Vancouver Sun: Niederlage wird Kanadas Spieler den Rest ihres Lebens verfolgen Pressestimmen zum sensationellen Finaleinzug des DEB-Teams bei Olympia

Bilder sagen mehr als Worte. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)Bilder sagen mehr als Worte. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)
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Es war ein sensationeller Erfolg. Erstmals in der deutschen Eishockeygeschichte erreichte eine deutsche Vertretung das Finale, darf am abschließenden Sonntag gegen Russland, in diesem Fall die „Olympischen Athleten Russlands“ antreten um im besten Fall Gold zu holen. Es wäre die  mit Abstand überraschendste Goldmedaille, die Deutschland bei diesen Winterspielen gewonnen hätte. Und auch die Silbermedaille gehört in jenes Fach, in dem die Geschichten gehortet werden, die man nie vergisst. Natürlich hat sich die nationale und internationale Presse zu diesem Ereignis geäußert, hier eine Zusammenfassung.

National:

Die Braunschweiger Zeitung zitiert den Bronzeheld von 1976, Alois Schloder: „Es ist alles möglich. Neue Helden braucht das Land. Die Mannschaft hat an den Erfolg geglaubt." 42 Jahre nach Sensations-Bronze von Innsbruck freut sich der 70-jährige Schloder mit der neuen Generation. „Es ist Zeit geworden, wir hatten unsere Zeit. Das ist großartig. Hoffentlich kann man den Schwung mitnehmen für die Liga und das ganze deutsche Eishockey“, sagte Schloder. Großen Anteil am Erfolg hat Bundestrainer Marco Sturm. „Nach dem Bronzeschmied Xaver Unsinn haben wir jetzt zumindest einen Silberschmied aus Landshut“, sagte der gebürtige Landshuter Schloder und weiter zur Schlussphase des Spieles: „Ich glaube der Blutdruck war etwas erhöht. Es war gigantisch. Aber man weiß ja, was alles passieren kann.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) konstatiert: Deutschland schafft das Eishockey-Wunder und kommt zu dem Schluss: Die unbeugsamen Deutschen setzen ihre märchenhafte Traumreise fort. Mit dem Triumph im Olympia-Halbfinale gelingt der größte Erfolg ihrer Geschichte. Nach dem unfassbaren 4:3 gegen Kanada geht es nun um Gold.  Dann fällt ihnen auf: Dreizehn Gold-Medaillen haben die deutschen Sportler bis zum Schlusswochenende in Pyeongchang schon gesammelt. Ausgerechnet die Eishockey-Nationalmannschaft, die zuvor niemand auf dem Zettel hatte, kann mithelfen, dieses Ergebnis weiter auszubauen. Das kann ein Team schaffen, dass von sich überzeugt ist und das ist laut der FAZ die Nationalmannschaft: Nach der Schlusssirene gab es für die triumphierenden Underdogs kein Halten mehr: Sie tobten außer Rand und Band vor Freude durch das Oval und gaben auch bei ihrer Tanzeinlage das stimmige Gruppenbild eines Teams ab, in dem jeder Einzelne großen Spaß daran hat, sich von einer unbekannten, überraschenden Seite zu präsentieren. Und Torhüter Danny aus den Birken, auf den wieder Verlass war, sagte: „Wir haben eine Medaille. Wir haben uns einen Traum erfüllt mit einer unglaublichen Mannschaftsleistung. Das ist Wahnsinn, das muss ich erstmal realisieren.“

In die gleiche Kerbe schlägt die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ): EISHOCKEY-SENSATION: DEUTSCHLAND SCHLÄGT KANADA UND ZIEHT INS OLYMPISCHE FINALE EIN! Der Wahnsinn nimmt kein Ende. Die deutschen Eishockey-Stars besiegen überraschend Olympiasieger Kanada und stehen sensationell im Finale. Der größte Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte ist damit perfekt. Nun geht es gegen die Russen und zitiert im Anschluss die Legende Erich Kühnhackl, der in der Abendpost gesagt hatte: „Es ist Zeit, dass neue Helden geboren werden", Auf jeden Fall sind die Jungs würdige Erben, sie sind wahre und würdige Erben von 1976."

Der Iserlohner Anzeiger titelt: Eishockey-Märchen geht weiter: Deutschland steht zum ersten Mal im Olympia-Finale und beschreibt die ausgebrochene Euphorie mit den Worten von Franz Reindl: Die Nachfrage ist riesig. Ich musste beim Weltverband IIHF noch einmal Karten nachbestellen". Eine ganz andere Seite entdeckten die Lausitzer Nachrichten und titelten: „Wahnsinn“: Ein Lausitzer greift nach Gold. Mitglied dieser schon garantiert „silbernen“ Mannschaft ist nämlich der gebürtige Bad Muskauer Frank Hördler: „Das war eine Wahnsinns-Mannschaftsleistung. Wir sind die Deutschen, eine Turniermannschaft“, sagte Hördler, der bei den Eisbären Berlin spielt, nachdem das DEB-Team durch das grandioses 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) gegen Rekord-Olympiasieger Kanada schon die Silbermedaille gesichert hat.

Auch im europäischen und nordamerikanischen Raum wurde der Sensationserfolg wie folgt wahrgenommen.

Das Schweizer Newsportal 20 Minuten – Schweiz ist auch überrascht und schreibt: Deutschland gelingt die Hockey-Sensation. Nach den Siegen gegen die Schweiz (2:1) und Schweden (4:3) folgt nun ein Sieg gegen Kanada und jetzt greift Deutschland nach Olympia-Gold.

Der nächste Coup: Deutschland schlägt Kanada und greift gegen die Russen nach Olympia-Gold. Das Team von Trainer Marco Sturm im Final. Dort trifft es auf das Team OAR, das Tschechien 3:0 bezwang. 32 Jahre nach dem «Wunder von Innsbruck», als die Deutschen Olympia-Bronze gewannen, gibt es nun das «Wunder von Gangneung». Die DEB-Auswahl unterstrich auch gegen Kanada, was mit einer guten Spielstruktur zu erreichen ist.

Der bereits nach dem Schweden-Spiel zitierte Sport-Informationsdienst Watson geht noch weiter und meint in der Headline: Ein logisches Wunder, das auch für uns möglich gewesen wäre und stellt anschließend die Frage:  Was haben die Deutschen, was wir nicht haben? Gehen wir Punkt für Punkt durch. Die Liga? Nein. Die DEL ist klar schwächer als unsere NLA. Das zeigt sich alleine schon an den Resultaten in den internationalen Klub-Wettbewerben. Die Vorbereitung? Nein. Die Deutschen hatten schlechtere Bedingungen als wir. Sie haben in der Meisterschaft seit der Novemberpause durchgespielt. Mehr Geld? Nein. Die Löhne der DEL-Spieler sind niedriger als die der Schweizer Stars. Die geringere Belastung? Nein. Die Deutschen haben bis zu diesem Zeitpunkt mehr Ligaspiele bestritten – und die Reiserei ist in der DEL viel stressiger als bei uns. Mehr Talent? Nein. Bei einem Talentwettbewerb würden wir in einem Einzelvergleich Spieler gegen Spieler haushoch gewinnen. Unser spielerisches Bruttosozialprodukt ist viel grösser. Und trotzdem:  Deutschland steht im olympischen Finale. Die Deutschen haben die «Jahrhundert-Chance» – die Abwesenheit der NHL-Stars – zu ewigem Ruhm genutzt.

Was haben die Deutschen besser gemacht als wir?

Die Deutschen können Powerplay. Wir nicht. Die Deutschen können Boxplay. Wir nicht. Die Deutschen können Taktik. Wir nicht. Die Deutschen können Disziplin. Wir nicht. Die Deutschen können Geduld. Wir nicht. Die Deutschen können Coaching. Wir nicht. Die Deutschen können Zweikampf. Wir nicht.

Wir haben hier wieder einmal eine Sternstunde eines Außenseiters erlebt. Von «Momentum» sprechen die Psychologen, wenn ein Team in Fahrt kommt und dann über sich hinauswächst. Das «Momentum» bekamen die Deutschen durch den Verlängerungssieg gegen die Schweiz. Wir verneigen uns vor Marco Sturm, dem freundlichen NHL-Titanen und neuen «Hockeygott» Deutschlands.

Auch im benachbarten Österreich wurde der Sieg registriert. Der Wiener Kurier schrieb: Sensationssieg gegen Kanada. Mit dem Finaleinzug hat die Mannschaft von Teamchef Marco Sturm bereits Silber sicher und damit den größten Erfolg im deutschen Eishockey perfekt gemacht. Die Bronze-Gewinne von 1932 in Salt Lake City und 1976 in Innsbruck sind bereits getoppt. Nun können die Außenseiter im Endspiel gegen die wegen des Sotchi-Dopingskandals unter neutraler Flagge antretenden Russen sogar den Gold-Coup schaffen.

Die schwedische Zeitung Aftenposten schrieb: Sensationeller Erfolg Deutschlands über Kanada. Die Grundlage wurde in der Phase gelegt, als man von 1:0 auf 4:1 davonzog. Dann wird noch der Experte Espen Knutsen gefragt, der über die überraschten Reaktionen der deutschen Reporter überrascht war: „Das ist natürlich riesig." Jetzt hat Deutschland auch die Goldmedaille verdient. Dagens Nyheter (Schweden) ist fassungslos: 2014 war Deutschland im beim olympischen Eishockeyturnier nicht dabei und jetzt im Finale. Was für ein Aufschwung. Die russische Prawda lässt im Finale zwei Autos gegeneinander spielen (!), ein Rotes Auto (Russland) gegen ein deutsches Auto. Im Anschlusstext meint der Redakteur, dass Russland im Halbfinale mit den Tschechen beim 3:0 kaum Probleme hatte und ein paar Stunden später gab es die absolute Sensation. Außenseiter Deutschland zieht ins Finale ein. Jetzt hat Russland, das vor 26 Jahren zuletzt Gold holte, die große Chance auf den ersten Platz.

In den USA findet man kaum einen Bericht über das deutsche Spiel. Lediglich USA-Today berichtet und verbindet die Leistung der Mannschaft mit der von Björn Krupp, der zu den besten deutschen Defendern gehört. Björn Krupps Geschichte spiegelt den unglaublichen olympischen Hockey-Lauf Deutschlands perfekt wider. Wenn die bemerkenswerte deutsche Hockeymannschaft die olympischen Athleten aus Russland am Sonntag beim Hockey-Goldmedaillen-Spiel der Männer spielt, wird es wohl passend sein, dass ein massiger Verteidiger namens Krupp vor dem deutschen Netz einen Schuss abwehrt. Der furchtlose Verteidiger ist der rothaarige Björn Krupp, der in Amerika geborene Sohn von Uwe Krupp, der als einer der besten deutschen Spieler in der NHL gilt. „Sie sehen sogar gleich aus, nur die roten Haare und braunen Haare unterscheiden sie“, sagte der deutsche Trainer Marco Sturm. "Er ist unser sechster / siebter Verteidiger, aber wenn er reinkommt, kümmert er sich genauso um sein Geschäft wie sein Vater.“

Zur Sache geht der Kommentator des Toronto Star: Kanada nimmt im Halbfinale Deutschland nicht ernst und verliert leichtfertig. Das ist mehr als ärgerlich und deswegen zitiert er General Manager Sean Burke, der mit Kanada bei den Olympischen Spielen 1992 in Deutschland fast verloren hätte. Der Vater von Topstar Leon Draisaitl (Edmonton), Peter Draisaitl scheiterte mit seinem Penalty, wobei der Puck auf der Linie liegen blieb. Selten lagen zwischen Glück und Trauer so wenige Zentimeter.

Die Vancouver Sun urteilt:  Das Team Kanada hat sich in peinlicher Niederlage gegen Deutschland selbst geschlagen. Das sind die Spiele, die du nie vergisst. Es spielt keine Rolle, wer du bist und wo du spielst. Es spielt keine Rolle, dass niemand Ihren Namen oder Ihren Hintergrund kennt. Es spielt keine Rolle, dass dies nicht das Team Canada war, das wir wollten oder auf dem Eis wollten. Es geht darum, verloren zu haben, gegen Deutschland, dieses verfluchte Deutschland, das sich nicht für die letzten Olympischen Spiele in Sotchi qualifiziert hatte. Dieses 3:4 wird die teilnehmenden kanadischen Spieler den Rest ihres Lebens verfolgen. Und dann folgt zum Schluss des Kommentars die verbale Höchststrafe: Das war für viele Spieler, die die 30 Jahre erreicht hatten und nie den Weg in die NHL gefunden haben, die Chance für eine Rückkehr. Sie haben diese Chance in dem Augenblick liegen gelassen, als Deutschland seinen Penalty verschoss. Ihnen fehlte es an Anstrengung und Spielplan. Und das war ihre Chance, sich zu steigern, so wie es die Komparsen jeden Abend am Broadway tun. Stattdessen vergaßen sie ihre Linien, stolperten in den Tanznummern über sich selbst, konnten dem Drehbuch nicht folgen und konnten den Moment auf der großen Bühne gegen einen historisch kleinen Gegner nicht finden. Stattdessen erstarrten sie.


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