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Schweiz: Ajoie schafft Sensation

Der Darmstädter Konstantin Schmidt, hier im Trikot der Towerstars  aus Ravensburg, war Held der Ajoulots. Foto: picture alliance /Eibner-Pressefoto  Der Darmstädter Konstantin Schmidt, hier im Trikot der Towerstars aus Ravensburg, war Held der Ajoulots. Foto: picture alliance /Eibner-Pressefoto

Eine Erfolgsgeschichte wird fortgeführt. Von 1957 bis 1966 existierte in unserem Nachbarland bereits ein Pokalwettbewerb, dessen Rekordsieger mit drei Titeln der HC Neuchâtel Young Sprinters war. Nach 48 Jahren Pause ging es im Herbst 2014 wieder los und die Sieger lauteten nacheinander SC Bern, Zürcher SC Lions, EHC Kloten Flyers.

Zum Modus: Die 12 Nationalliga-Teams plus zehn Mannschaften der zweitklassigen Swiss-League sind gesetzt. Dazu kämpfen alle unterklassigen Mannschaften um die noch freien zehn Plätze. In allen Runden haben die unterklassigen Mannschaften automatisch Heimrecht und in der ersten Runde werden die Teams in geografische Gruppen eingeteilt und ausgelost um die Reisekosten möglichst gering zu halten. Ab dem Achtelfinale gilt diese Regelung nicht mehr.

Warum in Deutschland ein Pokal, im Gegensatz auch zum Fußball, ein ungeliebtes Kind ist, kann man eigentlich nicht nachvollziehen. In der Schweiz jedenfalls fiebern die Fans den Spielen entgegen und natürlich sind die Ergebnisüberraschungen das Salz in der Suppe. In der letzten Saison z. B. flog Meister SC Bern bereits in der ersten Runde gegen einen unterklassigen Verein aus dem Cup und auch in diesem Jahr gab es eine Überraschung. 

Sensation in Ajoie 

Die Sensation passierte in dem kleinen Ort Ajoie, 150 Km nördlich von Lausanne. Der große Favorit, der HC Lausanne traf auf ein nervöses Swiss-League-Team, dass nach dem 4:7 gegen La-Chaux-de-Fonds in der Punktrunde wenigstens gegen den Favoriten nur gut aussehen wollte. Ganze 1.382 Zuschauer kamen ins Eisstadion von Ajoie und staunten nicht schlecht, wie ihre Mannschaft nicht nur mithalten konnte, sondern schon im ersten Drittel den LHC in Verlegenheit brachte. Nach dem 1:0 von Arnaud Montandon im Powerplay nach sieben Minuten brauchte Lausanne volle zehn Zeigerumdrehungen für den Ausgleich. Yannick Herren machte das 1:1 und als 24 Sekunden nach Drittelanpfiff Johnny Kneubueler das 1:2 erzielte, schien der Favorit auf der Siegerstraße. War es Überheblichkeit der Lausanner Akteure oder die Kampfkraft der Ajoulots, wie die Einheimischen genannt werden. Nach vierzig Minuten hieß es immer noch 1:2. Und dann kam Ajoie. Der ’Star des dritten Drittels“ hieß Konstantin Schmidt. Der Darmstädter, der das Eishockeyspielen in Thurgau lernte und zwischenzeitlich auch mal in der DEL2 bei Bietigheim, Ravensburg und Schwenningen (DEL) aktiv war, setzte zweimal vorzüglich seine Mitspieler Giacomo Casserini und Philip-Michael Devos ein und es stand 3:2. Die Lausanner fanden daraufhin einfach kein Mittel und als Trainer Dan Ratushny seinen Keeper Zurkirchen vom Eis nahm, war Jonathan Hazen mit dem 4:2 zur Stelle. 

Brüderduell in Seewen

Einer weiteren schönen Geschichte im Rahmen des Pokals gab es in Seewen. Der Drittligist traf auf den HC Lugano. An für sich nichts Besonderes. Aber in beiden Mannschaften gibt es einen Spieler mit dem Nachnamen Wellinger und der gleichen Rückennummer 95. Um es aufzuklären: Die beiden Akteure sind Brüder. Der 29jährige Thomas war Stammverteidiger in Biel, ging im Sommer nach Lugano, sein 22-jähriger Bruder Roman ist Stürmer, hofft auf eine ähnliche Karriere wie sein Bruder. Dazu Roman Wellinger: ’Für mich war die Spannung schon vor der Auslosung groß. Als ich erfuhr, dass Lugano ein möglicher Gegner war, habe ich die Auslosung im Büro live mitverfolgt.“ Und Thomas Wellinger: ’Wir haben noch nie zusammen oder gegeneinander gespielt. Vielleicht haben wir einmal auf freiem Eis miteinander gespielt aber nie in einer offiziellen Partie.“ Die Begegnung selbst ging klar 9:1 vor 1.354 Zuschauern an den Favoriten, wobei Seewen durch ein Powerplaytor von Rolf Portmann sogar mit 1:0 in Führung ging. Bürgler glich aus und mit dem tollen 1:1 gingen die Seewener in die Kabine. Danach schalteten die Bianconeri zwei Gänge höher und trafen noch achtmal zum standesgemäßen Ergebnis. 

Favoriten setzten sich durch 

Leider war dies die einzige Sensation. In den Swiss-League-Duellen setzte sich in drei harten Kämpfen, zweimal 3:2 und einmal 0:2 endend, Olten gegen Meister Langenthal und Visp gegen La-Chaux-de-Fonds und Rapperswil in Winterthur durch. Reine Erstligaduelle gibt es in der ersten Runde nicht.

Am spannendsten war es noch zwischen dem Swiss-League-Teilnehmer EV Zug Academy und dem NL-Verein Ambri-Piotta. Die Tessiner, die durchaus ansprechend in die Punkterunde gestartet waren, kamen vor 1.730 Zuschauern mit einem blauen Auge davon. Zweimal ging der Underdog durch Yannick Zehnder (13.) und Fabian Haberstich (23.) in Führung, zweimal gelang Ambri wenigstens der Ausgleich, als Nick Plastino (19.) und Peter Guggisberg (40.) trafen. Man musste in die Verlängerung und hier hatte Ambri in Peter Guggisberg (62.) erneut einen Torschützen.

Die restlichen Begegnungen gingen klar an die Favoriten. Biel gewann in Burgdorf 5:1, Kloten in Thurgau 6:2, Biasca gewann beim B-Team von Servette Genf 4:1, Langnau bei den Argovia Stars 8:2, Bern mit 9:2 beim EHC Brandis vor der dortigen Rekordkulisse von 2.100 Zuschauern, der ZSC Lions mit 8:1 in Frauenfeld, Davos 10:2 in Dübendorf, Servette Genf 7:2 in Sion, Zug 9:0 in Wiki-Münsingen und Tabellenführer Fribourg Gotteron 6:1 in Saint-Imier. In letzterem Spiel, man hätte es auch Drachenspiel nennen können, da beide Mannschaften einen Drachen im Logo zeigen, führte Fribourg zwar schnell mit 5:0 aber der Drittligist schaffte ein kleine Sensation, weil er das zweite Drittel (Tor: Yoan Vallat) mit 1:0 für sich entschied. Die 1.500 Zuschauer in der Patinoire d`Erguel waren jedenfalls von ihrem Torschützen und seinem Team begeistert.

Die Achtelfinalauslosung findet noch statt, die Spiele selbst am 22.10.2017 statt. (Autor: Manfred Schneider)