensivstation direkt ins Endspiel gekommen. Denn die Sensation ist nahezu perfekt und der schwer angeschlagene Schweizer Traditionsclub Kloten Flyers ist so gut wie gerettet. Heute beschließt, die Nationalversammlung mit Kloten zu planen und die Lizenz nicht zu entziehen.


Letzten Freitag musste Sanierungsspezialist Daniel Hunkeler noch einen Konkursantrag stellen, da der Club mit über acht Millionen Schweizer Franken überschuldet ist. Zudem fehlten weitere rund vier Millionen, um den Spielbetrieb zu sichern. Im selben Zug stellte Hunkeler auch einen Antrag auf Konkursaufschub, um Zeit zu gewinnen. Diese Zeit hat man nun offensichtlich mehr als gut genutzt.

Am Dienstag begann mit dem Einstieg des Präsidenten des nationalen Eishockey-Verbandes, Philippe Gaydoul, und Thomas Matter die äußerst überraschende Wende im Fall der Kloten Flyers. Zusammen wollen sie sich mit sechs Millionen Schweizer Franken am Traditionsklub beteiligen. Zudem sollen die ausstehenden April-Löhne in Höhe von rund 700.000 Schweizer Franken bezahlt werden. Im Schweizer Fernsehen SRF äußerte sich Gaydoul: „Die Situation hat sich in den letzten Tagen derart entwickelt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, den Klub zu retten, als durch unsere Investitionen.“

Doch dieser Invest ist an Bedingungen geknüpft. So sind dies ein 15-prozentiger Gehaltsverzicht bei Spieler und Trainern, die Zustimmung der Nationalliga-Versammlung zur Teilnahme an der kommenden NLA-Saison sowie einen weiteren Verzicht der Gläubiger. Zudem möchte Gaydoul mindestens 67 Prozent der Stimmrechte der momentan wertlosen Aktien.

Bei den Spielern, die zuvor ihr Ultimatum verlängert hatten, herrscht Klarheit. Einige, wie Félicien Dubois, baten um Bedenkzeit. Bis auf Samuel Walser haben inzwischen jedoch alle die Kürzung akzeptiert. Allerdings trennt man sich auch von den Großverdienern Roman Wick, Niklas Nordgren und Patrik von Gunten. Auch Trainer Anders Eldebrink muss gehen. Seinen Job wird Felix Hollenstein übernehmen. Für Wick ein schwerer Schlag, denn er wäre laut eines Interviews mit dem Schweizer Blick bereit gewesen, auf deutlich mehr als 15 Prozent seiner bisherigen 600.000 Schweizer Franken zu verzichten. Im Interview sagt er: „Es ist eine krasse Vorgehensweise. Ich bin sehr enttäuscht, aber nicht wütend. In der Kabine kamen Emotionen hoch, die man sonst im Team nicht sieht. Mir liegt so viel am Klub, dass ich der Rettung nicht im Weg stehen will.“

Ein weiterer wichtiger Schritt wurde heute von der Nationalliga-Versammlung getan. Diese entzieht den Flyers nicht die bereits vor Monaten erteilte Lizenz, sondern traut den Verantwortlichen zu, nun wieder in eine finanziell abgesicherte sportliche Zukunft zu gehen. Wenn auch nur mit strengen Auflagen. Diesen wurden bisher jedoch nicht näher benannt.

Doch dies alles ist noch nicht die endgültige Rettung. Denn es stehen noch immer offene Gläubigerposten in Millionenhöhe im Raum. Vor allem die Steuerschulden, die bisher als „nicht verhandelbar“ bezeichnet wurden, drücken. Hier hat die Task-Force um Peter Bossert eine weitere Baustelle. In einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung spricht Daniel Hunkeler nun jedoch davon, dass der Betrag „nicht in Stein gemeißelt“ sei, nur die Sozialversicherungen seien „grundsätzlich unverhandelbar“.  Im selben Bericht äußert sich der Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich, Roger Keller, zu dem Thema: „Jeder Fall muss mit einer sachlichen Abwägung der Interessen des Staates individuell beurteilt werden.“

Den Flyers liegen inzwischen mehrere Verzichtserklärungen von Gläubigern vor. Doch alle möglichen  Investitionen, auch die je 500.000 Schweizer Franken der Priora Group und der Flughafen AG, sind an Bedingungen geknüpft. Einzig die durch Sammlungen und diverse Aktionen generierten 720.000 Schweizer Franken sind den Club sicher.

Die Forderung nach 67 Prozent Stimmrecht ist ebenfalls noch nicht geklärt. Während Ex-Präsident Jürg Bircher inzwischen eingelenkt und seine Aktien unentgeltlich zurückgegeben hat, liegt der Puck nun im Drittel von Adrian Fetscherin. Denn auch Peter Bossert hat seine Anteile zur Verfügung gestellt. Damit ist Fetscherin der letzte Großaktionär. Er hält 30 Prozent der Papiere.

Als fader Beigeschmack bleibt bei einigen, dass ausgerechnet Verbandspräsident Philippe Gaydoul der Retter ist. Doch um nicht früher oder später in einen Interessenkonflikt zu geraten, hat Gaydoul angekündigt, dass er, sobald er das Präsidium im Verwaltungsrat der Kloten Flyers übernimmt, als Präsident des Schweizer Eishockeyverbandes zurücktritt. Die Nationalliga-Versammlung sprach sich heute jedoch dafür aus, dass Philippe Gaydoul während einer Übergangszeit ein Doppelmandat ausüben soll. Die Länge der Übergangszeit wird letztlich bei der Generalversammlung der Swiss Ice Hockey Federation im September 2012 entschieden.

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